Reise nach Liechtenstein

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Ich hatte nur ein Wochenende. Verreisen! Nach Liechtenstein? Warum nicht? Außerdem wollte ich schon lange mal wieder eine Freundin sehen, die ich während meiner Hongkong-Zeit kennen gelernt hatte.
Es passte einfach alles: Das Datum, das Wetter und ein bisschen freie Zeit.

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Um es gleich mal vorwegzunehmen: Liechtenstein ist ein Fürstentum, also eine Monarchie. Fürst Hans-Adam II. ist das Staatsoberhaupt und gegenüber anderen Staaten der Repräsentant des Landes. Es gibt weltweit nur zwei Fürstentümer: Liechtenstein und Monaco. Letzteres ist aufgrund der illustren Fürstenfamilie nur häufiger in den Schlagzeilen der Boulevardpresse und daher auch viel bekannter.

Die Geschichte des Hauses Liechtenstein reicht weit in das Mittelalter zurück. Die Fürstenfamilie zählt zu den ältesten österreichischen Adelsfamilien. Im Jahre 1136 wird mit Hugo von Liechtenstein erstmals ein Träger dieses Namens in den Urkunden erwähnt. Eine neue Periode der Familiengeschichte wurde 1608 eingeleitet, als Karl von Liechtenstein vom Kaiser die erbliche Fürstenwürde erhielt. Nach der Erlangung der Reichsfürstenwürde war es das Bestreben des Hauses Liechtenstein, ein reichsunmittelbares Territorium zu bekommen. 1699 erwarb Fürst Johann Adam I. die reichsfreie Herrschaft Schellenberg, 1712 kaufte der Fürst die Grafschaft Vaduz dazu.

Schloss Vaduz

Schloss Vaduz

6 Tatsachen, die man vor der Reise wissen sollte

1. FL lautet die Abkürzung für das Fürstentum, wie man es zum Beispiel auf Autoschildern sieht. Bei internationalen Sportanlässen steht LIE. Im Internet lautet die Endung .li.

2. In Liechtenstein kann man mit Euro und Dollar bezahlen. Die offizielle Währung ist der Schweizer Franken.

3. Man spricht deutsch.

4. Die Hauptstadt ist Vaduz. Liechtenstein ist ein Binnenland und hat weder Flugplatz noch Hafen. Es grenzt an die Schweiz und Österreich. Die größeren Flughäfen in der Nähe sind Zürich und München. Der Alpenstaat hat eine Fläche von nur 160 Quadratkilometer, eine Länge von 24,5 und eine Breite von 12,3 Kilometer.

5. Liechtenstein ist bekannt als stabiler Finanzplatz mit einem hohen Lebensstandard. Im Vergleich zu den Nachbarländern – außer der Schweiz – sind die Preise sehr hoch.

6. Die Einwohner sind gesellig. Von den rund 36.000 Liechtensteinern gehören 45 Prozent einem Verein an.

7 Tipps für die Reise

1. Übernachtung

Hotel und Restaurant Sonnenhof in Vaduz (exklusiv)
Jugendherberge in Vaduz (neu renoviert, gute Lage)
Kloster St. Elisabeth in Schaan, einem Vorort von Vaduz (preisgünstig)

Stadtzentrum Vaduz

Stadtzentrum Vaduz

2. Veranstaltungen

Sommer
Life-Festival in Schaan mit internationalen Stars, wie Seal, Sunrise Avenue, Al Jarreau.

Jazz & Blues im Hof in Vaduz (Eintritt kostenlos)

Filmfest in Vaduz

Beach-Volleyball in Vaduz mit bekannten Teams

Winter
Eislaufbahn inmitten der Fußgängerzone

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3. Museen in Vaduz

Landesmuseum, das sich auf die Geschichte des Fürstentums spezialisiert.

Kunstmuseum mit Wechselausstellungen und Exponaten aus der Kunstsammlung des Fürsten. Es wurde aus Mitteln privater Geldgeber finanziert und dem Staat 1996 geschenkt.

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4. Schloss Vaduz

Der Sitz der Fürstenfamilie ist nicht öffentlich zugänglich. Allerdings wird jährlich am 15. August der Schlosspark geöffnet. Der Fürst zeigt sich volksnah und begrüßt jeden – wer will – mit Handschlag.

