Neue Reportage: Das Gesundheitspersonal der Zukunft

Im ugandischen Nyenga werden junge Leute auf medizinische Berufe vorbereitet.

Im ugandischen Nyenga werden junge Leute auf medizinische Berufe vorbereitet.

Diese Reportage erschien am 30. September 2014 bei der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA).

Am 5. Oktober war der Welttag der Lehrerinnen und Lehrer. Damit soll auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe weltweit hingewiesen und ihr Ansehen verbessert werden. Schwester Regina ist Lehrerin und leitet zugleich die Ausbildungsstätte für Krankenschwestern, -pfleger und Hebammen eines Krankenhauses in Zentraluganda.

„Für mich ist es der schönste Beruf der Welt“, sagt die dem Franziskanerorden zugehörige Nonne. „Es freut mich immer wieder, wenn die Schüler ihre Prüfungen bestehen. Denn dann hat sich mein Einsatz gelohnt.“

Die zierliche Frau wartet, bis die Schülerinnen und Schüler Platz genommen haben. Augenblicklich verstummen die jungen Leute aus Respekt vor der Lehrerin. Schwester Regina kann mit dem Unterricht beginnen. Sie geht an die Tafel. Anatomiestunde. Auf ihre Fragen hin recken sich viele Finger in die Luft. Schulalltag in Afrika: Jeder von ihnen möchte zuerst antworten. Die jungen Leute tragen farbige Schuluniformen. Weiß tragen die Anfänger. Sie haben sich noch auf keine Berufsgruppe festgelegt. Spätere Krankenschwestern und –pfleger tragen Grün, während die zukünftigen Hebammen in Blau gekleidet sind.

Die jungen Leute tragen farbige Schuluniformen.

Die jungen Leute tragen farbige Schuluniformen.

Farbige Schuluniformen

Rodgers Klamani kommt zuerst an die Reihe. Er strahlt. Seine Antwort ist richtig. Der 26-Jährige fällt durch seine gepflegte grüne Schuluniform auf. Er möchte Krankenpfleger werden. Schwester Regina fragt ihn, wo er später einmal eingesetzt werden möchte. Der Ort ist dem jungen Mann egal. „Hauptsache, ich kann den Menschen helfen!“ Extra wegen der Schule sei der 26-Jährige aus dem Westen Ugandas gekommen. „Sie hat einen sehr guten Ruf. Ich bin sehr stolz darauf, genommen worden zu sein.“ Denn einfach sei das nicht. Die Aufnahmeprüfung gehört zu einer der schwierigsten des Landes.

Hinter ihm sitzt Robinah Nabutsale. Ihr Schürzenkleid ist aus leuchtendem Blau. Sie hat sich für den Beruf der Hebamme entschieden. Ausschlaggebend war der Tod ihrer jüngsten Schwester, die bei der Geburt gestorben ist. Bei ihrer Mutter gab es Komplikationen schon während der Schwangerschaft und schließlich auch bei der Geburt. Sie schaffte es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus. Robinah erinnert sich nicht gerne an das Ereignis vor acht Jahren, das die Familie verändert hat. „Meine Mutter ist nicht mehr die, die sie einst war.“ Depressiv, traurig, manchmal kaum ansprechbar, beschreibt die Tochter ihren Zustand. „Ich möchte zukünftigen Müttern helfen“, sagt sie bestimmt. „Deshalb bin ich hier.“

Noch ein Jahr muss sie die Schulbank drücken, dann schreibt sie die Abschlussprüfung. „Am liebsten möchte ich später im Osten Ugandas arbeiten. Nicht allzu weit entfernt von meiner Familie in Bududa“, wünscht sie sich. Jetzt darf sie alle sechs Monate nach Hause. „Ich habe Heimweh“, sagt die 21-Jährige, deren Lieblingsfach Anatomie ist.

Robinah Nabutsales Lieblingsfach ist Anatomie.

Robinah Nabutsales Lieblingsfach ist Anatomie.

Lange Geschichte

Die Ordensschwestern vom St. Francis-Krankenhaus in Nyenga sind stolz. Sie können auf eine über 80-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Alles begann mit der irischen Nonne Mary Kevin Kearney, die an der Stelle des heutigen Krankenhauses ursprünglich eine Zuflucht für Leprakranke errichtete. In den Hütten lebten damals die Kranken bis sie starben und wurden – so gut es ging – versorgt. Medikamente zur Behandlung gab es kaum, zumindest nicht in einem Land wie Uganda.

„Das Gebäude der Ausbildungsstätte war von 1965 bis 1998 eine Grundschule für die Kinder von Leprakranken“, sagt Schwester Regina. „Sogar einen Priester hat unsere Schule hervorgebracht. Er studiert zurzeit in Nairobi. Seine Eltern leben ganz in der Nähe“, sagt sie stolz. Auch viele andere ehemalige Schüler hätten gute Berufe erlernt. „Mechaniker, Elektriker, Apotheker“, ergänzt Sozialarbeiter Moses Kawikizi. „Eine unserer ehemaligen Schülerinnen leitet heute sogar die Frauen-Pfadfindergruppe ganz Ostafrikas.“

„Ich lege viel Wert darauf, dass auch die Vermittlung von Leprakenntnissen in den Lehrplan integriert wird“, sagt Experte Dr. Joseph Kawuma. Er arbeitet im Landesbüro der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in der Hauptstadt Kampala und ist oft in Nyenga. „Darauf bestehe ich“, sagt der Spezialist, der auch als Lepra-Berater für die Weltgesundheitsorganisation tätig ist. Schwester Regina verkündet die Mittagspause. Rodgers und Robinah machen sich gemeinsam mit ihren Mitschülern auf den Weg nach draußen, geordnet in Gruppen nach weißen, blauen und grünen Schuluniformen.

Fotos: Enric Boixadós

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