Bücher gehören zu den persönlichsten Geschenken zu Weihnachten. Sie schenken Zeit, Ruhe und neue Welten – genau das, was viele sich in der besinnlichen Jahreszeit wünschen. Ob spannend, inspirierend oder herzerwärmend: Ein sorgfältig ausgewähltes Buch zeigt Aufmerksamkeit und bleibt oft weit über die Feiertage hinaus in Erinnerung. Ich habe mich umgeschaut. Hier ein paar Tipps für Eure Auswahl.
Sachbücher
Eigentlich ist es ein Sommerbuch, eines für die großen Ferien, möglichst an den bayerischen Seen. Doch als ich neulich bei einem Literaturkreis in unserer Stadtbücherei war, wo dieses Buch besprochen wurde, war mir klar, dass es auch als Weihnachtsbuch zu empfehlen ist. Hat Thomas Mann nicht einst „Weihnachten bei den Buddenbrooks“ geschrieben? Dieses Büchlein macht genau so neugierig auf den Schriftsteller wie die Neuerscheinung jetzt.
Doch worum geht es? Die Familie Mann hat sich 1918 ein Haus am Tegernsee gemietet. Unbeschwerte Monate liegen vor ihr – doch die Welt verändert sich dramatisch, auch für die Manns. Tief im bayerischen Süden pflegte der große Schriftsteller die Kunst des Müßiggangs und schrieb dabei an einem Manuskript.
Die Kinder tobten im See, der erste Weltkrieg war vorbei und doch hat er Spuren der Verwüstung hinterlassen. Die Autorin beschreibt die seelischen Widerstandkräfte, die diese Familie entwickelt. Auch Manns Hund Bauschan nimmt eine tragende Rolle ein. In seiner Erzählung „Herr und Hund. Ein Idyll“ wird er dem Vierbeiner später ein Denkmal setzen. Ich habe sie besucht: Eine Skulptur am Seeufer in Gmund erinnert noch heute an sie beide.
Kerstin Holzer: Thomas Mann macht Ferien, 202 Seiten, 22 Euro.
Persönliche Krisen und Zweifel
Einige von Euch haben sein Vorgängerbuch „Shaolin Spirit“ gelesen. Bewegend und mit großer Klarheit zeigt Shi Heng Yi in seinem neuen Buch „Shaolin Mind“, wie sich ihm auf dem Höhepunkt seiner Popularität eine große innere Leere offenbarte – und welche Schritte ihm dabei geholfen haben, Krisen zu überwinden und den Weg zu wahrer Freiheit zu finden. Hierfür gewährt Euch der Shaolin-Meister seltene und außergewöhnlich offene Einblicke in seinen Lebensweg – ehrlich, berührend und voller Tiefe. In neun Kapiteln erzählt er von prägenden Momenten, inneren Kämpfen und den Erfahrungen, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist. Er berichtet von seinen Anfängen, dem Aufwachsen in einem ärmlichen Viertel in Kaiserslautern und seinen ersten Stunden in einer Kampfkunstschule im Alter von vier Jahren. Im Buch begleitet Ihr Shi Heng Yi dabei, wie er auf der einen Seite seinen Ordensnamen verliehen bekommt, aber auf der anderen Seite mit dem Gefühl hadert, etwas im Leben zu verpassen.
Shi Heng Yi: Shaolin Mind, 240 Seiten, 26 Euro.
Bist Du zu nett?
Wie lernt Ihr eigentlich, auch mal Nein zu sagen? Wie schafft Ihr es, nicht immer die Wünsche der anderen vor die eigenen zu stellen? Wie dosiert Ihr Freundlichkeit?
Übergroße Freundlichkeit wird manchmal ausgenutzt. Doch kann man lernen, sich als netter Mensch zu behaupten. Allen von Euch, die schnell Vertrauen fassen, die bescheiden sind und sich nicht in den Vordergrund drängen, zeigt der Autor Wege auf, glücklicher und erfolgreicher zu werden. Mit großer Empathie weist er den hilfsbereiten, aufrichtigen und zuvorkommenden Menschen, die ihm bei seiner Arbeit als Psychotherapeut über die Jahre ans Herz gewachsen sind, den Weg zu mehr Respekt – ohne ihr freundliches Wesen zu verbiegen. Dieses charmante Buch hilft Euch dabei, die eigene Persönlichkeit zu verstehen. Zudem lehrt es Euch, eine wichtige Fähigkeit zu verwirklichen: Nett zu sein, aber nicht zu nett.