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5. Wanderungen

Gafadura-Hütte, Brotzeit und Übernachtung, ca. 3 bis 4 Stunden (einfach)
Dreischwestern-Massiv mit Gipfelkreuz (anspruchsvoll)
Fürstensteig (schwierig)

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6. Ausflug

Triesenbergs Besiedlung erfolgte im 13. Jahrhundert durch Walliser Bergbauern. Auch heute noch wird in der Gemeinde der Walser Dialekt gesprochen. Das Walsermuseum zeigt einen Überblick über ihre Kultur.

7. Nationalspeise

Unbedingt probieren: Tüarka-Ribel (Maisgericht) und Käsknöpfle (Pasta mit kräftigem Käse). In Liechtenstein gibt es darüber hinaus vier Restaurants, die Gault-Millau 2012 mit hohen Punktzahlen ausgezeichnet hat.

Regierungsgebäude in Vaduz

Regierungsgebäude in Vaduz

 

 

 

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Glücklich mit Yoga

Wie einige von Euch wissen, war ich vor zwei Wochen auf einem Retreat. Yoga- und Meditation pur! Seitdem war mein Leben als Journalistin wieder richtig busy. Doch wie kann ich nun die erlernte Gelassenheit und Stille in den Alltag retten? Nicht immer, aber zumindest ab und zu mal! Ich bin auf folgendes Buch gestoßen, das mal nicht von einem bekannten Verlag publiziert oder von einer berühmten Yogi geschrieben wurde.

Ehrlich gesagt, ich habe eine Schwäche für Newcomer und Nischenprodukte. Amiena Zylla ist Yoga- und Pilates-Coach in München. In ihrem Büchlein findet Ihr alles, was Ihr für das schnelle Yoga zwischendurch benötigt. Ich zumindest! Detaillierte Fotostrecken zu Körper- und Atemübungen, die Ihr jederzeit und überall anwenden könnt. Ihr müsst kein Yoga-Profi sein, um die Ratschläge umzusetzen. Liebevolle Illustrationen, kleine Denkanstöße sowie Ernährungstipps runden diesen Glücklichmacher für die Handtasche ab.

Amiena Zylla: Alles Yoga! Entspannt im Alltag & unterwegs, 128 Seiten, 12,95 Euro.

Und das Beste ist: Ihr könnt den kleinen Glücklichmacher gewinnen!

Alles_Yoga-Cover-groß (Large)Schreibt einfach in einem Kommentar bis Sonntag, 24. August, warum Ihr das Yoga-Buch gerne gewinnen möchtet. Alle Kommentare nehmen an der Verlosung teil. Viel Glück! Übrigens, Eure E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

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About Self Acceptance

„The matter of self acceptance is something we tend to underestimate and certainly don’t give enough attention to. But it is true that when you learn to accept yourself, you automatically realise just how powerful self acceptance can be. Before you know it you have an air of confidence you never knew to exist, you get to conquer each and every day, and you begin to achieve things you never knew you were capable of. Not just that, it all seems to come naturally.“

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Neue Reportage: Einmal richtig satt essen!

Diese Reportage erschien am 19. August 2014 im Donaukurier.

Heute ist der Internationale Tag der humanitären Hilfe. Er wurde am 19. August 2008 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Gewidmet ist er den zahlreichen Helfern in Krisengebieten, die ihr Leben für andere einsetzen. Helfern wie Leonore Küster.

Durchatmen und ein wenig Erholung ist das Wichtigste, das Leonore Küster jetzt braucht. Die Repräsentantin der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist auf Heimaturlaub. Weg vom Bürgerkrieg im Südsudan, von den Gräueltaten, von den versprochenen Friedensabkommen, die nicht eingehalten werden. Abschalten, aber nicht vergessen. Denn in wenigen Tagen geht es wieder zurück in die Wahlheimat Juba, der Hauptstadt des Südsudans.

Leonore Küster, Vertreterin der DAHW im Südsudan, besucht Leprapatienten.

Leonore Küster, Vertreterin der DAHW im Südsudan, besucht Leprapatienten.

Die Menschen nicht im Stich lassen

„Meine Mitarbeiter und die Patienten in den Projekten lasse ich nicht im Stich“, sagt die Pfaffenhofenerin während ihres Gespräches in der Zentrale der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. in Würzburg. Sie berichtet von abendlichen Ausgangssperren, plötzlichen Schießereien und Gewaltausbrüchen im ganzen Land und von der Angst, dass bald nichts mehr so sein wird wie es war. Und sie erzählt von Tereza Apen Nak, einer Leprapatientin, die sie während ihres letzten Projektbesuches in der früheren Leprakolonie Agok im Zentrum des Landes getroffen hatte. Denn Leprapatienten wie sie treffen der Bürgerkrieg und die damit verbundene Nahrungsmittelknappheit besonders schwer.

