Die Geschichte des Weihnachtslichtes

Von Gastautor Oli Schneider

Heute morgen, auf dem Weg zur Arbeit, ich saß gerade in der Straßenbahn, fiel mir die Geschichte eines Weihnachtslichts ein. Sie war einfach da, bei der Fahrt über die Würzburger Löwenbrücke, oder in der Linkskurve danach.

Ich versuche sie wiederzugeben, jetzt, nach einem langen Tag bei der Arbeit.

Also dieses Weihnachtslicht, keiner weiß, wie es geboren wurde, es lag mit einem Mal auf einer Wiese. Mitten im August. Die Häschen hoppelten vorbei. Der Hund vom Jäger hob sein Bein, ein ganz gewöhnlicher Sommertag. Mit Hitze und flirrenden Windböen, die das Gras wiegten und dieses Licht – das sah niemand. Nicht einmal Lieschen, die ihre Sommerdecke auf dem Rasen ausgebreitet hatte und an Vanilleeis mit Schlagsahne dachte.

Dieses Weihnachtslicht war zwar ein Licht, aber die Sonne schien heller und die Zeit ging schneller und alles war da, nur noch nicht an seinem richtigen Platz. Man weiß es nicht, wie sich das Lichtchen durch die Welt bewegte oder die Welt sich durch das Lichtchen.
Der September kam und der Mond spiegelte sich im See, der Lieschens Füße noch vor Wochen so fein gekühlt hatte. Und das Weihnachtslicht hatte das erste Mal die Hoffnung, gesehen zu werden.

Aber der Mond, der Mond schien heller und die Wellen glitzerten schöner und Lieschen schlief schon irgendwo und träumte von Zuckerwatte und Mandeln. Es wurde Herbst, es wurde kälter und die Menschen zündeten Feuer in ihren Hütten, Häusern und Palästen. Die Kronleuchter strahlten durch die Fenster in die Welt, und man sah es nicht, das kleine Weihnachtslicht auf seiner Suche.

Schon fiel Schnee und das Weiß verteilte sich wie Unschuld auf einer gebrauchten Haut. Alles schien heil. Und das Weihnachtslicht, es verlor sich unter glitzernden Sternen.
Dann kam der Weihnachtsabend und Lieschen wünschte sich nichts sehnlicher, als diesen Moment, wenn das Glöckchen klingeln sollte und die Menschen, die sie liebte, so unendlich nah waren. So nah als dass es schien, die Nacht würde aus einem einzigen schlagenden Herz bestehen.

Weihnachtslichter folgen diesen Wünschen. Unser Licht saß auf einer alten Eiche und hatte das Gefühl, auf einem falschen Baum zu sitzen. Die Eule, die sich in ihrem Nest vor dem eisigen Wind geschützt hatte, sah das hoffnungsvolle Glimmen des Weihnachtslichtes. Und sie sah, wie es an Kraft gewann. Wurde es heller, oder einfach sichtbarer? Größer? Stärker? Lichtiger? Unsere Welten spiegeln unsere Lichter …

Der Kamin knisterte und die Kerzen waren angezündet und kurz nach acht, als die Wangen von Oma etwas gerötet waren und die Zufriedenheit sich breiter machte, da schaltete jemand die Stubenlampe aus. Und an der Spitze der Tanne, die knapp unter die Zimmerdecke reichte, da leuchtete etwas, das nicht wie eine Kerze schien, nicht wie ein Lämpchen. Nein, wie etwas, das endlich seinen Platz gefunden hatte. Zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort und es war nicht einfach hell, es schien die Welt in der Tiefe zu beleuchten.

Das am lichtesten, sogar das wärmste, etc.  – denkt Euch etwas Süßes wie Zimtschnecken dazu… So war es! Das Beste im Dorf und für Lieschen sogar das Schönste auf der ganzen Welt. War es ein anderes Weihnachtslicht als im August? Nein, es war nur angekommen. Wo es hingehörte.

In diesem Sinne, eine schöne Weihnacht Euch!

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Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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