Ein eigenwilliger Dorfkater, ein fetter Hund, literarische Postkarten und eine italienische Tragödie

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Ein Lese-Donnerstag für Katzenfans? Nicht nur! Auch wenn die Bücher mit der großen Schrift und den wundervollen Illustrationen von Quint Buchholz nach Bilderbüchern aussehen: Nero Corleone kann süchtig machen. So ging es mir jedenfalls nach der Lektüre des ersten Bandes.

„Nero“ nennen sie den kleinen Kater auf dem italienischen Bauernhof, weil er ganz schwarz ist. Nur die rechte Vorderpfote ist weiß. Nero fürchtet sich vor nichts und niemand, nicht einmal vor Robert und Isolde, dem deutschen Ehepaar, das in den Ferien das Häuschen auf dem Hügel bewohnt. Und weil er meint, das Zeug zu einem Chef zu haben, beschließt er, den Hof zu verlassen, um mit den beiden nach Köln am Rhein zu gehen. Dort tobt das wahre Leben! Um Neros Umzugspläne ging es also im ersten Band.

Und in der nächsten Folge erfahrt Ihr, wie es weitergeht: Isoldes Sehnsucht nach ihrem einzigartigen Kater Nero lässt sie nicht zur Ruhe kommen, seit sie ihn damals in Italien zurücklassen musste. Kurzentschlossen fährt sie wieder in das kleine Dorf und hält Ausschau nach dem geliebten Viebeiner. Doch zunächst ist nichts von ihm zu sehen. Aber Katzen sind eben unberechenbar, und so wartet Isolde auf ihren Liebling. Trost spendet ihr einzig Katzendame Elsa, die sich selbstbewusst auf dem Sofaplatz Neros breitmacht. Und kaum ist eine neue Katze aufgetaucht, zeigt sich auch Nero Corleone wieder. Doch in Isoldes Herz ist genug Liebe da, auch für zwei!

Ich erinnere mich, dass ich schon einmal ein Tierbuch von Heidenreich gelesen habe. Ist schon ein paar Jahre her, aber gute Bücher vergisst man bekanntlich nie. Darin ging es um Oblomow, Rudolf Nurejews Hund und seine ganz besondere Freundschaft zu Schriftsteller Truman Capote, der ihn einst „fett und hässlich“ nannte. Naja, Schwamm drüber! Oblomow ist nicht nachtragend. Und wie es dazu kommt, dass der Vierbeiner schließlich das Grab mit Nurejew teilt, wenn auch nur den Fußbereich, erfahrt Ihr in dem Büchlein. Zu dieser Erzählung hat Illustrator Michael Sowa reizende Bilder gezeichnet.

Elke Heidenreich/Quint Buchholz: Nero Corleone. Eine Katzengeschichte, 88 Seiten, 15 Euro

Elke Heidenreich/Quint Buchholz: Nero Corleone kehrt zurück, 80 Seiten, 15 Euro

Elke Heidenreich/Michael Sowa: Nurejews Hund oder was Sehnsucht vermag, 48 Seiten, 8 Euro

Reisen im Kopf beschreibt wohl dieses Buch am besten. Es geht um Ansichtskarten, genau gesagt, um 25 davon. Diese stehen hier für 25 Geschichten, die sich alle um das Reisen drehen und geschrieben sind von Autorinnen und Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur. Begleitet sie einfach ein Stückweit, nehmt den Weltatlas und die Lupe und schaut Euch all diese besonderen Plätze unserer Welt genauer an. Es lohnt sich, denn zu Corona-Zeiten ist jeder Ort gleich doppelt so weit weg.

Hanna Hesse (Herausgeberin)/Jörg Hülsmann (Illustrator): Ansichtkarten. 25 Geschichten über das Reisen, 352 Seiten, 25 Euro.

„Canne al vento“, lautet der Originaltitel. Mit „Schilf im Wind“ ist Grazia Deledda ein weiteres Literatur-Highlight geglückt. Empfinde nur ich das so? Weil Sardinien meine Lieblingsinsel ist? Die 1936 verstorbene sardische Nobelpreisträgerin für Literatur zeichnet die großartige Landschaft, die Sitten und Gebräuche der Menschen und die Seele eines einfachen Inselvolks, ihre Religiosität und Naturverbundenheit mit solch einer kraftvollen Erzählkunst, dass sie nicht nur von Sardinienfans gerne gelesen wird. Das Bild von Italiens zweitgrößter Insel im frühen 20. Jahrhunderts ist ein ganz anderes als jenes, das wir heute von der Insel kennen. Oder doch nicht? Es gibt diese Attribute immer noch vor Ort: das karge Land, das harte Leben, verschlossene Seelen, Fatalismus und Leidenschaft. Das archaisch anmutende Drama um Schuld und Sühne zeichnet den düsteren Schatten der Vergangenheit, der auf dem Landgut der Pintors wie ein Fluch liegt. Klein aber fein, und zu Deleddas 150. Geburtstag in der Manesse-Bibliothek erschienen. Als Lektüre nicht nur während einer Sardinienreise zu empfehlen und mit 15 x 9 Zentimetern zudem leicht in jede Tasche zu stecken.

Grazia Deledda: Schilf im Wind, 448 Seiten, 25 Euro.

Genießt das Wochenende! Mit oder ohne Buch … und bleibt gesund!

Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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