Tereza mit ihrem blinden Sohn Lawrence.

Tereza mit ihrem blinden Sohn Lawrence.

Die 57-Jährige hat in ihrem Leben nicht viel Glück gehabt. Alle drei Kinder, die sie bekam, sind blind. Kurz nach Geburt des jüngsten Kindes starb ihr Mann. Etwas später bekam die junge Frau Lepra. „Als ich erfuhr, dass Mutter Lepra hat, war das ein Schock. Für mich und meine zwei Geschwister. Wer sollte jetzt für uns sorgen?“, erzählt Sohn Lawrence. „Mutter war nach Vaters Tod ja die einzige, die sich um uns kümmerte.“ Lawrence ist als Katechist tätig und möchte den Menschen die Lehre Gottes nahe bringen. Auf freiwilliger Basis.

Mittlerweile lebt Tereza seit elf Jahren in Agok. Ihre Heimat Rumbek liegt mehrere Busstunden entfernt im westlichen Teil des Landes. „Das Leben war nie einfach für mich gewesen. Die blinden Kinder, der Tod meines Mannes, der Bürgerkrieg und die Lepra, die mich wie ein Fluch ergriff“, erzählt sie heute.

Tereza und Krankenpfleger Thomas vor ihrer Hütte.

Tereza und Krankenpfleger Thomas vor ihrer Hütte.

Mit den Kindern im Schlepptau

Sie hätte auch die Möglichkeit gehabt, die Lepra in ihrem Heimatort behandeln zu lassen. „Ich wollte weg, nur weg. Denn als ich erkrankte, wollte niemand mehr etwas mit mir zu tun haben.“ Und das war für eine Witwe wie Tereza doppelt schwer, denn sie war auf die Hilfe der Familie und Nachbarn angewiesen. „Sie wollten mich alle loshaben.“ Ihre Stimme wird lauter, sie ist noch heute über die Ungerechtigkeit verbittert, die ihr damals widerfuhr.

Von einem Tag auf den anderen machte sie sich auf den Weg: Zu Fuß, die Kinder im Schlepptau. 15 Tage war sie unterwegs, manchmal auch nur nachts, wenn es kühler war. Dann endlich erreichte sie das Leprakrankenhaus in Agok und ihr Leben ohne Diskriminierung begann. „Hier redet niemand schlecht über mich. Wir leben zusammen, Leprapatienten und Menschen, die die Krankheit nicht haben. Das ist das Beste an Agok.“ Tereza lächelt. Bereut hat sie ihre Entscheidung nie. Mittlerweile sind viele Jahre vergangen. Die Lepra wurde behandelt und heute ist Tereza geheilt. Nur die Wunde am Fuß macht ihr zurzeit zu schaffen. Deshalb bleibt sie seit ein paar Tagen auch in der Krankenstation. Tag und Nacht. „Die Wunde muss behandelt werden und verheilen“, sagt Pfleger Thomas, der sie betreut. „Das kann länger dauern.“ Ihr Lehmhaus, ein paar Kilometer vom Krankenhaus entfernt, hat sie abgeschlossen, denn auch die Kinder wohnen anderswo.

Im Krankenzimmer. Ihr Fuß muss behandelt werden.

Im Krankenzimmer. Terezas Fuß muss behandelt werden.

Lawrence lebt mit Gleichaltrigen zusammen, und die beiden anderen Kinder sind bei einer Pflegefamilie im nahen Wau untergekommen. Zwei Wünsche hat Tereza. Sie lächelt ein wenig und erzählt, dass sie regelmäßig zu Gott betet. Sie bittet ihn, dafür zu sorgen, dass alle Menschen, die so viel Gutes für sie taten, ein langes und glückliches Leben haben. Und der zweite Wunsch ist ein ganz persönlicher: Endlich einmal richtig satt essen!

Medikamente für Leprakranke.

Medikamente für Leprakranke.

Ein erneutes Friedensabkommen scheiterte am Sonntag. Die beiden Konfliktparteien konnten sich nicht einigen. Dadurch könnte die von der Gewalt verursachte Nahrungskrise im ganzen Land katastrophale Ausmaße annehmen. Erst Anfang August wurden im Südsudan sechs lokale Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ermordet. In den letzten acht Monaten mussten 1,5 Millionen Menschen ihr Zuhause verlassen, mehr als 400.000 flohen in die Nachbarländer.

