October 2012
Ibiza
In den Urlaub fahre ich nie ohne mein Notizbuch. Normalerweise werde ich schon nach ein paar Tagen Relaxen am Strand unruhig. Eine Insel wie Ibiza zum Beispiel finde ich inspirierend. Hier fallen mir so viele neue Ideen ein, die ich notieren will.
Und darüber hinaus möchte ich noch ein wenig Sonne und helles Licht tanken, bevor mir die grauen Tage zuhause einen Teil meiner Motivation rauben. Gerade wir Mitteleuropäer bewundern die Farbenpracht des Südens, gehen in unserem eigenen Umfeld damit aber eher sparsam um. Für die kommenden dunklen Monate ist es also nicht gerade schlecht, ein wenig positive Energie mitzunehmen.
Ich bin nur für ein langes Wochenende nach Ibiza gekommen. Praktisch und preislich ok ist mein Hotel Maritimo (www.hotelmaritimoibiza.com) in Ibiza-Stadt, direkt am Strand von Figueretas. Von hier aus laufe ich in 15 Minuten in die Altstadt, mit seinen Bars, Boutiquen und kleinen Geschäften. Außerdem lockt die Diskothek PACHA am Hafen mit ihrer Flower Power-Party während einer der nächsten Nächte. Darauf habe ich Lust, Musik aus den 60ern und 70ern, Hippie-Klamotten, Schlaghosen, bunte Batik-Shirts und Plateau-Schuhe. Ich habe zwar nichts Passendes im Koffer, aber die vielen Boutiquen werden meine modischen Wünsche schon erfüllen.
Vier Tage Ibiza. Hier ein paar Tipps!
Tag 1.
Nach einem ausgiebigen Bummel durch die Boutiquen der Altstadt und einem Abstecher hinauf in die engen Gassen des Burgviertels geht es zum Baden an den Strand vorm Hotel. Danach fahre ich mit dem öffentlichen Bus in einer halben Stunde nach San Antonio zum schönsten Sonnenuntergang der Insel und treffe an der Bucht auf das bekannte Café del Mar, Namensgeber einer ganzen Reihe von Musik-CDs zum Chillen. Ein Platz ist noch frei mit bester Sicht auf das Meer und die rote Sonne, die langsam untergeht. Glück gehabt. Gekrönt wird das Spektakel von einem Segelboot, das sich seinen Weg mitten durch die rote Feuerkugel bahnt. Nachdem es dunkel ist, ziehe ich noch ein wenig durch San Antonios Altstadt. Busse nach Ibiza-Stadt gehen im 20 Minuten-Takt, also kann ich noch in aller Ruhe in einer Tapas-Bar zu Abend essen.
Langer Strandspaziergang am Playa d’en Bossa. Anschließend kurz ins Meer zum Schwimmen und dann Relaxen am Strand – mit einem Buch in der Hand. Einfach nur Ausruhen, denn heute Nacht geht es ins PACHA, einer der bekanntesten Nachtclubs der Insel. Ich sage an der Hotelrezeption Bescheid, dass ich gegen 1 Uhr morgens geweckt werden möchte. Kein Stirnrunzeln oder staunender Blick, der Portier scheint einiges gewohnt zu sein. Ungewöhnlich ist mein Wunsch zumindest nicht.
Zehn Minuten nach 1 Uhr schrillt das Telefon. Ich schrecke aus dem Schlaf. Unter die Dusche, rein in die Hippie-Klamotten, Taxi rufen und ins PACHA. Der Club hat erst um Mitternacht seine Pforten geöffnet, und die Schlange am Eingang ist lang. Afro-Perücken, lange Halsketten, Blumenkränze im Haar, aha, back to the 70´s! Ich komme schneller rein als erwartet. Drinnen erfüllt der Duft von Sandelholz die Luft, die Musik ist ohrenbetäubend laut. Ich bahne mir einen Weg durch die gefühlten Tausenden von Gästen. Irgendwann lande ich auf der Tanzfläche. Rock’n Roll, Blues, Musik der 1960er.
