Sri Lanka: Bewusstsein schaffen in der Fremde

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Für Fischer, Muschelsammler und die Verantwortlichen der Schildkröten-Rettungsstation auf Sri Lanka ist Christine Wagner aus Karben eine Heldin. Gleich zu Beginn ihres Urlaubs an der Westküste sah sie den vielen Müll, der immer wieder die Strände verunreinigt. Sie begann, die unzähligen Plastikbehälter, Glasflaschen, einzelnen Sandalen und zerrissenen Fischernetze einzusammeln. „Es sind nicht allein die Bewohner, die die Strände als Müllkippe benutzen. Es ist vor allem der Unrat, der täglich aus dem Meer angeschwemmt wird“, sagt Ushanta Mendis, ehemaliger Bürgermeister und heutiger Lokalpolitiker, während er den vollen Müllsack auf die Schulter hievt. Die Aktion macht Schule, und Mendis ist dabei, wenn es um das Wohlergehen seines Land geht.

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Lokale Politprominenz im Schlepptau: Die Karbenerin Christine Wagner bei ihrer Strandreinigungsaktion in Sri Lanka.

Beispiellose Aktion

„Ich konnte es auf meinen Spaziergängen am Meer nicht mehr ertragen, den Dreck zu sehen“, sagt Wagner heute. „Zudem gibt es in Sri Lanka kaum Abfalleimer, die Menschen wissen sich nicht besser zu helfen, als ihren Abfall in der Natur zu entsorgen.“ Wagners Freund Michael Wolf brachte zudem noch stabile Müllsäcke aus Deutschland mit, und los ging es mit dem Säubern der einzelnen Strandabschnitte. Einheimische staunten über die umtriebigen Deutschen und machten es ihnen nach. Dem morgendlichen Reinigungstrupp folgte auch das Hotelpersonal mit Arbeitshandschuhen und Harken.

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Politiker Ushanta Mendis staunte, als er von dem Engagement der Touristin hörte.  Schon am nächsten Tag war er mit Assistent Thushan de Silva dabei. Nach einer Woche wurden bereits rund 40 prall gefüllte deutsche Müllsäcke mit einem altersschwachen Traktor in die lokale Verbrennungsanlage gebracht. „Ihr seid hier, um Urlaub zu machen, doch Euer Einsatz zum Wohle unseres Landes ist unglaublich“, lobte Mendis die frühere Kampfsportlerin und Tennisspielerin beim TC Bad Vilbel, als sie einen Sack nach dem anderen zum Anhänger schleppte. „Das hat Vorbildfunktion“, ergänzte Thushan de Silva. „Wenn viele Menschen so denken wie Christine, hat nicht nur unser Land, sondern auch unsere Welt eine Zukunft.“

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Über die Social-Media-Kanäle des Politikers hatte Wagners Engagement auch die Medien erreicht. Zum Strand kamen Journalisten und ein TV-Team. Die 60-Jährige gab Interviews und ließ sich nicht aufhalten, denn sie war nur noch knapp eine Woche vor Ort.

Wagners Schlüsselerlebnis

Ausschlaggebend für die Aktion war ein Besuch der nahen Auffangstation für Meeresschildkröten, der Sea Turtle Hatchery am Strand von Kosgoda. „Hier habe ich zum ersten Mal Riesenschildkröten gesehen, denen im Meer illegal entsorgte Fischernetze die Flossen abgetrennt haben“, betonte Wagner. „Das war furchtbar.“ Auch sah sie Schildkröten, deren Panzer von Schiffsmotoren zerstört wurden und nun voller Luft sind. „Sie können nicht mehr tauchen und verenden im Meer. Sie bleiben für immer in der Auffangstation.“

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Eine junge deutsche Helferin zeigte auf Schildkröten, die einst hilflos in Seilen und Netzen trieben und entweder entkräftet angespült oder von Fischern gebracht wurden. „Wir päppeln sie wieder auf, bis sie genügend Kraft und Energie haben, um im Meer zu überleben“, sagte Charith Dilshan de Zoysa, Chef der Auffangstation. Immer wieder finden Freiwillige aus aller Welt ihren Weg zu ihnen. „Meistens bleiben sie für ein bis zwei Wochen. Wir bieten ihnen im Gästehaus Unterkunft und Verpflegung.“

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Zudem lud Mendis die Karbenerin in eine lokale Schulklasse ein, weil er sicher war, dass schon Kinder ein Problembewusstsein für Umweltverschmutzung entwickeln können. Aufmerksam wurde ihr Vortrag von den Schülern verfolgt.

Denn viele Schildkröten verenden im Meer, weil sie bunten Unrat schlucken, der sie an Quallen und Fische erinnert. Auch andere Meeresbewohner sterben, weil sie winzige Plastikteilchen für Plankton halten. Christine Wagner weiß, dass ihr Einsatz dem von David gegen Goliath gleicht, doch aufgeben will sie nicht. „Unser Beispiel soll Schule machen!“ Die Aufmerksamkeit der lokalen Medien kommt der ehemaligen Filmemacherin gerade recht. „So schaffen wir gemeinsam das Bewusstsein für ein großes Problem.“

Interview

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