Den jungen Filmemacher Manuel Rees habe ich vor über einem Jahr in Malawi kennengelernt. Er kam durch das Freiwilligenprogramm der Bundesregierung „Weltwärts mit der GIZ“ für ein Jahr nach Südostafrika. Schon damals begeisterte er sich für Filme. Jetzt hat er einen bemerkenswerten Dokumentarfilm über die berühmte Ilala und die Menschen an Bord gedreht. Die Ilala ist das einzige regelmäßig auf dem Malawi-See verkehrende Schiff und hat einen legendären Ruf. Der komplette Film ist hier ab August 2013 zu sehen.
Manuel Rees über die Dreharbeiten:
„Ich war von August 2011 bis August 2012 in Malawi um dort mein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren. Untergebracht war ich in Mua, einem kleinen Dorf 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Lilongwe. Dort arbeitete ich im Kungoni Center of Culture and Arts. Zusammen mit dem Leiter des Centers, Claude Boucher, produzierte ich kleinere Dokumentarfilme über die malawische und besonders die dörfliche Kultur. Meine Aufgabe bestand vor allem im Sichten und Zusammenschneiden von über 700 Stunden Filmmaterial, welches Claude Boucher über 20 Jahre gefilmt und gesammelt hatte. Diese Filme zeigten viele alte Riten und Bräuche der Chewa-Kultur, die heute nur noch in den Dörfern praktiziert werden. Diese Aufnahmen und auch die Filme, die daraus entstanden, waren hauptsächlich für die malawische Bevölkerung gedacht. Für Ausländer gibt es eine Version mit englischem Untertitel.
Während der ersten Monate in Malawi wurde mir schnell klar, dass ich zusätzlich noch einen eigenen Film drehen wollte, mit den Schwerpunkten, die mich am meisten interessierten. Es sollte ein Film werden der zwar aus malawischer Sicht erzählt, aber für ein deutsches oder europäisches Publikum gedacht ist, auch für Menschen die noch nie in Afrika waren. Eine Art Einführung in das Land und den Alltag der Menschen.
Als mich nach sechs Monaten meine Freundin in Malawi besuchte, brachte sie mir eine Kamera mit, die ich mir vor mehreren Jahren zusammen mit einem Freund gekauft hatte und die wir jetzt abwechselnd für verschiedene Projekte nutzten. Was noch fehlte war der Inhalt des Films, eine Geschichte, ein Protagonist. Während der Reise, die ich mit meiner Freundin durch das Land machte, lernte ich dann durch Zufall, während einer Überfahrt auf der legendären Ilala-Fähre, Chipiliro Masina kennen. Er arbeitete als Elektroingenieur auf dem Schiff. Wir unterhielten uns viel während der dreitägigen Überfahrt und ich erzählte ihm von meinem Plan, einen Film zu drehen. Er war sofort begeistert von der Idee, wir tauschten Handynummern aus und schmiedeten Pläne.
Während der folgenden zwei Monate plante ich die Dreharbeiten. Ich fuhr zweimal nach Monkey Bay, wo Chipiliro wohnte, wenn er nicht auf der Fähre arbeitete, um mit ihm zu besprechen, wie genau wir vorgehen wollten. Ich schrieb einen Fragenkatalog mit Interviewfragen für die Besatzung und Chipiliro, vervollständigte mein Equipment mit einem Mikrofon und einem Stativ und formulierte einen Leitfaden was für eine Art Film ich drehen wollte.
Mehrmals mussten wir den Drehbeginn verschieben, da die Ilala auf Grund technischer Probleme im Hafen bleiben musste. Schließlich bekam ich eine SMS von Chipiliro, dass die Ilala noch zwei Wochen fahren würde, bevor sie für längere Zeit generalüberholt werde. Der letzte Termin wäre also in sieben Tagen, denn die Ilala fährt wöchentlich in den Norden Malawis und wieder zurück. Ich beantragte meine letzte Woche Urlaub und hoffte. Chipiliro versuchte unterdessen eine Drehgenehmigung von der Reederei zu bekommen, aber diese meldete sich schon seit Wochen nicht mehr. Die Tage verstrichen, und die Rederei schwieg. Am Tag vor der Abfahrt der Ilala fuhr ich nach Monkey Bay. Ich war entschlossen, die Drehgenehmigung entweder direkt am Hafen zu bekommen oder sie einfach zu ignorieren. Jetzt oder nie. Die Ilala würde für Monate nicht mehr fahren, und ich hätte keinen Urlaub mehr. Ich verbrachte mehrere Stunden in einem Büro der Malawi Shipping Company. Schließlich sagte man uns, dass das Filmen im Grunde kein Problem sei, nur das Ticket müsste ich selber kaufen.
