Die Ära Relin in Sommerhausen geht zu Ende

Angelika Relin vor dem Torturmtheater in Sommerhausen.

Die Ära Relin im Torturmtheater (TTT) Sommerhausen, eines der kleinsten Theater Deutschlands, endet am 21. Dezember 2025 mit der Suche nach dem Glück in „Viele gute Dinge kommen aus Reykjavik!“.

Eines der kleinsten Theater Deutschlands in Sommerhausen: Das Torturmtheater.

Angelika Relin leitet seit 2013 das Haus, nachdem ihr Mann Veit Relin verstarb. Der Theater-Prinzipal und frühere Wiener Burgschauspieler hatte 1976 die Spielstätte von Luigi Malipiero übernommen. Letzterer lebte seit 1944 in Sommerhausen und war seit 1950 der erste Intendant des Torturmtheaters. Dieses kleine Theater und die zahlreichen Kreativen, die sich in dem fränkischen Weinort niederließen, gaben Sommerhausen als Künstlerort einen Namen.

Veit und Angelika Relin. Foto: privat

Für Angelika Relin war es eine besondere Herausforderung, in die großen Fußstapfen ihres Mannes zu treten. Doch sie meisterte es mit Bravour. Während der nächsten 12 Jahre brachte sie immer wieder herausragende Stücke auf die Bühne. Selten war das Theater an Spieltagen nicht ausgebucht, kamen die Besucher doch aus ganz Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus, um die Ein- oder Zwei-Personen-Stücke zu sehen.

Auch während der Corona-Zeit wurde weitergespielt. Angelika Relin entwickelte ein Hygiene-Konzept und versetzte die Besucher vom kleinen Theaterraum ins größere Foyer. Meist gab es vier Neuproduktionen pro Jahr. Oftmals waren die so spektakulär, dass Zuschauer immer wieder kamen.

Das Grab von Veit Relin auf dem Friedhof in Sommerhausen.

Relin hat mit Bühnenproduktionen wie beispielsweise „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“, „Die Dinge meiner Eltern“ oder „Girls & Boys“, sowie vielen anderen, Stücke mit teilweise sehr provokantem Touch auf die Bühne gebracht.

10 Fragen und 10 Antworten von TTT-Prinzipalin Angelika Relin zum Abschied ihres Theaterlebens in Sommerhausen.

  1. Wie halten Sie sich fit?

Ich war immer neugierig, habe mich stets auf neue Gesichter am Theater gefreut und immer mit angepackt. Das hält automatisch fit.

2. Wie geht es nach dem Rückzug vom Theater weiter?

2026 wird es erst einmal eine große Ausstellung zum 100. Geburtstag von Veit Relin in der Kunsthalle „Spitäle“ in Würzburg geben. Darauf, und auf die Vorbereitungen zu dieser Würdigung des Lebenswerks meines Mannes, freue ich mich sehr.

3. Bleiben Sie Sommerhausen treu?

Privat lebe ich in einem der schönsten Refugien, die man sich wünschen kann, deshalb drängt es mich nicht zur Ortsveränderung.

4. Was war Ihre bevorzugte Bühnenproduktion?

Eine einzelne Produktion kann ich hier gar nicht nennen, es gab so viele, die mir wichtig waren und am Herzen lagen, wie zum Beispiel in den letzten Jahren „Ich war ein Mensch“, oder auch „Der geflügelte Froschgott“ und gerade eben „Die Entführung der Amygdala“, sowie auch am Anfang der Jahre, die ich allein verantwortet habe, Stücke wie „Gift“ oder „Der Hässliche“.

5. Wie und wann haben Sie Ihren Mann Veit kennen und lieben gelernt?

1976 im Torturmtheater.

6. Haben Sie ein Lebensmotto?

Vielleicht nicht unbedingt ein Lebensmotto, aber ich habe großes Vertrauen in den „rechten Augenblick“.

7. Was gefällt Ihnen an Sommerhausen und Franken am besten?

Dass es meine Heimat ist! Ich komme aus der Gegend.

8. War das Theaterleben schon immer Ihr Berufswunsch?

Am Anfang meines Designstudiums lernte ich Veit Relin kennen und lieben, so wurde das Theater ganz klar auch meine Welt. Mein Mann war mein bester Lehrer am Theater.

9. Woher nehmen Sie die Kraft und Energie für Ihre Bühnenstücke?

Ich freue mich immer, wenn ich mit meiner Stückauswahl unseren Gästen Denkanstöße liefern kann, sie zu Diskussionen anrege, so dass ein Theaterabend auch noch längere Zeit nachhallt.

10. Wie entspannen Sie sich nach anstrengenden Produktionen am liebsten, und wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Zurückgezogen zu Hause. Ich bin ein spontaner Mensch, offen für Neues, das auf mich zukommt.

„Viele gute Dinge kommen aus Reykjavik!“: Das neue und letzte Stück im Torturmtheater Sommerhausen läuft noch bis 21. Dezember 2025. Tickets hier!

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