„In einige der Fettnäpfchen, in die ich meine Fantasiefigur Katharina treten lasse, bin ich in Schweden selbst getreten. So habe ich vor der Pressekonferenz mit den Nobelpreisträgern einer Mitarbeiterin des Pressestabs auf die Schulter getippt, weil ich eine Frage hatte – ein absolutes No-Go. Wenn sie nicht gerade miteinander verwandt, verschwägert oder befreundet sind, halten die Schweden zu ihrem Gegenüber einen gebührenden Abstand von mindestens einem Meter. Wenn Fremde sie berühren oder ihnen auf die Schulter klopfen, empfinden sie das als sehr unangenehm.
Ich musste im Nobelrestaurant niesen, habe ins Taschentuch geschnäuzt und damit alle Blicke auf mich gezogen. Der Gebrauch von Taschentüchern im Restaurant gilt in Schweden als Ekelfaktor – man geht zum Naseputzen auf die Toilette.
Meine Small-Talk-Versuche kamen ebenfalls nicht gut an – den Schweden ist es generell unbehaglich zumute, wenn sie von jemanden angesprochen werden, den sie nicht oder kaum kennen.
In andere Fettnäpfchen, in die Katharina tritt, sind deutsche, englische und amerikanische Freunde und Bekannte von mir getreten. Manches kam mir übertrieben vor, bis selbst wieder in den Fettnapf trat.“
Cornelia Lohs hier mit der US-amerikanischen Nobelpreisträgerin, der Biochemikerin Frances Arnold, in Stockholm.