Doch davon lässt sich Leonore Küster nicht aufhalten. Ihr Flugticket zurück in den Südsudan hält sie bereits in der Hand.

Fotos: Enric Boixadós

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Neue Reportage: Die Opfer von Ebola sind vielfältig

Diese Reportage erschien im August 2014 in: Mainpost Würzburg, Fränkische Nachrichten, KNA , Weltkirche.katholisch.de

In den Krisengebieten gibt es immer noch keine ausreichende Schutzkleidung.

In den Krisengebieten gibt es immer noch keine ausreichende Schutzkleidung.

Landesgrenzen sind gesperrt, Flüge werden gestrichen, bis heute gibt es knapp 1.000 Todesfälle, Tendenz steigend. Die Krankheit Ebola wütet schon seit Monaten in Westafrika. In der Hauptsache sind die Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone betroffen. Die bisher schwerste Ebola-Epidemie der Geschichte war im März in Guinea ausgebrochen und hatte sich schnell in die Nachbarländer ausgebreitet. 

Auch beim medizinischen Personal vor Ort ist die Angst groß. Erste Ärztinnen, Ärzte, Schwestern und Pfleger haben sich bereits bei ihren Patienten angesteckt. Eva-Maria Schwienhorst, Ärztin und Mitarbeiterin des Würzburger Hilfswerkes DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V., war gemeinsam mit Professor August Stich, Leiter der Tropenmedizin im Missionsärztlichen Institut Würzburg (Missio) und DAHW-Vorstandsmitglied, vor Ort. Eine Woche haben sie die Lage im Serabu Community Hospital in Sierra Leone untersucht und Trainings für die Mitarbeiter durchgeführt. Es ist eines der Krankenhäuser, in dem deutsche Mediziner der German Doctors arbeiten. Mit ihnen hat das Würzburger Missio einen Kooperationsvertrag.

Dr. Eva-Maria Schwienhorst bei ihrem Einsatz in Sierra Leone.

Dr. Eva-Maria Schwienhorst bei ihrem Einsatz in Sierra Leone.

Gesundheitsversorgung in Gefahr

„Die Opfer von Ebola sind vielfältig“, beschreibt die Würzburgerin die momentane Lage. Die meisten Opfer der Epidemie werden schwangere Frauen und Kinder sein, die aber nicht an Ebola sterben, sondern am Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung. Und das in einem Land mit einer der weltweit höchsten Mütter- und Kindersterblichkeitsrate.

Zum einen schließen viele Gesundheitseinrichtungen, weil ausländische Mediziner abgezogen werden und einheimisches Personal wegen Mangel an Schutzmaßnahmen Angst vor Infektion bei der Arbeit mit Patienten hat. Zum anderen fürchten sich die Menschen vor einer Ansteckung in den Krankenhäusern und suchen diese bei Geburtskomplikationen oder mit kranken Kindern nicht mehr auf. So schätzt man, dass die Zahl der zusätzlichen Todesfälle ein Vielfaches der direkt an Ebola Sterbenden beträgt, vor allem in der Regenzeit, wo viele Kinder Malaria nicht überleben.

Kein Ebola-Verdacht. Das Kind wird auf die normale Kinderstation verlegt.

Kein Ebola-Verdacht. Das Kind wird auf die normale Kinderstation verlegt.

Besonders tragisch ist der kürzliche Tod von Sheik Umar Khan. Der Virologe und Ebola-Experte aus Sierra Leone hatte sich in seinem Heimatland mit dem Virus infiziert und ist nun selbst an der Krankheit gestorben. Der US-Arzt Kent Brantly, der für eine christliche Hilfsorganisation arbeitet, lag schwer erkrankt auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Er wurde mittlerweile in die USA ausgeflogen.

Die Ansteckungsgefahr sei bei sterbenden und gerade verstorbenen Ebola-Patienten am größten. Viele Patienten haben sich bei Beerdigungen angesteckt. Die Waschung der Verstorbenen übernehmen in der Regel Familienangehörige, die teilweise von weit entfernt anreisen. Hinzu kommen die kulturellen Barrieren und das Schamgefühl. Denn wenn eine Person erkranke, würde sie aus Angst vor dem Tod und einer nicht im Familienkreis stattfindenden Beerdigung oft nicht öffentlich auf ihre Lage hinweisen und auch nicht ein Krankenhaus aufsuchen wollen.

Das Krankenhauspersonal macht sich bereit zum Screening aller ankommenden Patienten.

Das Krankenhauspersonal macht sich bereit zum Screening aller ankommenden Patienten.

