Caroline Waggershauser: „Nur drei Wochen konnte sie bei mir sein. Gerade eben hat mich die Tierärztin angerufen: Absolutes Nierenversagen. Klar, bei diesem Scheißleben, dass die Arme in diesen vor Kot und vor Urin starrenden Zwingern führen musste, bei trockenem Brot und faulem Wasser.
Sie bat mich, die Hündin einschläfern zu dürfen, um ihr weiteres Leid zu ersparen, es sei nichts mehr zu machen.
Natürlich habe ich meine Zustimmung gegeben. So sehr ich mich auch gefreut hatte, ihr ein neues Leben schenken zu dürfen.Ees durfte nicht sein. Ich bin so niedergeschlagen. es waren drei intensive Wochen, ich war nur noch für sie da. Alle zwei Stunden
Flüssigkeitsaufnahme, Serum spritzen, Medikamente kaufen und geben. Hin und her Rennerei, extra für sie Futter zubereiten, sie säubern, wenn sie sabberte oder wenn sie Durchfall hatte oder sich erbrach. Die letzten drei tage musste ich sie überall hin auf den armen tragen, weil sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Von ihrem Platz aufs Sofa, vom Sofa raus in den Garten und wieder zurück.
Und dabei hatte ich vor ein paar Tagen noch Hoffnung geschöpft: Einen Moment hatte ich sie aus den Augen gelassen und da war sie weg. Ich renne
über die Terrasse, da sehe ich sie, wie sie runter zu den Hasen will. Ich glaube, der Instinkt eines Jagdhundes ist das letzte, was im Hirn erlischt. Und gestern, als ich sie mit einem Schal aufrecht hielt, den ich um ihren Brustkorb geschlungen hatte, schnupperte sie unentwegt in den Wald hinüber, wo im Tal gerade eine Jagd im Gange war. Sie hörte Schüsse und Hundegeheul. Vielleicht wäre sie gern dabei gewesen.
Jetzt ist sie schon tot. Ich bin traurig, denn ich hatte mich darauf gefreut, ihr eine Zukunft geben zu können. Nun ist sie im Reich der Schatten. Kein Herumtoben mehr, kein weiches und warmes Plätzchen, auf dem man sich toll zusammenrollen kann. Es ist vorbei.“
Fotos: C. Waggershauser
Der frühere Besitzer ist bekannt.











