Was für ein Wochenende! Ich war auf einem Retreat. Genau. Auf einem Retreat. Ich habe Yoga und Meditation ausprobiert. Nein, ich bin nicht sonderlich spirituell, wie viele jetzt vielleicht glauben. Überhaupt nicht! Aber ich hatte in den letzten Wochen viel gearbeitet, und fühlte mich dementsprechend müde und ausgepowert. Durch Zufall las ich von dem Angebot, das die Würzburger Glücksbringer anboten.
Ich war dabei. Wir trafen uns auf einem Waldgrundstück bei Würzburg. Gartenhaus aus Holz, Dickicht, ein Brunnen und kein Strom. Und ein paar Yoga-Plattformen mitten im Grünen. Das war´s! Kein Luxus, aber perfekt für den Rückzug!
Insgesamt waren wir vier Teilnehmer, die meisten von uns in stressreichen Berufen tätig. Yoga-Lehrer Martin Lange kennt den Alltag in einer Firma, denn er hat selbst viele Jahre als Unternehmensberater gearbeitet. Sein Angebot ist auch deshalb ganz auf Abschalten und Ruhe ausgerichtet. Nach einem Sharing, bei dem sich jeder kurz vorstellen konnte, war der weitere Tag mit unserem Schweigen gefüllt. Für mich war das eine ganz neue Erfahrung, stundenlang nichts zu reden und auch keinen Blickkontakt zu suchen.
Wir begannen mit der Mantra-Meditation Om so Hung. Dieses Mantra soll das Herz öffnen und Kraft geben. Ich halte nicht sehr viel von den Om-Sprechgesängen, wie man sie vom Meditieren her kennt. Doch dieses Mantra war wunderschön und dauerte rund 20 Minuten.
Nach einer kurzen Ruhepause widmeten wir uns schließlich den Yoga-Übungen Sonnengruß mit einer ganzen Reihe von Übungen, Krieger 1, Krieger 2, Baum und Taube. Letztere war für mich anstrengend, da sie sehr viel Beweglichkeit erforderte. Schließlich gab ich auf.
Unsere nächste Meditation wurde von einer ungewöhnlichen persischen Live-Aufnahme begleitet. Soley, der Sänger stammt aus dem Iran.
Danach machten wir mit den Yoga-Übungen Friedlicher Krieger, Halbes Rad, Ganzes Rad, Das Brett, Chaturanga Dandasana, Kobra, Das Dreieck und dem Drehsitz weiter.
Ein außergewöhnliches Erlebnis war unsere nächste Meditation. Martin bezeichnete sie als „Meditation für faule oder bequeme Zeitgenossen“. Denn wir saßen vor seinem iPad und sahen uns eine Meditationsübertragung aus den USA an, taten selbst also nichts außer Zuschauen.
Anschließend fand der vorletzte und meines Erachtens schwierigste Teil der Yoga-Übungen statt: Die Kabalabathi-Feueratmung. Dabei lagen wir in der abgedunkelten Hütte auf dem Boden und atmeten in vier Intervallen von jeweils 10 Minuten schnell ein und aus, jedoch mit geschlossenem Mund. „Das ist eine Übung, bei der sich sehr schnell viele Emotionen freisetzen können“, betonte Martin. In der Tat: Eine Teilnehmerin fing an zu schluchzen.
Nach 45 langen Minuten setzten wir uns auf, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Nach einer Pause folgte mit der Shavasana, der so genannten Totenstellung, unsere Yoga-Abschlussübung. Die letzte abendliche Meditationsübung kam live mit Sri Amma Bhagavan direkt aus Indien über Martins iPad. Das Schweigen wurde danach zwar aufgehoben, aber wir alle redeten nicht viel. Zu sehr waren wir in Gedanken. Eine positive Energie, die meinen Körper durchfluten sollte, spürte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sie kam erst am nächsten Morgen, als ich zuhause in meinem Bett erwachte und mich ausgeruht und wohl fühlte.
Während des Retreats gab es neben Wasser grüne Smoothies und eine ayurvedische Gemüsesuppe.
Die hier vorgestellten Übungen – sowohl aus den Bereichen Yoga und Meditation – könnt Ihr gerne, über einen Tag verteilt, nachmachen! Den Link für die Mantra-Meditation Om so Hung (siehe Text) einfach anklicken.