Jeder ankommende Patient wird nach Symptomen befragt.

Jeder ankommende Patient wird nach Symptomen befragt.

Traditionelle Dorfführer und Heiler einbinden

In einem Dorf seien Mediziner in Schutzanzügen mit Steinen beworfen worden, da die Bewohner Angst hatten, sich bei ihnen mit dem Virus anzustecken. Um die Epidemie einzudämmen ist dringend die Aufklärung der Bevölkerung erforderlich. Doch 70 Prozent der Einwohner sind Analphabeten, das heißt, sie sind auf mündliche Informationen angewiesen. „Viele der Erwachsenen und Entscheidungsträger heute gehören zu einer Generation, die aufgrund des langen Bürgerkrieges keine Schulbildung erhielten, zudem gab es noch nie ein gut funktionierendes Gesundheitssystem in Sierra Leone“, erklärt Schwienhorst. „Dass die lokale Bevölkerung kein Vertrauen in vermummte Gestalten hat, die ihre kranken Familienmitglieder aus den Hütten holen und oft genug nur in Leichensäcken zurückbringen und ihnen auch traditionelle Bestattungsriten verbieten, liegt auf der Hand. Deshalb ist es unabdingbar, traditionelle Dorfführer und Heiler in die Maßnahmen mit einzubinden.“

Training des Anziehens der Schutzkleidung. Im Ernstfall müssen alle Öffnungen luftdicht abgeklebt werden.

Training des Anziehens der Schutzkleidung. Im Ernstfall müssen alle Öffnungen luftdicht abgeklebt werden.

Die 33-jährige Würzburgerin steht auch heute noch im Kontakt mit dem Krankenhaus in Serabu. Die Organisation German Doctors hält dort die medizinische Versorgung für die Bevölkerung aufrecht, während viele andere Krankenhäuser in Sierra Leone geschlossen sind. Zum Glück gibt es dort noch keine Ebola-Fälle.

„Doch das kann sich jederzeit ändern“, betont die Mutter einer fünfjährigen Tochter. DAHW-Repräsentant Dr. Pieter de Koning arbeitet im liberianischen Ganta. Er profitiert von den Maßnahmen, die Mediziner von DAHW und Missio erarbeiten. „Überlebensnotwendig sind sowohl ein Notfallplan zum Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen und Maßnahmen zum Schutz des Personals, wie allgemeine Hygiene- sowie Barriere-Maßnahmen und die richtige Schutzkleidung. Bis jetzt gibt es zum Glück noch keinen bestätigten Verdacht in unserem Krankenhaus in Ganta, in einem anderen Krankenhaus der Stadt jedoch schon.“

Hygienemaßnahmen durch Chlor-Desinfektion vor dem Krankenhauseingang.

Hygienemaßnahmen durch Chlor-Desinfektion vor dem Krankenhauseingang.

Dass die momentane Situation jederzeit außer Kontrolle geraten kann ist klar. Solange sich die Epidemie weiter ausbreitet, müssen Schutzvorkehrungen strikt eingehalten werden. Doch das ist nicht leicht in einer Region, deren Infrastruktur durch jahrelange Bürgerkriege sowie Korruption, die auch noch durch den Abbau und Export der Rohstoffe für die Industrienationen geschürt wird, brach liegt.

Fotos: Eva-Maria Schwienhorst (6), August Stich (1)

 

 

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In Heidelberg – Dichtern und Denkern auf der Spur

L1160016 (Large)Reisejournalistin und Bloggerin Cornelia Lohs zeigt mir ihre Heimatstadt Heidelberg. Ich war schon seit Jahren nicht mehr in der baden-württembergischen Universitätsstadt mit der ältesten Hochschule Deutschlands. Umso mehr genieße ich die sehr persönliche Stadtführung mit ein 15 Tipps, die nicht in jedem Reiseführer zu finden sind.

