Gastautor Frank Braun: Zartbitter-Schokolade – Nicht für jeden ein Genuss!

Der von der Fairtrade-Stadt Nürnberg mit einem Bäcker entwickelte erste Bio-fair-regionale Lebkuchen. Foto: Frank Braun

Der von der Fairtrade-Stadt Nürnberg mit einem Bäcker entwickelte erste Bio-Fair-Regionale Lebkuchen. Foto: Frank Braun

„Schmutzige Schokolade“, so lautete der Titel einer zweiteiligen Reportage des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Kein schöner Gedanke, denn gerade jetzt in der Adventszeit dürfte es wohl keinen Haushalt geben, in dem die Schokolade nicht ein täglicher Gast ist und sei es nur hinter dem Türchen des Adventskalenders.

Wir Europäer essen 1,5 Millionen Tonnen Schokolade im Jahr. Jeder Deutsche isst durchschnittlich 11 Kilo Schokolade jährlich. Basis für eine gute Schokolade ist die Kakaobohne. Einer der großen Kakaoproduzenten ist die Elfenbeinküste. Gerade dort ist Kinderarbeit leider aber immer noch gängige Praxis, obschon es auch dort Gesetze gibt, die Kinderarbeit verbieten. Und um es klar zu stellen, wir sprechen hier nicht von Kindern, die bei ihren Eltern auf dem Hof mitarbeiten, sondern von Kindern, die aus ihren Dörfern, vorwiegend in Mali, verschleppt und versklavt werden.KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAMehr als 40 Prozent des weltweiten Kakao-Umsatzes werden über die Elfenbeinküste abgewickelt. Alle großen Schokoladenhersteller haben hier eine Vertretung: Nestlé, Cargill, ADM, Kraft Foods oder Barry Callebaut.

Der Weg der Schokolade beginnt auf den Kakaoplantagen. Nach der Ernte werden die Bohnen getrocknet und an die Exporteure verkauft. Für 1 Euro das Kilo verkauft der Bauer seine Kakaobohnen. Der Exporteur verkauft die gleiche Menge für 2 Euro. An den Börsen in Europa ist diese Menge dann bereits 2,50 Euro wert. Die Schokoladenfirmen verarbeiten die Kakaobohnen in Kakaobutter und Kakaopulver. Aus einem Kilo Kakao, für das der Bauer einen Euro erhält, produziert der Schokoladenproduzent circa 40 Tafeln Schokolade.

Wie so oft verbleibt also auch bei der Produktion von Schokolade kaum etwas beim Erzeuger des Rohstoffes. Und genau da liegt die Wurzel des Übels, wenn wir über ausbeuterische Kinderarbeit sprechen. Die Hauptursache für Kinderarbeit ist immer noch die Armut der Eltern. Der beste Weg, um Kinderarbeit zu verhindern ist daher, Eltern ein Einkommen zu bezahlen, mit dem sie die Existenz ihrer Familie, die Schulbildung und die Gesundheitsversorgung für sich und ihre Kinder sichern können. Wohl niemand hierzulande will mit dem Kauf seiner Schokolade Kindersklaverei unterstützen. Aber leider ist es der Schokolade nicht anzusehen, unter welchen Umständen der Kakao angebaut wurde.

Nur die Siegel des Fairen Handels und die Bio-Siegel garantieren Genuss ohne Nebenwirkungen.

Es gibt nur einen Weg, wie Sie sicher sein können, dass Ihre Schokolade nicht auch durch Kindersklaven hergestellt wurde und das sind die Bio- und Fairtrade-Siegel. Alle gängigen Siegel schließen ausbeuterische Kinderarbeit auf ihren Plantagen aus. Klar, auch hier wird es schwarze Schafe geben, das lässt sich wohl leider nicht vermeiden. Aber in der großen Mehrheit stehen hinter diesen Siegeln Firmen, die aus Überzeugung handeln. Seit 2008 haben eigentlich alle großen Schokoladenproduzenten, auch die konventionellen, versprochen, keinen Kakao von Plantagen zu kaufen, auf denen Kinderarbeit stattfindet.

Ich glaube dieses Versprechen aber nur bei Bio- und Fairtrade-Produkten, denn hier finden regelmäßige Kontrollen statt. Gerade auch, weil die dort bezahlten Preise für den Kakao den Landwirten mehr Spielraum lassen, Lohnarbeiter zu fairen Arbeitsbedingungen einzustellen – und wie oben ja schon erwähnt, ist die Armut der Eltern die Hauptursache für Kinderarbeit.

Warum, wenn wir denn alle keine Produkte aus Kinderarbeit kaufen wollen, gibt es diese überhaupt?

Diese Frage stellt sich. Ganz einfach: Die Konzerne müssen ihren Aktionären jährlich höhere Gewinne und Umsätze nachweisen, die Konsumenten erwarten stabile, wenn nicht gar beständig sinkende Preise, und die Schnäppchenjagd ist auch in Deutschland eines unserer liebsten Hobbies. Nur wenn wir konsequent beim Einkauf zeigen, dass nicht nur der Preis für uns entscheidend ist, wird es solche Auswüchse nicht mehr geben.

Warum also nicht gleich jetzt zur Adventszeit beim Einkauf von Nikolaus und Co. anfangen? Könnte es eine bessere als die Advents- und Weihnachtszeit geben, um mit gutem Vorsatz selbst einen kleinen Beitrag zu leisten, dass diese absurden Auswüchse unseres Wirtschaftssystems der Vergangenheit angehören? Ich denke, Sie werden mir sicherlich alle zustimmen, dass es sich lohnt, hier gerade in der Adventszeit ein kleines Zeichen zu setzen.

Autor: Frank Braun, Eine Welt Netzwerk Bayern e.V.

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Eine Antwort zu Gastautor Frank Braun: Zartbitter-Schokolade – Nicht für jeden ein Genuss!

  1. leonieloewin schreibt:

    Sehr interessanter Artikel – Danke. LG Leonie

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