Kein Spitzname passt wohl besser zu der Südstaatenmetropole New Orleans. Die Stadt wurde 1718 von französischen Siedlern gegründet. Im 19. Jahrhundert zählte New Orleans zu den führenden Baumwollexporthäfen der USA. Es war die Zeit, in der der Jazz erfunden wurde. In den Bars florierte das Glücksspiel, „The Big Easy“ – „Der Große Leichtsinn“ wurde geboren.
Unbekümmert und leichtsinnig expandierte die Stadt in hochwassergefährdete Gebiete am Mississippi, vernachlässigte aber gleichzeitig den Bau schützender Dämme. So kam es zur Katastrophe im Jahr 2005. Der Hurrikan Katrina konnte ungehindert wüten.

In der Innenstadt ist von den Folgen nichts mehr zu sehen, umso mehr in den nördlichen und gleichzeitig ärmlicheren Stadtteilen. Als ich die St. Claude Avenue Richtung Norden überquere sehe ich die einfach konstruierten, windschiefen Holzhäuser. Fast karibisch muten sie an, in ihren Pastellfarben. Kaum ein Mensch ist auf der Straße, die Szene ist fast unwirklich.
Eine Frau torkelt über die Straße, hält ihren Hund zurück. Sie mustert mich. Plötzlich taucht eine weitere Frau auf, sie läuft schnurstracks auf mich zu und sagt barsch: „Dreh um und geh‘ zurück zu St. Claude, die Gegend hier ist nichts für dich, oder hast du ein Gewehr dabei?“ Schließlich folge ich ihren Anweisungen und mache kehrt. Zurück zur St. Claude Avenue, zurück in die Sicherheit von „The Big Easy“.