1. Heidelberger Schloss

Das Heidelberger Schloss ist eine der berühmtesten Ruinen Deutschlands und das Wahrzeichen der Stadt. 1689 und 1693 wurde das Heidelberger Schloss nach Zerstörungen durch die Soldaten Ludwigs XIV. nur teilweise restauriert. Die Schlossruine erhebt sich 80 Meter über dem Talgrund am Nordhang des Königstuhls und dominiert von dort das Bild der Altstadt.L1160025 (Large)2. Alte Brücke

Die Karl-Theodor-Brücke, besser bekannt als Alte Brücke, ist eine Brücke über den Neckar in Heidelberg. Sie verbindet die Altstadt mit dem gegenüberliegenden Neckarufer am östlichen Ende des Stadtteils Neuenheim. Sie wurde 1788 unter Kurfürst Karl Theodor als insgesamt neunte Brücke an dieser Stelle errichtet.L1160028 (Large) L1160018 (Large)3. Brückenaffe

Der Affe, eine Bronzeplastik aus dem Jahre 1979, ist eine Figur aus der Fabelwelt.
Er wurde – wie schon sein Vorgänger – mit einem Spiegel ausgestattet, den er dem Menschen vor Augen hält. Die Figur erlaubt dem Beschauer, „sich selbst zu äffen“, indem er seinen Kopf in den des Affen hineinstecken kann.L1160013 (Large) L1160014 (Large)4. Brückentor

Das Heidelberger Brückentor existiert seit dem Mittelalter. Ursprünglich waren die beiden 28 Meter hohen Doppeltürme am Südende der Alten Brücke Teil der Stadtbefestigung. Am Tor entrichteten Auswärtige einen Brückenzoll, um anschließend die Stadt betreten zu können. Im Verteidigungsfall wurde ein Falltor herunter gelassen. Im westlichen Turm befanden sich Kerkerräume. Hier wartete der Räuber Hölzerlips auf seine Hinrichtung, die wegen des Überfalls auf eine Postkutsche am 31. Juli 1812 vollstreckt wurde.

Im Torbogen wohnte nach dem 2. Weltkrieg der Architekt und Kunsthistoriker Rudolf Steinbach. Er war am Wiederaufbau der Ende des Krieges von deutschen Truppen gesprengten Alten Brücke beteiligt und baute als Mieter der Stadt den Turm kostenlos als Wohnung aus. Seine Turmfeten waren gesellschaftliche Höhepunkte im Leben der Altstadt.

Sein Nachmieter war der Publizist und Schriftsteller Gert Kalow. Für ihn war die Turmwohnung ein „Luftschiff der Freude“. Der ehemalige Student der Philosophie und Soziologie empfing hier viele prominente Gäste, zu denen unter anderem Heinrich Böll, Hilde Domin und Hans-Magnus Enzensberger zählten.L1160012 (Large)5. Philosophenweg

Seine Bezeichnung verdankt der Philosophenweg vermutlich den Heidelberger Studenten, die den Weg wohl schon früh als idealen Ort für romantische Spaziergänge und ungestörte Zweisamkeiten entdeckten. Die Verwendung der Worte Student und Philosoph stammt aus Zeiten, in denen jeder Studierende vor Beginn des Fachstudiums zunächst Philosophie studieren musste.L1160019 (Large) 6. Rathaus

Das historische Rathaus wurde zwischen 1701 bis 1703 errichtet.L1160010 (Large)7. Kino Gloria

Es ist das älteste Kino in Heidelberg und hat mehrfach Preise als das beste Kunstkino Deutschlands bekommen. Das Mobiliar ist aus den 1960er Jahren.L1160004 (Large)8. Café Moro

Eine typisch italienische Kaffeebar, die es in sich hat. Das Ambiente ist südländisch und die Kaffeespezialitäten sind grandios. Wer hierher kommt, geht sicherlich nicht zu Starbucks.L1160008 (Large)9. Hauptstraße

Sie ist mit 1,6 Kilometern die längste Fußgängerzone Deutschlands. Man nennt sie auch den längsten Laufsteg!

10. Gasthof zum Roten Ochsen

Historisches Studentenlokal und seit 170 Jahren im Besitz der Familie Spengel.

11. Schnookeloch

Hier gibt es traditionelles studentisches Leben seit 1703. Das Wort „Schnooke“ kommt aus dem kurpfälzischen Dialekt und bedeutet so viel wie „Witze“. 15 Verbindungen haben hier auch heute noch ihren Stammtisch, umgeben von Fähnchen und Wappen. Im hinteren Bereich befindet sich das Eichendorff-Stübchen, in dem Freiherr von Eichendorff damals seine Abende bei einem Gläschen Wein verbrachte.L1160024 (Large)12. Heidelberger Studentenkuss

