Springen. Einfach so. Den Rausch des Fallens erleben. Wie damals bei meinem Bungee-Jump in Neuseeland. Noch einmal. Nur noch einmal. Das hatte ich vor. Im Sommer vor zwei Jahren. Doch es kam alles anders als gedacht.
Einmal im Leben sollte jeder einen Zehnmeterturm hinaufsteigen und sich dann ganz tollkühn, oder auch weniger tollkühn in die Tiefe stürzen. Kaum ein Sommerspaß bleibt so unvergesslich. Und ich hatte ihn in meiner Jugend verpasst, einfach verpasst.
Denn es geht um den Rausch der Tiefe beim Turmspringen. Aus zehn Metern Höhe hinunter ins Wasser, einfach so. Das muss toll sein. Dachte ich. Hineintauchen und die Schwerkraft spüren, die einen unter die Wasseroberfläche zieht. Und wie ein Fisch oder ein Delphin oder eine Nixe wollte ich mich dann wieder nach oben drehen, mich vielleicht vom Grund abstoßen und mit einem glücklichen Lächeln an die Wasseroberfläche gelangen. Dann langsam an den Rand schwimmen, sich lässig nach oben ziehen, die Tropfen aus den Haaren schütteln und sich am Beckenrand in die Sonne legen. So hatte ich es mir vorgestellt. Jahrelang habe ich die tollkühnen Mädels und Kerle beobachtet, die oben standen und einfach sprangen. Und es sollte mal mein Sprung werden. Diese riesige Freude spüren, und das Erlebnis, das man nie wieder vergessen wird. Ein Leben lang.
Ich bin nicht allzu sportlich und wollte spüren, was Herausforderung und Überwindung bedeutet. Ich kletterte mehrere Leitern hinauf bis ich ganz oben stand, mich langsam vorwagte zum Rand des Abgrunds. Ich atmete tief ein, schaute nach unten, wo das Wasser lockte und niemand wirklich erwartete, dass ich tatsächlich sprang. Ich wollte über mich hinausgehen oder hinausspringen, wollte etwas schaffen, das nur mir gehört und das nicht jeder schafft. Ich musste nur einfach nach vorne springen, nicht nach unten. Weil man sonst leicht umkippt und mit dem Rücken unten aufknallen kann. Das hatte ich gehört. Auch, dass man die Arme ausstrecken soll, damit man wie ein Spaten einsticht und dadurch den Eintauch-Abprall etwas abmindert.
Ich stand immer noch am Rand des Abgrunds, blickte in die unendliche blaue Tiefe. Jetzt! Sei kein Feigling, dachte ich mir. Doch, ich war einer! Denn ich konnte nicht springen. Ich drehte mich um, so enttäuscht und kletterte eine Leiter tiefer wieder auf die Plattform. Jetzt oder nie. Dann sprang ich. Von 7,5 Meter. Zum ersten Mal in meinem Leben. Irgendwie war der Sprung doch nicht so perfekt wie ich dachte. Ich knallte mit dem Steißbein auf die harte Wasseroberfläche, und prellte mir die Arme, die ich ausstreckte.
Aber es war auszuhalten. Ich war glücklich. Das nächste Mal zehn Meter! Na, klar! Morgen, übermorgen, nächste Woche. So dachte ich. Doch es kam alles ganz anders. Nicht mehr in diesem Sommer. Dafür aber im Nächsten. Das hatte ich ganz fest vor! Dann, im Winter, hatte ich einen schweren Treppensturz. Das war’s dann, über ein Jahr dauerte es, bis mein Rücken kuriert war. Jetzt ist wieder Sommer, alles ist gut, ich könnte springen. Doch ich traue mich nicht mehr. Rien ne va plus.
PS: Nur wenn der Turm fünf Meter hoch ist, ist es überhaupt Turmspringen. Falls der Absprungpunkt bloß ein wippendes Brett ist, dann ist es nichts anderes als „ins Wasser hüpfen“!!
Fotos: Enric Boixadós






Ging mir vor vielen Jahren sehr ähnlich . Aus dem 10ner wurder der 7,5 Meter Turm. Und dann war ich nie wieder oben….
Ha, Leonie, da sind wir uns ja sehr ähnlich. Kaum zu glauben, dass es jemanden genauso ging wie mir! Ist ja klasse!
LG
Sabine
Klasse Leistung, liebe Sabine. Ich würd nicht nicht trauen, auch nicht vom 7,5…
Ganz liebe Grüße
Steffi 🙂
Liebe Steffi, jetzt würde ich mich auch nicht mehr trauen, aber vielleicht nächstes Jahr wieder, hihi! Das sind dann so Phasen, die kommen und gehen …
… ich weiß genau, wie sich das anfühlt, wenn man da ganz oben steht … mein magen fühlt es heute noch …
Interessant, dass es Dir auch so ergangen ist, liebe Susanne. Da haben wir was gemeinsam. Irgendwie bereue ich es heute, dass ich damals den Sprung nicht gewagt habe. Aber naja! Kann man nichts machen. Dir eine schöne Woche. LG Sabine