Jimi Hendrix grinst als Konterfei von der Bar-Wand. Ich hole mir einen Drink. Frische Luft! Ich laufe zielstrebig nach oben, durch die Massen hindurch. Ellbogen und Schieben. Rücksichtnahme ist hier fehl am Platz. Endlich stehe ich auf der Terrasse mit Blick auf den Hafen und die vereinzelten Lichter von Ibiza-Stadt. Kurz durchatmen, denn hier oben geht der Tanz weiter. Ein paar Frauen halten ihre High Heels in der Hand und tanzen barfuß. Der Geruch von Marihuana, irgendwo von ganz hinten. Ja, da sitzen sie, eng gedrängt auf den Polstern, mit dicken Glimmstengeln in der Hand.
Gogo-Girls tanzen auf drei Podesten, eine davon bewegt sich in einem Käfig wie ein Raubtier. Alle leicht bekleidet. Dazu ein Tänzer im Afro-Look. Immer mehr Besucher schieben sich durch den imaginären Durchgang auf der Tanzfläche. Ein Bereich ist für VIP-Gäste reserviert. Absperrung beachten, nicht fotografieren! Irgendwann im Laufe der Nacht werde ich müde. Die Party ist noch in vollem Gang, doch irgendwann siegt die Vernunft. Taxis stehen vor der Tür oder im Umkreis. Es wird langsam hell. Alles ganz einfach. Einsteigen, Hotelname sagen und sich in die Polster fallen lassen. Der Schlaf kommt gnädig. Nur noch zehn Minuten durchhalten! Endlich im Hotelbett. Wie wohltuend!
Tag 3.
Nach fünf Stunden Schlaf fühle ich mich fit. Nach Churros con Chocolate stürze ich mich in neue Abenteuer. Wieder ein öffentlicher Bus! Diesmal geht die Fahrt nach Santa Eulalia im Osten der Insel. Umsteigen nach Sant Charles de Peralta, wo heute der Hippie-Markt Las Dalias stattfindet.
Ich war vor vielen Jahren schon mal auf Ibiza und erinnere mich an die Märkte von damals. Die waren anders! Oder kommt es mir nur so vor, in meinem sentimentalen Rückblick?
Was ich nun sehe sind eine Unmenge an Ständen mit allen möglichen Kreationen: Schmuck, Klamotten, Schuhe, Esoterik, Hüte, und so weiter. Heute, in einer globalisierten Welt, findet man das Angebot doch fast in jeder Kleinstadt: Bunte Ponchos aus Guatemala, Taschen aus Thailand, Schmuck aus Indien. Damals war das anders. Da hat man auf Ibizas Märkten das bekommen, was man zuhause nie gefunden hat und von dem man nur zu träumen wagte: Die richtigen Trends!
Interessant finde ich es trotzdem. Als Trophäe kaufe ich einen Gürtel mit einer außergewöhnlich schönen Schnalle. Stolz, doch noch etwas gefunden zu haben. Und dann dieses Gefühl von damals, etwas ganz besonderes entdeckt zu haben. Berauschend!
Schwimmen im Indoor-Pool des Hotels, um meine Lebensgeister zu wecken. Dann Relaxen auf dem Zimmer. Ein Blick in den Fernseher. Deutsches Programm, ahh, wie gut, die „Heute Nachrichten“! Viel hatte sich auf der Welt während der letzten Tage allerdings nicht verändert. Bummel in die Altstadt. Diesmal in bequemen Sneakers. Einen Vino blanco im Café Mar y Sol. Dazu mein Netbook auf dem Schoß. Free WiFi hier, nur mal kurz die Mails checken.
Die Müdigkeit von heute morgen! Zurück ins Hotel und ins Bett. Der Schlaf kommt gleich.
Tag 4.
Nach acht Stunden fühle ich mich entsprechend ausgeschlafen. Ich packe meine Habseligkeiten in den Koffer, freue mich über meinen neuen Gürtel, den ich genüsslich zusammenrolle und über die paar Hippie-Shirts, als Andenken an eine lange Nacht im PACHA´s! Eine Reisegruppe wird am frühen Morgen am Hotel abgeholt. Ziel: Flughafen! Ich schmuggle mich dazwischen. Keiner fragt. Bequeme Fahrt im Minibus von Tui oder Dertour. Ich steige aus und mache mich auf den Weg. Zum Check in, dann zum Gate. Der Abflug ist pünktlich. Deutsche Gründlichkeit, haha! Ibiza liegt hinter mir.
Foto-Collage Titel und unten: Nicola Mesken (www.nicola-mesken.com)
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