Im Herzen der Altstadt liegt die älteste Chocolaterie und das traditionsreiche Café Knösel. 1863 gegründet, wurde es bald zum beliebten Treffpunkt der Heidelberger Gesellschaft.
Konditormeister Fridolin Knösel entging die heimliche Sehnsucht der jungen Leute, sich kennenzulernen, nicht. Einfallsreich, wie er war, überraschte er sie eines Tages mit einem besonders feinen Schokoladenkonfekt, das er Studentenkuss nannte. Als Präsent überreicht, war es eine Geste der Verehrung.L1160029 (Large)Fortan ließen sich süße Botschaften diskret übermitteln. Sehr zur Freude der Studenten und Mädchen, die mit dem Studentenkuss von der Erfüllung ihrer Wünsche träumen durften.L1160030 (Large)Der Studentenkuss wird noch immer nach dem Originalrezept hergestellt. Von Hand, versteht sich. Als süßes Wahrzeichen der Stadt und charmantes Souvenir erobert er immer wieder aufs Neue die Herzen.L1160035 (Large)13. Hotel Ritter

Das Hotel zum Ritter wurde 1592 von dem Tuchhändler Carolus (Charles) Belier erbaut. Es war ein Geschenk an seine Braut Franziska. Es ist das älteste Bürgerhaus der Stadt. Seine heutige Funktion als Hotel hat es erst in der jüngeren Vergangenheit erhalten, allerdings diente es schon vor 300 Jahren als Gasthaus.L1160034 (Large) 14. Studentenkarzer

Der Studentenkarzer in Heidelberg diente früher als Gefängnis für Studenten. Er geht zurück auf die Zeit, als die Universität noch eine eigene Gerichtsbarkeit über sie hatte. Damals diente ein Karzer als Gefängnis für unbotmäßige Kommilitonen. Später war das Absitzen der Zeit im Karzer ein Jux für Studenten, die stolz darauf waren, hier inhaftiert zu werden, und sich mit Namen, Konterfei und den Zeichen ihrer jeweiligen Studentenverbindung an den Wänden verewigten.L1160036 (Large)15. S-Printing Horse

Im Gegensatz zu den klaren Formen des Gebäudes der Print Media Academy wirkt das „S-Printing Horse“ auf dem Vorplatz verspielt. Mit 13 Metern Höhe, 15 Metern Länge, vier Metern Breite und 90 Tonnen Gewicht ist es eine der größten Pferdeskulpturen der Welt.

Die Skulptur ist aus Edelstahl-Elementen zusammengesetzt, die Teile einer Druckmaschine darstellen sowie einzelne Abschnitte des Druckprozesses widerspiegeln. Zum Beispiel entsprechen die Löcher im Hals den Bohrungen in den Seitenwänden einer Druckmaschine, in die die Lager der Druckzylinder gesetzt sind. Die sich drehenden Elemente an den Flanken der Skulptur spiegeln die Rotationen im Druckprozess wieder. Geschlossen wird die Prozesskette durch den Schweif des „S-Printing Horse“. Dieser besteht aus einem abstrakten Buch, welches nachts abwechselnd in den drei Druckfarben Cyan, Magenta und Yellow angestrahlt wird. Abschließend wird das Buch von einem stilisierten Gesicht angeschaut.L1160045 (Large)

 

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Am Ende – nur darauf kommt es an

SabineWEB-8001„Ich sah ihn nur einmal noch beim Umsteigen auf einem Flughafen. Er hat mich nicht gesehen. Und er war nicht anders, als all die anderen.“

Foto: Nicola Mesken

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Mut zur Trennung

Ich kenne es aus dem eigenen Bekanntenkreis. Freundinnen und Freunde lassen sich scheiden, nach Jahren ohne Worte, ohne Verständnis füreinander ist das oft die einzige Lösung. Es gibt Kinder, die der Trennung der Eltern verständnisvoll gegenüber stehen, andere sträuben sich dagegen mit allen Kräften. Oft ist es eine Altersfrage, gerade bei den Jüngsten.

„Mutig sein bedeutet nicht zuletzt, seinen eigenen Werten und Überzeugungen treu zu bleiben, zu folgen und zu ihnen zu stehen – unabhängig davon, was andere darüber denken.“

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 200.000 Ehen geschieden. Leicht passiert es, eine Trennung als gescheiterten Lebensentwurf zu sehen. Doch sie ist auch eine Chance, die positive Kräfte freisetzen kann. Das Buch zeigt, wie Mut in Trennungsphasen hilft, seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Dabei verknüpft die Autorin persönliche Erfahrungen mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Ratschlägen. Und sie plädiert dafür, der Tatsache mutig ins Auge zu blicken, nicht perfekt sein zu müssen.