François Lelord: Bin ich zu nett?, 208 Seiten, 22 Euro.
Den Jetzt-Moment nutzen
Nach einer jahrzehntelangen Binge-Eating-Störung, nagenden Selbstzweifeln, 100 Kilo weniger auf der Waage und der Diagnose einer unheilbaren Krankheit stellt Jana Crämer eines fest: Es geht im Leben nicht darum, sich noch mehr anzustrengen, sondern darum, den richtigen Moment für Veränderung zu erkennen und zu nutzen.
In diesem Buch nimmt Euch Jana mit auf eine sehr persönliche Reise und zeigt Euch eindrucksvoll, warum Veränderung nicht mit Kampf und Verzicht beginnt, sondern mit kleinen und klugen Entscheidungen im richtigen Moment. Mit ihrem unverwechselbaren Humor, tiefer emotionaler Offenheit und schonungsloser Ehrlichkeit erzählt sie uns von ihren größten Krisen und Veränderungen im Leben.
Wie können wir den entscheidenden Jetzt-Moment für uns nutzen – den Moment, in dem Veränderung auf einmal mühelos wird. Warum es nicht immer darum geht, weniger zu essen, sondern manchmal sogar mehr. Und weshalb nicht Willenskraft, sondern Flexibilität der Schlüssel ist, um die eigenen Ziele zu erreichen.
Jana Crämer: Manchmal muss man sitzen, um den Hintern hochzukriegen. Der Moment, in dem alles anders wird, 240 Seiten, 16,99 Euro.
Adopt, don’t shop!
Vielleicht möchtet Ihr einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren und habt noch viele Fragen: Wie erkenne ich einen seriösen Tierschutzverein? Was ist wichtig, wenn der Hund einzieht? Welche Probleme können auftreten? Wenn Ihr Euch für einen tierischen Begleiter entschieden habt, wächst die Vorfreude von Tag zu Tag aber auch die Unsicherheit. Wann soll er einziehen, wie ist die Grundausstattung und was gibt es überhaupt zu beachten?
Diese und viele weitere Fragen beantworten Ursula Löckenhoff und Simone Sombecki in ihrem neuen Buch „Tierschutzhund Lieblingshund“. Neben viel praktischer Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung, einem Fragebogen zur Selbstanalyse und zahlreichen Praxistipps für ein glückliches Zusammenleben von Mensch und Hund, berichten die beiden Autorinnen auch über ihre langjährige aktive Arbeit im Tierschutz. Das Buch ist gleichermaßen für Neulinge wie auch erfahrene Hundehaltende geeignet und unterstützt auf dem Weg von der Adoption bis zur tiefen Bindung.
Ursula Löckenhoff und Simone Sombecki: Tierschutzhund Lieblingshund, 224 Seiten, 25 Euro.
Im Rückblick sind es oft gerade die herausforderndsten Situationen im Leben, die Ihr später als besonders wertvoll erkennt. In einer Welt jedoch, die sich dem Komfort und der Bequemlichkeit verschrieben hat, tut Ihr doch alles, um diese zu meiden. Der Autor plädiert in seinem neuen Buch dafür, das für Euch Unbequeme nicht als Zumutung, sondern als Chance zu begreifen. Er ist überzeugt: Es lohnt sich, der Bequemlichkeitsfalle zu entkommen und für eine größere Zufriedenheit in der Zukunft den Verzicht und die Anstrengung im Moment wertzuschätzen.
Bas Kast: Lob des Unbequemen. Wie ich lernte, die Eisbäder des Lebens zu genießen, 80 Seiten, 15 Euro.
Die härteste Regatta der Welt
Lesestoff nicht nur für Extremsportler! Superspannend ist die Lektüre rund um das Leben von Boris Herrmann. Wie ist er überhaupt zu dem Ausnahmesegler geworden, der er ist? Welche Erlebnisse, welche Menschen haben ihn geprägt? Was ist ihm wichtig? Seit seiner Teilnahme an der Soloweltumseglung Vendée Globe im Winter 2020/21 ist der Wahl-Hamburger auch Nichtseglern ein Begriff. Im Winter 2024/25 musste er bei der härtesten Regatta der Welt erneut über seine körperlichen und mentalen Grenzen gehen. Boris Herrmann ist jedoch nicht nur ein erfolgreicher Segler, sondern auch ein engagierter Umweltaktivist, der sich für den Schutz und die Erforschung der Meere einsetzt. Erstmals gibt Herrmann auch Einblicke in ein faszinierendes Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit Meeresforschungsinstituten entsteht und in die Zusammenarbeit mit dem Journalisten Walter Wüllenweber.
