Neue Reportage „Es war ja nur ein Hund!“

PACMADen heutigen Welthundetag wird er nicht mehr erleben: Der Vierbeiner der spanischen Ebola-Patientin ist tot. Eine Geschichte über verfehlten Aktionismus und ein unfähiges staatliches Gesundheitssystem.

Excalibur, der Hund der an Ebola infizierten spanischen Krankenschwester, ist tot. Rechtsanwälte, Tierärzte, die spanische Tierschutzpartei PACMA, Aktivisten, tausende Tweeds bei Twitter und fast 400.000 Unterschriften auf Change.org, der führenden Internetplattform für soziale Veränderung, konnten das Drama nicht aufhalten.

Auch wenn Ministerpräsident Mariano Rajoy mit dem Satz „Das spanische Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt“ jegliche Kritik zurückweist und auch die spanische Gesundheitsministerin Ana Mato sich keiner Schuld bewusst ist, zeigt der Fall Excalibur deutlich, wozu verfehlter Aktionismus führt. Ein Sündenbock war schnell gefunden: Der Hund der Krankenschwester musste beseitigt werden muss.

Wie kann es sein, dass die Gesundheitsministerin Ana Mato Hunde mit Flughunden verwechselt, die die tatsächlichen Überträger von Ebola sind?

Am Mittwoch herrschte in ganz Spanien der Ausnahmezustand. PACMA, Tierärzte, Rechtsanwälte und Aktivisten protestierten, um Excalibur zu retten, doch scheiterten sie an der Inkompetenz der spanischen Behörden. Diese schreckten weder davor zurück, die Falschmeldung, dass der Hund an Ebola erkrankt ist, zu verbreiten, noch davor, zu behaupten, es hätte keine Möglichkeit der Quarantäne gegeben.

Tierarzt Carlos Rodríguez, der von Javier Limón, dem Ehemann der Krankenschwester, den Hund rechtmäßig übernommen hatte, brachte es in einer Fernsehdiskussion auf den Punkt: „Es ist beschämend, dass ein Hund für die Fehler des maroden spanischen Gesundheitssystems bezahlen muss.“

José Enrique Zalvidar, ein auf Infektionskrankheiten spezialisierter Facharzt, betonte, dass die Wissenschaft eine große Chance verpasst habe, um etwas über die Mensch-Tier-Übertragung von Ebola zu erfahren. Eine Blutprobe hätte dazu ausgereicht.

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch verbrachten die Tierschutz-Aktivisten vor dem Gebäudekomplex in der Avenida del Pinar von Alcorcón, eine halbe Autostunde von Madrid entfernt. Sie wollten verhindern, dass das Tier unbeobachtet abgeholt werden konnte. Anwohner unterstützten die Proteste und brachten Decken und Essen. Pressevertreter von Zeitung und Fernsehen kamen die ganze Nacht hindurch. Am Mittwoch, als Aktivisten ein Interview gaben, schlug die Polizei zu, und löste die Versammlung unter Androhung hoher Geldstrafen auf. Die Unterstützer vor Ort posteten in allen sozialen Netzwerken Fotos von dem Vierbeiner auf dem Balkon als Zeichen dafür, dass er noch lebt.PACMA2

Tageszeitungen berichteten laufend, natürlich regierungskonform. Es dauerte schließlich Stunden, bis sich die Behörden einigten, wer denn die Tür der Wohnung öffnen kann: Die nationale Polizei, die kommunale Polizei oder die Feuerwehr. Schließlich haben Beamte gegen 18.30 Uhr das Gebäude mit dem getöteten Hund verlassen. Aktivisten wurden von der Polizei verdrängt, ein junger Mann sogar von ihr verprügelt. Er kam ins Krankenhaus. Die sterblichen Überreste von Excalibur wurden verbrannt.

„PACMA wird alle rechtlichen Möglichkeiten untersuchen, um den Fall vor Gericht zu bringen“, sagt Bloggerin Martina Szyska von SOS Galgos. Sie steht in engen Kontakt mit der spanischen Tierschutzpartei. „PACMA wird weiterhin für die Tiere arbeiten, für alle ‚Excaliburs‘ und denen eine Stimme geben, die keine haben. Der Fall wird die nächsten Wahlen beeinflussen, denn die führende Partido Popular PP steht ab jetzt auch für Grausamkeit, Unmoral und wissenschaftliches Fehlverhalten.“

Die Geschichte dieses Hundes ist ein Paradebeispiel für das Krisenmanagement der spanischen Regierung und der Misswirtschaft des nationalen Gesundheitssystems. Sie steht für eine korrupte Regierung, die bevorzugt öffentliche Gelder in den Stierkampf investiert als in die sozialen Angelegenheiten ihres Volkes.

„Die infizierte Krankenschwester wurde falsch und zu spät behandelt. Es ist allzu offensichtlich, dass das Töten von Excalibur vom Versagen des spanischen Gesundheitssystems ablenken soll. Die verantwortlichen Politiker sind durch ihre Handlungsunfähigkeit eine Gefahr für die gesamte spanische Bevölkerung.“
Martina Szyska

Gesundheitsministerin Ana Mato wird zum Rücktritt aufgefordert, nicht nur von aufgebrachten Aktivisten.

„Es war ja nur ein Hund“, zeigen sich die nationalen Behörden unbeeindruckt. Unterschätzen sollten sie den Fall Excalibur lieber nicht.

Fotos: PACMA

Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
Dieser Beitrag wurde unter Reportagen, Tierschutz abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Neue Reportage „Es war ja nur ein Hund!“

  1. baileyvally schreibt:

    Das war einfach nur absolut unnötig. Ganz schrecklich! R.I.P. Excalibur

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s