sl4lifestyle im Gespräch mit Marathonläufer Frank Karthoff, Aschaffenburg.
„Von New York an den Rursee in der Eifel und weiter nach Tokyo“ – fast so kann man meine Reise beschreiben, welche ich nun hinter mir aber letztendlich noch vor mir habe! Ich wollte am ING New York City Marathon, der größten Sportveranstaltung der Welt, am 4. November 2012 teilnehmen, was der Hurrikan Sandy leider verhinderte. Ich wollte unbedingt meine ING New York City Marathon- Zeit von 3h:47min.28sec aus dem Jahr 2010 unterbieten und eine Platzierung von deutlich unter den schnellsten 10.000 Teilnehmern (Jahr 2011: Platz 10.299 von 47.365 Teilnehmern) erreichen. So trainierte ich nach dem ersten ING New York City-Marathon weiter, in der Regel zwischen 50 und 80 km pro Woche – in der Spitze sogar bis zu 100 km, immer das große Ziel am 4. November vor Augen. Ich nahm an einem halben Dutzend 10km bzw. Halbmarathonwettkämpfen teil. Meine 10 km Bestzeit schraubte ich auf 39,59min – beim Aschaffenburger Halbmararthon am 7.11.2012 durchbrach ich „meine persönliche Schallmauer von 1h:30min“ und beendete das Rennen nach 1h:29min:34 sec. Hinter mir lagen unzählige 30 km Trainingsläufe, meine körperliche Verfassung war klasse. Und dann kam die Absage. Für mich war es eine Riesenenttäuschung, ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so traurig war. Die Vorbereitung eines fast ganzen Jahres war dahin, zumindest fast. Im Internet recherchierte ich und traf auf den Rursee Mararthon in der Eifel am gleichen Tag, zu dem ich mich sofort anmeldete. Besser als nichts, und das auch nur zu 50 Euro, ein Schnäppchen, verglichen mit der hohen Teilnahmegebühr in New York.
Am Start hatten sich rund 400 Läufer eingefunden. Doch es war die Hölle!!. Ich hatte 42,195 km nahezu Dauerregen -noch schlimmer war, dass dies ein Bergmarathon über Höhen und Täler war und der Marathon komplett über Waldwege, Single Trails, Aufstiege, teils Kletterpassagen führte mit einer Höhendifferenz von 900 Metern. Mit Laufen hatte dies wenig zu tun – in dem Morast sanken meine Schuhe teils bis zu den Knöcheln ein. Kaum hatte ich wieder einen dieser Eifelgipfel erklommen, blies mir der scharfe Wind ins Gesicht, irgendwann und irgendwo Schneefall, im Tal wieder Dauerregen und, und, und …
„Der Hund, der mir ans Bein pinkelte …“
Die beeindruckende Zuschauerkulisse von 65 Personen, davon etwa die Hälfte Streckenpostenund der Rest „versprengte Zuschauer“ mit Hunden, von denen einer gerade das Bein hob, als ich vorbei lief! Kurzum: Ich beendete die Schlammschlacht mit einer Platzierung irgendwo im Mittelfeld nach 4h17min44sec und fuhr total frustriert wieder nach Hause. So hatte ich mir den New York Marathon- Ersatzlauf nicht vorgestellt. Es musste etwas geschehen. Um wieder Motivation zu tanken, gelang es mir, eine Startnummer für den Tokyo Marathon 2013 zu bekommen. Ich hatte ein neues Ziel und lebte sportlich wieder auf!
Nun hieß es wieder trainieren und trainieren, und ich tat es. Harte und lange Trainingseinheiten begleiteten meinen Alltag, denn beruflich bedingt konnte ich teils nur zu ‚Extemzeiten‘ laufen. So stand ich oft morgens vor 5 Uhr auf und trainierte mit Stirnlampe Bergläufe im Sodener Wald – nicht selten lief ich vor dem Frühstück Distanzen von bis zu 21 km. Auch in der abendlichen Dunkelheit drehte ich meine Runden. Inzwischen habe ich ein Fitnessniveau erreicht, welches mich selbst überrascht – noch nie in meinem Leben habe ich mich so gut gefühlt wie heute. Bei einer Körpergröße von 188 cm ist mein jetziges ‚Wettkampfgewicht‘ 76kg. Der permanente Ausdauersport beeinflusst auch mein Berufsleben nur positiv – in mehreren wissenschaftlichen Studien las ich, dass die Gedächtnisleistung von Ausdauersportlern um bis zu 69 Prozent über jener von Menschen ohne sportliche Tätigkeit liegt. Ich kann das nur bestätigen, das ‚Berufsleben und dessen Belastung‘ empfinde ich zunehmend als spielend – hart ist nur das Marathontraining am frühen Morgen und spät nach Feierabend!
Über die Schmerzgrenze gehen
Seit Juli 2011 habe ich nun die Laufdistanz von 2.674 km zurückgelegt – in der Vorbereitung für den kommenden Tokyo Marathon lief ich seit November 2012 rund 700 km. Trotz dieser enormen Kilometerzahlen bin ich weit von der Aussage entfernt, dass ich den Marathon beherrsche. Trotz dieser enormen Trainingskilometer muss ich im Schlussteil ab 30 km über die Schmerzgrenze gehen, um den Marathon wirklich durchlaufen zu können. Ich glaube, nur wer einen Marathon einmal absolviert hat (gleichgültig, in welcher Zeit) weiß, was das bedeutet. Ich erinnere mich an meine frühere Mountainbike-Rennen als nur ein Teil der körperlichen Beanspruchung im Vergleich zum Marathon. Heute fahre ich Mountainbike nach einer harten Marathontrainingseinheit zur Regeneration – wie in einschlägigen Marathon-Trainingsbüchern empfohlen!
„The day we unite“ – „Der Tag an dem wir uns vereinen“ , lautet das diesjährige Motto des Tokyo Marathon (42,195km), an den ich am kommenden Sonntag, 24. Februar 2013, zusammen mit 35.629 Teilnehmern aus mehr als 40 Ländern teilnehmen werde. Den Tokyo Marathon gibt es erst seit 2007, heuer gab es weltweit 304.000 (!) offizielle Anfragen nach Startnummern. Selbst der Tokyo Marathon 2014 ist schon ausverkauft – wahrhaft unglaublich. In Berichten wird der Tokyo Marathon für sein begeistertes Publikum und seine unvergessliche Atmosphäre gelobt – mehr als eine Million Zuschauer werden den Weg durch Downtown Tokyo säumen. Die Startzeit in Tokyo ist um 9.10 Uhr Ortszeit – nach deutscher Zeit 1.10 Uhr morgens. Ich trage ein blaues Laufhemd mit der Aufschrift „FRANK – GERMANY“ – die Unterstützung aus den Reihen der New York Marathon-Zuschauer von 2011 bleibt mir bis heute unvergesslich. Mein Rennen könnt Ihr live mitverfolgen auf dem Kanal „Fuji Television Network“. Oder im Internet. Auf http://r.tokyo42195.org könnt ihr meinen Namen eingeben und alle 5 km meine Zwischenzeiten ablesen.“
Weitere Eindrücke gibt es auf http://www.tokyo42195.org und http://m.tokyo42195.org
Info Tokyo Marathon 2013: tokyomarathon2013_guide_e
sl4lifestyle wünscht Frank Karthoff viel Erfolg! Toi, toi, toi! Wir sind auf den Nachbericht gespannt.

