Pecorinos Pilgerreise

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Am Anfang waren es die opulenten Bilderwelten William Wegmans, der seine Weimaraner Man Ray, Fay, Battina und Co. inszenierte. Ein paar Jahre später lernte ich Pecorino kennen – visuell – durch die Fotos von Toni Anzenberger, seines Herrchens. Ich verliebte mich in den Vierbeiner, ein gebürtiger Italiener und späterer Wahl-Wiener. Er war für mich ein Seelenverwandter, denn wir liebten es beide, zu reisen und fremde Länder für uns zu entdecken. So kam es, dass meine Bibliothek mit den Bildbänden rund um den Vierbeiner stetig zunahm.
00040002neu2(1) (Large)Pecorino starb vor wenigen Monaten mit 15 Jahren. Und er hat uns ein großartiges Vermächtnis hinterlassen. Sein neues Buch “Pecorino und die Kunst des Pilgerns“. Was für die Zweibeiner Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ ist, ist für Hundebesitzer und –freunde Pecorinos Erzählung von seiner Pilgertour über den Franziskusweg in Italien. Mit einem Augenzwinkern schildert er Begebenheiten aus seiner Kindheit, Jugend und den Erwachsenenjahren als stolzer Rüde, der für ein Motiv mindestens 10 Sekunden ganz still halten kann. Man erfährt, dass Herrchen Toni Radsportler war, bevor er auf den Hund kam. Oder dass Schreiberling Claudio Honsal zwar über den Pilgerweg keucht, doch eindeutig eine Affinität zum Bangkoker Luxushotel Mandarin Oriental hat. Pecorino beobachtet andere Pilger, lässt sich selbst gerne als den bekanntesten Hund Österreichs feiern, genießt Streicheleinheiten von Wildfremden und ärgert sich maßlos, wenn Kulturstätten für ihn geschlossen bleiben.
SCAN02GRneu(1) (Large)Die rund 300 Kilometer geht er ohne Murren, ausgestattet mit einem eigenen Pilgerpass. Auch erfährt man, dass Herrchen Toni unter Flugangst leidet und deshalb Pecorino auf seinen ausgedehnten Reisen nie Afrika oder Amerika kennenlernen konnte. Der Vierbeiner erzählt von Foto-Shootings im Hotel Sacher in Wien, im Bayerischen Hof in München, im Strandbad Amarcord 71 in Rimini, unter dem Eiffelturm in Paris oder am Promi-Strand von Sylt.

Ein Buch, das Lust macht, mehr von Pecorino und seinem Leben zu erfahren und gleichzeitig eine große Verführung ist, selbst zum Hundebesitzer zu werden, falls man es noch nicht ist.

Pecorino war anders als Fay und Man Ray, die Weimaraner. Er überzeugte nicht durch cooles und stolzes Auftreten, nein, sein war der treue Augenaufschlag, der tiefe Blick mit dem er sein Gegenüber betrachtete, das Kumpelhafte und die schwarzen Punkte auf weißem Fellgrund, die ein bisschen an einen Clown erinnerten.

Fazit: Das Buch ist eine Hommage an einen großartigen Vierbeiner!

http://www.pecorino.at

Toni Anzenberger/Claudio Honsal: Pecorino und die Kunst des Pilgerns. Ein Hund geht den Franziskusweg, Residenz Verlag, St. Pölten, 155 Seiten, 17,90 Euro
CRW_7162_RT8tonipeco.(1) (Large)Fotos: Archiv Toni Anzenberger

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