Sardiniens Mysterien-Prozession

Mit Moby Lines nach Sardinien.

Sardinien, eine Insel, fast zu schön um wahr zu sein. Besonders dann, wenn es noch kaum Touristen gibt. Ostern ist so eine Zeit. Die Landschaft mit dem Auto zu erkunden ist dabei eine Notwendigkeit. Mit dem Mietauto oder dem eigenen Wagen – beides ist möglich. Die Häufigkeit an Flugverbindungen wie im Sommer gibt es noch nicht. Warum also nicht langsam anreisen, um Zeuge der geheimnisvollen Osterprozessionen zu werden? Denn die Vorfreude auf das Unerwartete langsam zu steigern ist das Beste, was Reisenden auf ihrer Route nach Sardinien passieren kann. Umso besser also, wenn der Weg auch ein Ziel sein soll.

Mit dem Schiff ab Livorno, Genua oder Civitavecchia anzureisen passt dann umso mehr in die Reiseplanung. Möglich ist das zu jeder Jahreszeit, denn Fähren fahren immer. Zu verdanken ist dieser Gedanke ursprünglich der Familie Onorato und ihrem Frachtdienst zwischen Neapel und Sardinien bereits im 19. Jahrhundert. Bis heute kümmern sich die Nachfahren, mittlerweile die fünfte Generation von Reedern, um effiziente Verbindungen übers Meer. Das ist die Geschichte von Moby Lines.

Angenehme Nachtruhe.

Die Routen werden von Touristen nicht nur wegen der Mitnahme von Autos, Campern und Wohnwagen geschätzt, sondern auch aufgrund praktischer Abfahrtszeiten und des Komforts an Bord. Schlummernd über Nacht erwacht der Reisende am nächsten Morgen mit Blick auf die zweitgrößte italienische Insel. Die beliebtesten Schiffe der „Blauen Wal“-Flotte sind Moby Fantasy, Moby Aki, Moby Wonder und Moby Otta. Übrigens, auch die Inseln Korsika, Elba und Sizilien werden mit der Flotte maritim bedient.

Sardiniens Einzigartigkeit

Beliebt ist vor allem die Route von Genua nach Olbia, die man als Nacht- aber auch Tagestrip buchen kann. Von Olbia sind es dann nur noch rund drei Stunden Autofahrt bis nach Castelsardo an der Nordwestküste. Einmal quer durchs Land reisen und dabei schon mal viel von traditionellen Dörfern und der sardischen Macchia, dieser ganz besonderen Gebüschlandschaft aus Myrthe, wildem Fenchel, Rosmarin und Ginster sehen.

Die Kirche „Unsere Liebe Frau“ in Tergu.

Die Zeit um Ostern ist bekannt für ihre schaurig-schönen Prozessionen. Eine davon ist die Feier der Lunissanti am Montag vor Ostern. Nach Gianpaolo Pais, Priester an der Kirche Unsere Liebe Frau in Tergu im Landesinneren, ist die Karwoche gefüllt mit religiösen Bräuchen. Sie reichen von der Küste bis zu Orten wie Tergu. Die Feierlichkeiten sind auch heute noch von reichen spanischen Traditionen geprägt und verschmelzen mit archaischen sardischen Festen aus dem Mittelalter. Sie gehen bis in die heidnische Nuraghenzeit ab 500 vor Christus zurück. Damals entstanden auf der ganzen Insel eine Vielzahl an Wehrtürmen und menschlichen Siedlungen, gebaut aus Granit und Felsblöcken und entnommen der karstigen Landschaft.

Die Mysterien-Prozession beginnt.

Kapuzenmänner und ihre Choräle

Das mittelalterliche Castelsardo gleicht einer Trutzburg hoch über der Küste und wird getragen von alten Festungsmauern und farbenfrohen Häusern. Das Städtchen gehört zu den schönsten und interessantesten Orten in ganz Italien und ist für jeden Besucher eine Augenweide.

Wie eine Trutzburg und einer der schönsten Orte Italiens: Castelsardo.

Gianpaolo Pais (rechts) ist Priester an der Kirche in Tergu.

Laienbrüderschaften singen hier am frühen Morgen vor der Kirche Santa Maria ihre Choräle und machen sich nach der Frühmesse auf dem Weg ins rund zehn Kilometer entfernte Tergu, wo sie bereits von Bruder Gianpaolo Pais erwartet werden. Gemeinsam mit zwei weiteren Priestern bereitet er die Messe in der Dorfkirche vor. Nur hier – in Castelsardo und Tergu – wird am Montag nach dem Palmsonntag die Messe mit den Chören zelebriert.

Spaniens reiches Erbe

Bevor der Gottesdienst in der Kirche Unsere Liebe Frau beginnt, ziehen die Männer, genau wie bereits in Castelsardo am frühen Morgen, in ihren weißen Kutten und Kapuzen sowie mit Klagegesängen durch das Dorf und in die Kirche ein. Bei der sogenannten Mysterien-Prozession werden erschütternde Choräle und die Stabat Mater gesungen.

Damit werden die Schmerzen der Jungfrau Maria, als sie am Kreuz stand, zum Ausdruck gebracht. „Die sieben symbolhaften Mysterien, die von der Bruderschaft getragen werden, sind Kelch, Geißel, Dornenkrone, Kreuz, Kette, eine Leiter und eine Statue. Auch ein Totenschädel ergänzt die Mysterien“, sagt Priester Pais. Seit fünf Jahren dient er an der Kirche, zu der im Mittelalter ein Benediktinerkloster gehörte.

In der Kirche.

Ihre Gründung reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Helle und violette Kalksteinelemente prägen die Fassade des Gotteshauses. „Seit dem frühen 16. Jahrhundert gehörte Sardinien einst zum Königreich Spanien. Dem haben wir auch die Mysterien-Prozession zu verdanken“, ergänzt der Priester. Draußen vor dem Kirchplatz beginnt das kleine Volksfest, das jedes Jahr mit Picknick, sardischen Köstlichkeiten und Musik gefeiert wird.

Infokasten und Empfehlungen:

Fährüberfahrt mit Moby Lines.
Hotel in Olbia: Felix-Hotel.
Hotel in Arzachena (Costa Smeralda): Parco degli Ulivi.
Ferienappartements in Cannigione (Costa Smeralda): Residenza Sarra di Entu.

Fotos: Moby Lines, sl4lifestyle.

 

 

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