Gastautor Aka Teraka: MEHRSPRACHIG – EINSTIMMIG

Che pix BCN 071 (Medium)„Obwohl ich in drei Sprachen (auf Igbo, auf Englisch und auf Deutsch) dichte, und ich – gerade auf Grund dessen, dass jede Sprache einen eigenen Geist, eine Eigenart und eigene Innendynamik hat – nicht nur immer jeweils ein bisschen unterschiedlich mit jeder Sprache umgehen muss, sondern unterschiedlich wirke, sowohl von Dichtkunst als auch vom Schreibstoff her, habe ich nie zwei Lebensbotschaften, sondern nur eine. Der Dichter in mir ist nicht zweigespaltet, nicht unklar seiner Selbst, sondern war – seit ich mit vierzehn angefangen habe, zu dichten – immer und nur von einer singulären Einsicht erfüllt, und stets, nach jedem gelungenen Gedicht, komme ich an dem selben Punkt nicht nur an, sondern in Wahrheit heim.

Bei diesem Beitrag ging es darum, etwas auf deutsch und/oder auf englisch zu dichten. Da ließ ich mir etwas einfallen. Ich überlegte mir zwei einfache Worte, die beide jeweils auf beiden Sprachen gleich buchstabiert werden. Natürlich interessierte mich diesbezüglich nicht Etymologie, noch ging es mir darum, die Bedeutung(en) der Worte zu erklären. Sondern ich wollte erleben, wozu mich die Worte inspirieren würden.“

Das erste Wort ist „Gift“.

GIFT

Mein Herz ist kein Herz
Es ist eine grimmige Grollsuppe
Mein Blut ist kein Blut
Es fließt wie in einer Zeitlupe
Allein die Tinte aus deinem liebevollen Stift
Dein Wort, deine Stimme, deine Art, deine Schrift
Sind mir Erquickung, Hoffnung und Gegengift.

„Obwohl das englische Wort Gift gleich buchstabiert und ausgesprochen wird, wie das deutsche, könnten die Bedeutungen der zwei Worte kaum unterschiedlicher sein. Irgendwie. (Außer natürlich, dass zu viel von allem schädlich ist).“

 GIFT

Give me you.
Before you begin to wonder
What you are, remember
That each star and each season
Is nature’s gift for a reason
And you, dear spirit, your blossoming heart
Is spirit’s gift to the gift of art
It is the art of being you.

„Wenn jemand, der in beiden Sprachen beheimatet ist, unvorbereitet mit diesem Wort – Gift – konfrontiert wird – ohne Kontext oder Zusammenhang – an was denkt er wohl als Erstes, Gift oder Geschenk? Außerdem habe ich in beiden „Gift“-Gedichten ein anderes Wort einfließen lassen, welches – genau wie Gift – in beiden Sprachen gleich aussieht und sich anhört, aber in jeder eine andere Bedeutung hat. Also Art und Art sind nicht gleichartig.

Mich fasziniert, wie Worte ein Eigenleben zu haben scheinen und tatsächlich haben. Jedes Wort erzeugt durch seinen Laut als auch durch seine Bedeutung oder Bedeutungen lebendige Bilder, Welten von Wahrnehmung, im Hörer oder Leser. Nicht selten entsteht das Gedicht aus dem Wort, einem bestimmten Wort, irgendeinem Wort, einem kleinen anscheinend unbedeutsamen Wort, das sich irgendwo im fertigen Gedicht versteckt. Oft liest man darüber hinweg ohne zu merken, dass dieses Wort die Seele und tragende Säule des gesamten Gedichtes ist. Vieles könnte man nachträglich an dem Gedicht ändern, ohne das Gedicht zu verlieren. Aber lässt oder wechselt man dieses eine kleine versteckte unbedeutsame Wort aus, bricht das ganze Gedicht in sich zusammen.“

Das zweite Wort ist „warm“.

WARM

There is something about Christmas
Even in places where it is cold, it is warm
Those without electricity bring light to each other
Drought and famine cannot destroy the bread of life
War will not make us forget that we are one human family
And the rich will not be happier than the poor –
There is a light that brought warmth upon this earth
If the cold of loneliness grips your heart this year
May Christmas touch you and make you warm.

„Bei diesem Wort ‚warm‘ ist das Phänomen anders. Es wird in beiden Sprachen auch gleich buchstabiert, aber obwohl es in jeder Sprache anders ausgesprochen wird, hat es beiderseits die selbe, mehrseitige Bedeutung.“

WARM

Warm und vertraut war es einst zwischen ihnen gewesen
Und vor allem menschlich, bodenständig, genügsam
Dann trennten sich ihre Wege und, wie es so häufig ist,
Ihre Wesen und Charakter auch, ohne dass sie es merkten
Denn sie blieben in Kontakt. Als sie sich nach Jahren wieder trafen
Hörte die eine entfremdet und verwirrt zu, wie die andere
Von Materialismus gefüllt, erfüllt und getrieben
Nur noch von Haben und Besitz und Vergleichen sprach
Und erst als sie fragte, wo denn ihre alte Freundin geblieben sei
Lösten sich Schmerztränen, doch sie wurden sich nie wieder warm.

„Ich finde, dass Sprache etwas sonderbares ist. Körpersprache. Gebärdensprache. Augenkontakt. Gesprochenes. Geschriebenes. Jede Form der Kommunikation. Es ist egal, welche oder wie viele Sprachen ein Mensch spricht. Wichtig ist nur, was man preis gibt.“

P1140252 (Large)http://akateraka.wordpress.com/
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Facebook: https://www.facebook.com/AkaTeraka7

 

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Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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