Boris Herrmann und Walter Wüllenweber: Die Welt unter meinem Boot, 336 Seiten, 26 Euro.
Die Insel am Rand der Welt
Was geschieht, wenn man die Zeit anhält – oder besser: wenn man ihr erlaubt, wieder so zu fließen, wie sie es immer getan hat? Insel am Rand der Welt ist genau dieses Innehalten. James Rebanks nimmt Euch mit an einen Ort, der so weit entfernt scheint von unserem Alltag, dass er fast wie ein Gegenentwurf zum modernen Leben wirkt. Der Autor bekommt die seltene Chance, einen ganzen Frühling auf einer der entlegensten Inseln Norwegens zu verbringen. Seine Reise beginnt auf Vega, wo er Anna trifft – eine Frau, die sich bewusst für ein Leben entschieden hat, das Verzicht nicht als Mangel, sondern als Reichtum begreift. Drei Monate werden sie dort zusammen verbringen: Ohne Strom, ohne Komfort, ohne Ablenkung. Dafür mit Wind, Kälte, salziger Luft und einer Aufgabe, die Geduld, Respekt und Hingabe verlangt.
Anna widmet ihr Leben den Eiderenten. Sie baut ihre Behausungen und Nester, wacht darüber, dass die Tiere ungestört brüten können, schützt sie vor Fressfeinden und begleitet die Küken schließlich sicher bis zum Meer. Erst wenn alles getan ist, nimmt sie ihren Lohn entgegen: die feinen Eiderdaunen, die die Enten sich selbst aus der Brust zupfen. Diese flauschigen Federn, in den Nestern gesammelt und mühsam gereinigt, zählen zu den wertvollsten der Welt. Doch der wahre Wert liegt nicht im Preis, sondern im respektvollen Miteinander von Mensch und Natur.
Rebanks beschreibt dieses Leben mit leiser Bewunderung und großer Ehrlichkeit. Anna wird nicht verklärt, nicht romantisiert. Sie ist unbequem, konsequent, manchmal stur – und gerade deshalb so glaubwürdig. Sie weigert sich, sich von der Hektik der modernen Zeit vereinnahmen zu lassen. Ihr Leben folgt einem anderen Takt, einem Rhythmus, den nicht Uhren, sondern Jahreszeiten bestimmen.
Für Rebanks – und für uns Leserinnen und Leser – wird dieser Frühling zu einer Lektion. Er lernt, dass es sich lohnt, für das zu kämpfen, was einem wirklich wichtig ist. Dass Tradition kein Stillstand sein muss. Und dass ein sinnvolles Leben nicht lauter, schneller oder größer werden muss, sondern oft leiser, langsamer und näher an dem, was uns umgibt.
Insel am Rand der Welt ist ein stilles, kraftvolles Buch. Es hinterlässt keine schnellen Antworten, sondern Fragen, die bleiben. Und vielleicht den Wunsch, selbst wieder genauer hinzusehen, wofür wir unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit einsetzen.
James Rebanks: Insel am Rand der Welt. 302 Seiten, 24 Euro
Die Verletzlichkeit des Menschen
Vielleicht hat der eine oder andere von Euch schon mal eines seiner Bücher gelesen oder Verfilmungen gesehen? Ferdinand von Schirach schreibt in seinem neuen Werk über die Verletzlichkeit des Menschen, über seine Triumphe und sein Scheitern. Seine Geschichten erzählen von der Gesellschaft, vom Tod und von Verbrechen, von Musik, Film, Malerei und Philosophie. Sie spielen in Berlin, Kapstadt, Rom, Wien und an der Côte d´Azur. Sie berichten von privaten Begegnungen, von historischen Ereignissen und von Persönlichkeiten, wie dem Tennisspieler Gottfried von Cramm, dem Architekten Adolf Loos oder dem Wiener Schriftsteller, Schauspieler und Kulturphilosophen Egon Friedell. Und immer wieder erzählt sein neues Buch von Zufällen, die ein Leben unaufhaltsam verändern, von der Unbegreiflichkeit und Großartigkeit des Menschen, von der Unsicherheit des Daseins und der Sehnsucht nach Schutz, Sicherheit und Freiheit. Ein Buch, das Euch alle betrifft oder betreffen könnte.
