Meine alten Tagebücher! Neulich bin ich auf sie gestoßen, ganz zufällig, als ich nach etwas im hintersten Teil meiner Wandschränke suchte. Zugegeben, ich schreibe immer noch Tagebuch, aber längst nicht mehr so häufig wie vor 25 oder 30 Jahren. Als ich mich nun kriechend in meinen Wandschrank hineinbegab, sah ich sie aufgelistet an der hinteren Wand stehen, diszipliniert und ordentlich nach den Jahren meiner Vergangenheit geordnet. Was wird wohl mal aus all den Kladden, all den Bänden, die der Gegenwart trotzen? Eine Freundin erzählte mir neulich, sie hätte ihre Tagebücher verbrannt. Im Hof zündete sie ein Feuer an und warf alle Erinnerungen hinein, bis sie lichterloh brannten. Das sei eine Art Befreiung für sie gewesen.
Nein, so ist es bei mir definitiv nicht. Ich liebe meine Tagebücher, könnte mir nie vorstellen, sie zu vernichten. Ich erinnere mich an die unzähligen Abende, an denen ich die Erlebnisse der Tage niederschrieb, unaufhörlich. Ich verlor mich in einzelnen Wörtern, Buchstaben, Formulierungen. Krisen, Glück, Weltschmerz, glückliche und unglückliche Lieben.
Dann entdeckte ich diesen alten Karton gleich daneben, gefüllt mit meiner Postkartensammlung von damals, alten Kinokarten, Zeitungsartikeln und Original- Autogrammen. Ich setzte mich auf mein Sofa, öffnete die Kiste und stöberte darin herum. Der Nachmittag verflog, und als die Dämmerung kam und ich die Lampe anknipsen musste, fühlte ich ein ungeahntes Glücksgefühl. Ich war wieder dort, wo es nach Abenteuer roch, wo die großen Erwartungen auf ein spannendes Leben greifbar waren, wo ich meine Freundin aus dem Münzfernsprecher anrief, wo man mit dem Klappfahrrad zur nächsten Eisdiele fuhr und Internet und E-Mails noch in großer Ferne lagen.
Heute ertappe ich mich dabei, darüber nachzudenken, wann ich denn zum letzten Mal in einem alten Tagebuch gelesen habe. Ich erinnere mich nicht mehr. Oft war es zumindest nicht gewesen. Trotzdem – meine Tagebücher sind meine Schätze, die ich wie meinen Augapfel hüten werde. Für immer!
Was bedeuten Euch Eure alten Tagebücher?
Das Datum geht auf den Geburtstag der Jüdin Anne Frank zurück, Diese bekam zum 13. Geburtstag – dem 12. Juni 1942 – ein Notizbuch von ihrem Vater geschenkt, welches sie für mehr als zwei Jahre als Tagebuch nutzte. Geschildert werden die Erlebnisse und Gedanken der Zeit, als sie sich mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Amsterdam vor den Nazis versteckt hat. Der Rest ist traurige Geschichte. Trotz dieses konkreten historischen Bezugs ist aber nicht ganz klar, seit wann der „Tag des Tagebuches“ begangen wird und von wem er ins Leben gerufen wurde. So wird er zwar inzwischen bundesweit begangen, konkrete Hinweise auf den oder die Initiator(en) gibt es jedoch nicht. Einige Quellen berichten davon, dass der 12. Juni seit Beginn der 1980er Jahre den heutigen Status trägt, Details werden aber nicht genannt.


