Organspende – Ja oder Nein?

Es ist ein Reizthema. Lebensrettende Organtransplantationen sind wichtig und sinnvoll. Doch es gibt zu wenig Spenderorgane. Viele Todkranke warten vergeblich auf ein neues Herz, eine Niere, Leber, Lunge oder Bauchspeicheldrüse. Nur 20 Prozent der Deutschen besitzen einen Organspendeausweis. Viele möchten sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen – überhaupt nicht oder noch nicht. Die meisten wissen zu wenig darüber. Die Bundesregierung entschied deshalb im März 2012, das Transplantationsgesetz in Deutschland zu reformieren: Künftig soll jeder Erwachsene über seine Bereitschaft, Organe zu spenden, von der Krankenkasse befragt werden. Noch in diesem Jahr tritt die Regelung in Kraft. Die Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme nach dem Tod soll auf der Krankenversicherungskarte gespeichert werden. Aber: Ein Auskunftszwang besteht nicht. Die Angaben sind für jeden freiwillig.

Die Angst, zu früh für tot erklärt zu werden, ist für manche ein weiterer Grund, sich gegen eine Organspende zu entscheiden. „Diese Sorge ist völlig unbegründet“, sagt Professor Dr. Andreas Seekamp vom Uniklinikum in Kiel. „Ärzte tun immer alles Menschenmögliche, um Schwerverletzte zu retten. Eine Therapie würde nie eingestellt werden, nur weil der Patient einen Organspendeausweis hat.“ Nur bei der Diagnose Hirntod kommt man als Spender überhaupt in Frage. „Die Wahrscheinlichkeit, durch ein Unfallereignis zum Organspender zu werden, ist deutlich geringer, als selbst irgendwann einmal ein Organ zu benötigen. Denn zu Spendern können nur hirntote Menschen werden. Das bedeutet, dass die Hirnfunktionen so stark und irreversibel geschädigt sind, dass der Mensch ohne eine technische Unterstützung von Atmung und Kreislauf stirbt.“ Maschinen halten die Funktionen der Organe so lange aufrecht, bis sie entnommen werden. Für Angehörige ist es schwer, zu begreifen, dass der Tod längst eingetreten ist, auch wenn das Herz noch schlägt und der Brustkorb sich bewegt. Zwei Ärzte müssen dabei unabhängig voneinander den Hirntod feststellen.

Derzeit warten 12.000 Menschen in Deutschland auf ein geeignetes Spenderorgan. Doch auch wenn man auf der Warteliste für eine Transplantation steht, ist es nicht sicher, ob man die Zeit bis zur Operation überhaupt überlebt. Denn bis ein Spender gefunden wird, können zwei bis drei Jahre vergehen. Laut Statistik sterben täglich drei Menschen, die schon auf der Warteliste stehen. In der Tat, Spenderorgane sind rar, und die Zahl geht immer weiter zurück. Im Jahr 2011 gab es bundesweit 1.200 Organspender; 7,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Denn die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und der Gedanke, dass der Körper „ausgeschlachtet“ oder zum Ersatzteillager werden könnte, hält viele vom Ausfüllen eines Spenderausweises ab. Doch was ist die Alternative zum Ersatzteillager? Madenfutter!

Ist es dann nicht besser, mit seinen Organen das Leben anderer Menschen zu retten?

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Organspendeausweis

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