Ferdinand von Schirach: Der stille Freund, 176 Seiten, 22 Euro.
Thriller
Von Lebenden und Verstorbenen
Als Frau Löffler sich nach einem Fahrradunfall auf den Heimweg macht, hat sich ihr Wohnviertel tiefgreifend verändert. Überall trifft sie auf längst verstorbene Nachbarn. Bald stellt sie fest: Sie selbst ist eine der Toten. Genau diese Beschreibung hat mich schon mal fasziniert, da ich neulich ein ähnliches Theaterstück gesehen habe.
Das Dasein nach dem Tod ist behaglich. Frage: Ist das wirklich so? Die meisten bewohnen (für die Lebenden unsichtbar) ihre alten Häuser und führen ihre gewohnten Routinen fort. Doch alles verändert sich, als der verführerische Herr Tober ins Viertel zieht und die Verstorbenen dazu anstachelt, die Lebenden zu vergraulen, um so ein Paradies auf Erden zu schaffen, in dem die Toten unangefochten herrschen können.
Tatsächlich trägt das Buch autobiografische Züge. Denn Monti sagt: „Ich hasste Ludwigsburg und besonders unsere Gegend, sobald ich kein Kind mehr war. Ich fand sie trüb und spießig. Noch mehr hasste ich sie, nachdem ich in meinen Zwanzigern und Dreißigern zehn Jahre in Florenz verbracht hatte. Doch dann kehrte ich zurück, was ich im Leben lange für undenkbar gehalten hatte, schwebten doch dieses Ludwigsburg und die Elbinger Straße in meinem Gehirn als Albtraum herum, in den ich nie mehr zurückversetzt werden wollte. Es ist jetzt im Viertel, zumindest auf einer Metaebene, etwas los, sogar viel los. Es ist richtig aufregend geworden. Ich habe mir das Viertel wieder angeeignet, zu meinem Viertel gemacht. Und es war leichter, die nervenaufreibenden Jahre an einem Ort zu verbringen, den man nicht am liebsten verleugnet, sondern erneut als zuhause annimmt.“ Auf dieses Buch von Olivia Monti darf man gespannt sein!
Olivia Monti: Die Toten von nebenan, 296 Seiten, 23,90 Euro.
Kalender
Ihre Kalender sind legendär. Früher schon begleiteten mich ihre Insta-Fotokalender durchs Jahr mit bewegenden Zitaten. „Famous Die Young“ („Die Berühmten sterben jung)“ ist nun der Titel des Tagesabreißkalenders (es gibt ihn auf deutsch und englisch) von Seltmann Publishers: 366 Kurzbiografien von ikonischen Persönlichkeiten wie James Dean, Jeanne d’Arc und Friedrich Schiller, die viel zu früh gestorben sind, werden vorgestellt. Die einzelnen Porträts erzählen Geschichten über Legenden aus Kunst, Wissenschaft und Sport, die ihre Zeit prägten, aber jung verstarben.
The Famous Die Young – Ein Kalender mit 366 Ikonen und ihren kurzen Lebensgeschichten, 30 Euro.
Kochbuch
Ich komme aus Franken. Klar, dass mich dieses Kochbuch interessiert. Tapas kennen wir ja sonst nur aus Spanien. Und jetzt was über fränkische Tapas. Kann das gut gehen? Das Buch überzeugt auch Kritiker mit seinen 60 Tapas-Rezepten voller fränkischer Einflüsse. Denn Tapas stehen für Geselligkeit und Lebensfreude – können das aber auch die Franken? Man ist und bleibt skeptisch. Doch der Autor präsentiert mit seinem Kochbuch innovative Tapas-Rezepte mit überwiegend fränkischen Zutaten. So warten Karpfenfilet-Fingers, Schäufele-Sliders, klassische Feuerspatzen und viele Dips und Beilagen darauf, bei der nächsten geselligen Runde geteilt zu werden. Und dank der drei Kategorien „gut vorzubereiten“ „schnell & einfach“ oder „raffiniert“ kann sich jede und jeder seine Tapas-Kombination nach Belieben selbst zusammenstellen.
Matthias Wendler: Fränkische Tapas, 176 Seiten, 24 Euro.