Ich war unglaublich erleichtert, und am nächsten Tag begann die Reise. Zu Beginn war die Besatzung noch etwas skeptisch mir und meiner Kamera gegenüber, aber dieses Misstrauen legte sich bereits nach zwei Tagen vollständig und wandelte sich in freundschaftliches Interesse. Durch den begrenzten Platz auf dem Schiff und die offene Art der Malawier lernte ich die Besatzung schnell kennen. Außerdem aßen wir zusammen, und ich schlief zusammen mit Chipiliro in seinem Bett. Die Koje teilt er sich zusammen mit drei weiteren Angestellten der Besatzung. Sechs Tage verbrachte ich auf der Ilala mit Filmen und dem Führen von Interviews. Für mich war diese Woche eine ganz besondere Erfahrung, bei der ich außerdem noch rund um die Uhr meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen konnte. Dieses Erlebnis bestärkte mich sehr in meinem Wunsch, mein Leben lang Filme zu drehen.“
Manuel, was möchtest du mit diesem Film zeigen?
„Wie oben schon erwähnt wollte ich einen Film machen, der das malawische Leben aus malawischer Sicht einem deutschen Publikum näher bringt. Dabei wollte ich mich nicht darauf beschränken, die Unterschiede zwischen dem Leben in Malawi und dem Leben in Deutschland darzustellen, sondern zeigen, dass hinter diesem Alltag, der auf den ersten Blick so fremd wirkt, ähnliche Wünsche und Gedanken die Menschen beschäftigen wie überall. In Deutschland kennt man entweder das Bild von hungernden Kindern oder abenteuerlichen Eigenheiten des Kontinents, jeweils aus deutscher Sicht kommentiert. Natürlich gibt es viel Not, und das muss auch ernst genommen werden, aber die größten Teile des Kontinents leben ihren normalen Alltag. Ich wollte vor allem vermitteln, dass hinter der stigmatisierten und romantisierten Vorstellung von Afrika Menschen ihr Leben führen.
Chipiliro nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch das heutige Malawi. Das Land befindet sich gerade im Umbruch. Während in den Dörfern die alten Traditionen noch eine maßgebliche Rolle spielen und die Menschen von der Hand in den Mund leben, regiert in den Städten zunehmend das Geld und ein westlicheres Denken. Chipiliro lebt in beiden Welten, er verbringt viel Zeit in den Dörfern, während seine Verwandtschaft in der Hauptstadt wohnt. Somit spiegelt er in gewisser Weise die malawische Gesellschaft wieder, zwischen Tradition und Moderne.“
Fotos: Privatarchiv Rees


Hallo Manuel!
Ich bin nun 69 Jahre alt, und war September 2012 für 3 Wochen in Malawi und habe
leider eine Fahrt mit der Ilala versäumt. Bin von Tansania kommend, mit Öfis nach Malawi
gekommen und bin da ein bisschen rumgefahren. Nkhata Bay, Monkey Bay, Liwonde NP,
Cape McLear, Festival Mongochi. Dann weiter nach Sambia.
Gratuliere zu diesem Film, bin voll begeistert. Ich weiß, in Europa gibt es nicht sehr viele Anhänger für diesen Teil der Welt.
Liebe Grüße und viel Energie für weitere solche Projekte.
Hallo Heinrich, ich freue mich sehr über Deine Rückmeldung zu dem Interview. Ja, es ist schon eine ganze Zeit her und ich selbst würde gerne erfahren, was aus dem Filmemacher geworden ist. Ich hatte eine tolle Zeit in dieser Region Afrikas.
Dir alles Gute und noch viele erlebnisreiche Reisen.
Sabine