Als ich in Afrika war, hatte ich wie immer ein Buch im Gepäck. Ich liebe es, auf Reisen zu lesen. Diesmal hatte ich mir „Fremd“ von Hélène Visconti ausgesucht. Und ich war begeistert.
„Heimlich habe ich meine Tasche gepackt, ich nehme kaum etwas mit, nur die Erinnerungen an mein Algerien, an meine Familie, an meine Vergangenheit, und meine Ersparnisse, die für drei Monate reichen.“
Ich bin ein wenig wie sie: Freiheitsliebend und mutig. Und ich versuche immer wieder, die nicht enden zu wollenden Möglichkeiten des Lebens zu entdecken. Und ich liebe das Meer, und das Schwimmen.
Ihr Geburtsname ist Elena, später nennt sie sich Hélène. Sie war Spanierin, Algerierin, Französin, Italienerin – und fühlte sich immer fremd. Ihre Welt waren erst ein Küstenstädtchen im Maghreb, später die Laufstege in Paris und Mailand. Hélène Visconti erzählt ohne falsches Pathos von ihrem ungewöhnlichen Leben.
1932 wird sie in Algerien geboren. Ihr Vater, ein kleiner Bauunternehmer, kam als Kind aus Spanien in diese französische Kolonie und versteht sich als Algerier. Hélène lehnt sich zwar gegen ihre Mädchenrolle auf, aber sie fühlt sich in dem arabischen Milieu wie im Paradies.
Doch die Vertreibung steht bevor: Die algerische Unabhängigkeitsbewegung zwingt die Familie zum Verlassen des Landes. Die inzwischen 19-jährige Hélène geht nach Paris, aber sie erhält hier keine Aufenthaltsgenehmigung. Wieder ist sie die Fremde. Nach Spanien will sie wegen des Franco-Regimes nicht zurück. Erst in Italien fühlt sie sich an die Unbeschwertheit ihrer Kindheit erinnert. In Mailand wird sie in den 50er Jahren ein Mannequin und heiratet schließlich in die Familie Visconti ein.
Hélène Visconti, lebt seit vielen Jahren in Ligurien. „Es gefällt mir, hier im Schatten eines Olivenbaums zu sitzen. Ich schaue aufs Meer, dasselbe Meer, auf das ich als Kind in Algerien geschaut habe.“
Hélène Visconti: Fremd, 286 Seiten, 6,25 Euro (Amazon).


