Anette Kinter hat mit ihrer Erzählung ein atmosphärisch dichtes Werk über eine Israel-Reise geschrieben. Ein Buch, das auch voll und ganz dem Untertitel „Es hat geschmeckt“ entspricht. Denn es geht hier nicht nur um Begegnungen mit einem Land, das für viele immer noch ein no go oder die Annäherung an die Geschichte Jesus’ bedeutet.
Es geht dabei auch ums Essen, ums Trinken und ums Genießen. Zum Beispiel um Pita-Brot mit leckerem Pilz-Humus, um Challot, dem Sabbat-Brot, das in der Familie gereicht wird, oder um Limonana, hinter dem sich Minzblätter mit Limonade und Eis verbergen.
Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Reise durch Israel von Nord nach Süd, erzählt über ihre Treffen mit Menschen – Fremden wie Freunden. Doch in ihrem Werk geht es um viel mehr als nur um die Reise an sich, es geht auch um eine Liebesbeziehung – die zu ihrem Freund Edu, einem israelischen Staatsangehörigen, der, wie die Autorin auch, in Deutschland lebt. Man erfährt viel über die beiden, beispielsweise über die Suche nach einem Job in der Ferne, über die Bewältigungen des Alltags in der Heimat. Die Autorin erzählt von den Widersprüchen, die sie beide erfahren, die Ignoranz, mit der man fremden Besuchern begegnet, dem kleinen Mädchen, das in Jerusalems Altstadt hasserfüllt einen Stein auf die Gäste werfen will. Doch auch von der ständigen Militärpräsenz und dem Austausch mit Gleichaltrigen, die Vergangenes endlich ruhen lassen wollen.
Manchmal ist sie sich selbst fremd, sieht einen ganz anderen Edu vor sich, einen, dessen Vita sie nicht kennt, der ihr nun fast geheimnisvoll und unerklärlich gegenüber steht. Sich selbst in jener Vergangenheit zu finden, die nur Edu kennt und in der sie nicht existent ist, fällt ihr zunehmend schwerer.
Ein Buch, das aufrüttelt, das nachdenklich macht: Über Politik, über Gefühle zwischen Menschen, die sich scheinbar für immer fremd bleiben und über die Liebe zwischen einer Deutschen und einem Israeli.
Anette Kinter: „Haya taim meod. Es hat sehr gut geschmeckt. Eine Reise durch Israel“, 140 Seiten, 8,90 Euro.
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