Beschäftigungsspiele für Demenzkranke

Gastbeitrag von Michael R.

Bericht aus der Praxis zu den Demenzmaterialien (Liederbücher, CD, Puzzles)

SingLiesel: „Die schönsten Weihnachtslieder“, 29,95 Euro
SingLiesel: „Das Volksliederbuch“, 29,95 Euro mit Audio CD, 12,95 Euro
„Gelingt Immer“-Puzzles: „Blumen“, 14,95 Euro und „Krimskrams“, 14,95 Euro

Allgemeines:

Meine Frau, Brigitte R. (Jahrgang 1959) leidet an fronto-temporaler Demenz. Die Diagnose wurde nach 6 Monaten Odyssee durch viele Facharztpraxen und Kliniken im Oktober 2010 endgültig gestellt.

Die Krankheit hat einen sehr progressiven Verlauf. Die geistigen und auch körperlichen Möglichkeiten sind in hohem Maße eingeschränkt und reduzieren sich weiterhin ziemlich schnell. Meine Frau hat sehr früh die Fähigkeit Emotionen zu spüren/artikulieren zu können verloren und auch die Reflektionsfähigkeit ist nahezu auf null reduziert.
Die oben genannten Materialien nutze ich seit einigen Wochen mehrmals die Woche. Erstaunlich sind verschiedene Beobachtungen, siehe unten.

Zu „Die schönsten Weihnachtslieder“:

Die Weihnachtslieder haben meine Frau nicht wirklich erreicht. Das Buch mit dem Abspielen der drei Lieder ist hervorragend gestaltet, die Handhabung einfach. Im Falle meiner Frau hat dies aber nicht genügt sich selbstständig damit zu befassen. Selbst beim Dabei-Sein und umblättern und ihr zeigen, wo sie drücken muss, damit das nächste Lied abgespielt wird, hat sie dies eigentlich nie selbstständig umgesetzt.

Zu „Das Volksliederbuch“ mit Audio CD:

Beim Volksliederbuch gelingt es manchmal, sie zum Mitsingen zu animieren, aber nur eingeschränkt. Hier ist es allerdings absolut hinderlich, dass der gesungene Text der Lieder leider häufig sich in einzelnen Textpassagen unterscheidet, manchmal nur ein Wort, ein andermal ein ganzer Halbsatz. Hier wäre es sicher wichtig, diese Verschiedenheit aufzulösen und die geschriebenen Texte mit den gesungenen abzugleichen. Die Liedauswahl „trifft“ aber auch unsere Generation (auch ich bin Jahrgang 1959), fast alle Lieder sind bekannt und die meisten haben wir in unserer Jugend an so manchem Lagerfeuer gesungen.

Hier ist es vielleicht noch wichtig zu erwähnen, dass meine Frau absolut musikalisch war. Sie spielte Gitarre seit sie 13 war. Lernte noch – beginnend mit 41 – Saxophon und sang jahrzehntelang in verschiedenen Chören. Die Krankheit nahm ihr leider fast komplett den Zugang zu Musik und Gesang.

Zu den „Gelingt Immer“-Puzzles:

Die Puzzles macht meine Frau ab und an, wobei ihre Konzentration sehr schnell nachlässt, auch die Fingerfertigkeit ist oftmals ein Hindernis. Auf der anderen Seite war ich absolut erstaunt, dass sie beim dritten Mal (= jedes Mal als Tag gedacht, wo wir beide Puzzle in Abständen gelegt hatten) die Aussage machte: „Das ist langweilig, das passt ja immer!“
Ich war ob dieser richtigen Aussage völlig perplex. Inzwischen legt sie die Puzzles immer wieder einmal – natürlich nur mit Begleitung und Animation – die genannte Aussage hat sie nie wiederholt.

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