Puy, schmeckt besser als es aussieht

Experiment erfolgreich: Mit Mut zur Lücke bekannte Zutaten neu kombiniert. Sehr lecker! Foto: Christine Kordt

Wo „Simple“ draufsteht, ist Köstliches drin: Das puristisch schöne Kochbuch von Starkoch Ottolenghi liefert beeindruckende Rezepte vom Salat bis zum ganzen Menü. Doch aller Anfang ist schwer – selbst bei „einfachen“ Gerichten. Ein Start mit Hindernissen, skeptischen Blicken und Lust auf mehr.

Von Gastautorin Christine Kordt


Nur schnell die Fahrradkarte in der Bahnhofsbuchhandlung abholen und dann mit der S-Bahn nach Hause. So der Plan. Im Eingang präsentiert der zentrale Buchtisch schicke Ottolenghi-Kochbücher. Stimmt, da war doch gerade der Artikel im Kölner Stadtanzeiger zum aktuellen Buch „Flavour: Mehr Gemüse, mehr Geschmack“. Klang verlockend, aber für meine Kochkenntnisse zu abgedreht. Doch jetzt liegt hier auch noch „Simple“. Dieser Kombination aus „einfach“ und „kochen“ kann ich nicht widerstehen. S-Bahn leider verpasst.

Verloren zwischen Hülsenfrüchten

Was koche ich zuerst? Lammhackbällchen? Zitronenhähnchen? Gurken-Rapunzel-Salat? Die Zutatenlisten der orientalisch angehauchten Gerichte sind alles andere als simple: Za’atar, eingelegte Zitronen, Berberitzen, Rosen-Harissa, Schwarzkümmelsamen … Was ist das und wenn ja wo gibt’s das? Kollegin Nour kommt aus Aleppo und kennt sich aus. In der Mittagspause stöbern wir am Kölner Chlodwigplatz im türkischen Feinkostladen. Ohne Nour wäre ich verloren zwischen Hülsenfrüchten, Schraubgläsern, Kräutern und Konserven. Mit Zumach, Tahine, Harissa und Co. im Einkaufskorb soll der Simple-Küche nichts mehr im Weg stehen.

„Raus mit Dir, ich muss mich konzentrieren!“

Mit Linsen-Auberginen-Eintopf von Seite 171 geht es los. Wenn da nur nicht die Puy-Linsen wären. Selbst in der Spezialitäten-Abteilung im Kölner Kaufhof Fehlanzeige. Laut Internet-Recherche gehen auch schwarze Beluga-Linsen – ein Glück, die gibt’s fast überall. Thymian wächst im Vorgarten, statt Isot Biber gehen auch Chiliflocken, der Rest ist Standard. Präzise und praktisch ist die Zutatenleiste: Wo andere Kochbücher nur „2 kleine Auberginen“ schreiben, gibt Yotam Ottolenghi auch das entsprechende Gewicht an, eine gute Orientierung.

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Immer dabei: frische Kräuter wie Thymian. Foto: Christine Kordt

Für 160 g Zwiebeln brauche ich drei statt einer Zwiebel. In der Pfanne brät die Zwiebel-Knoblauch-Thymian-Mischung und schon schnuppert der Mann an der Küchentür.

„Raus mit Dir, ich muss mich konzentrieren!“ Auberginen und rote Tomaten glänzen prächtig in der Pfanne. Bis Brühe und Linsen hinzukommen und alles immer schwärzer wird.

Die Auberginen werden weich, die Linsen sind noch hart. Statt 40 Minuten brauchen sie nur 20 Minuten. Der Mann guckt skeptisch. Okay, war ein Versuch. Angerichtet mit Couscous, Crème fraiche und Basilikumblättern sieht’s gleich viel besser aus. Und siehe da, es schmeckt auch viel besser als es aussieht. Der Couscous nimmt die würzige Soße auf, Kräuter und Gemüse sind köstlich. „Super, weiter so“, sagt der Mann und isst.

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2 kleine Auberginen und 200 g Kirschtomaten werden gebraten. Foto: Christine Kordt

Einfach mal machen, auch wenn was fehlt

Die nächsten Gerichte gehen leichter: Die Linsen-Tomaten-Suppe mit Kokos und Curry ist wirklich simple, scharf und fruchtig.

Dass der Koriander nur aus dem Tiefkühlfach kommt, geschenkt. Die Bratkartoffeln mit Rosmarin und Zumach sind eine spektakuläre Beilage.

Der geröstete Butternusskürbis mit Linsen und Gorgonzola schmeckt auch ohne Estragon. Gar nicht schlimm, wenn mal eine oder zwei Zutaten fehlen. Mit so vielen guten Erfahrungen im Rücken geht’s als nächstes an die Fleisch- und Fischgerichte. Die schönen Fotos und die super Anleitungen machen Lust auf mehr. Und wer weiß, vielleicht kommt Weihnachten ein ganzes Menü auf den Tisch.

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Wenn Linsen, Wein, Brühe und Wasser dazukommen, leidet die Optik, aber nicht der Geschmack. Foto: Christine Kordt

Yotam Ottolenghi: Simple. Das Kochbuch, 320 Seiten, 28 Euro.

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Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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