„Mut zur Trennung bedeutet, das, was nicht mehr gerettet werden konnte, sondern definitiv vorbei ist, in Frieden hinter sich zu lassen.“ 

Vergangenes loslassen – weitergehen – seinen eigenen Weg finden! Das sind Kernbotschaften. Vor allem Eltern mit Kindern finden in dem Buch Anleitungen, wie es gelingt, weiterhin als Mutter und Vater gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, aber als Paar getrennte Wege zu gehen. Doch nicht nur die Autorin selbst berichtet von und über Trennungen. Zahlreiche weitere Stimmen sowohl von getrennten Partnern als auch von Wissenschaftlern zeigen, dass es keine absoluten Wahrheiten gibt und jeder auf seine Art seine ganz persönliche Trennungsgeschichte zu bewältigen hat, die jeweils einen individuellen Mut erfordert.

Fazit: Der etwas andere Ratgeber zur Scheidung, untermauert mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und begleitet von persönlichen Trennungserlebnissen – vielleicht ein Weg zur zufriedenen Nachscheidungsfamilie.

Jutta Martha Beiner: Mut zur Trennung, 176 Seiten, 15,99 Euro.

Beiner 001 (Large)Mit etwas Glück könnt Ihr das Buch gewinnen und selbst davon profitieren. Schreibt einfach in einem Kommentar bis Mittwoch, 20 August, warum Ihr den Ratgeber gerne gewinnen möchtet.

Alle Kommentare nehmen an der Verlosung teil. Viel Glück! Übrigens, Eure E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

 

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Begegnung mit mir: Erfahrungen eines Retreats

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Was für ein Wochenende! Ich war auf einem Retreat. Genau. Auf einem Retreat. Ich habe Yoga und Meditation ausprobiert. Nein, ich bin nicht sonderlich spirituell, wie viele jetzt vielleicht glauben. Überhaupt nicht! Aber ich hatte in den letzten Wochen viel gearbeitet, und fühlte mich dementsprechend müde und ausgepowert. Durch Zufall las ich von dem Angebot, das die Würzburger Glücksbringer anboten.

Ich war dabei. Wir trafen uns auf einem Waldgrundstück bei Würzburg. Gartenhaus aus Holz, Dickicht, ein Brunnen und kein Strom. Und ein paar Yoga-Plattformen mitten im Grünen. Das war´s! Kein Luxus, aber perfekt für den Rückzug!

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Insgesamt waren wir vier Teilnehmer, die meisten von uns in stressreichen Berufen tätig. Yoga-Lehrer Martin Lange kennt den Alltag in einer Firma, denn er hat selbst viele Jahre als Unternehmensberater gearbeitet. Sein Angebot ist auch deshalb ganz auf Abschalten und Ruhe ausgerichtet. Nach einem Sharing, bei dem sich jeder kurz vorstellen konnte, war der weitere Tag mit unserem Schweigen gefüllt. Für mich war das eine ganz neue Erfahrung, stundenlang nichts zu reden und auch keinen Blickkontakt zu suchen.

Wir begannen mit der Mantra-Meditation Om so Hung. Dieses Mantra soll das Herz öffnen und Kraft geben. Ich halte nicht sehr viel von den Om-Sprechgesängen, wie man sie vom Meditieren her kennt. Doch dieses Mantra war wunderschön und dauerte rund 20 Minuten.

Nach einer kurzen Ruhepause widmeten wir uns schließlich den Yoga-Übungen Sonnengruß mit einer ganzen Reihe von Übungen, Krieger 1, Krieger 2, Baum und Taube. Letztere war für mich anstrengend, da sie sehr viel Beweglichkeit erforderte. Schließlich gab ich auf.

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Unsere nächste Meditation wurde von einer ungewöhnlichen persischen Live-Aufnahme begleitet. Soley, der Sänger stammt aus dem Iran.

Danach machten wir mit den Yoga-Übungen Friedlicher Krieger, Halbes Rad, Ganzes Rad, Das Brett, Chaturanga Dandasana, Kobra, Das Dreieck und dem Drehsitz weiter.

Ein außergewöhnliches Erlebnis war unsere nächste Meditation. Martin bezeichnete sie als „Meditation für faule oder bequeme Zeitgenossen“. Denn wir saßen vor seinem iPad und sahen uns eine Meditationsübertragung aus den USA an, taten selbst also nichts außer Zuschauen.KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Anschließend fand der vorletzte und meines Erachtens schwierigste Teil der Yoga-Übungen statt: Die Kabalabathi-Feueratmung. Dabei lagen wir in der abgedunkelten Hütte auf dem Boden und atmeten in vier Intervallen von jeweils 10 Minuten schnell ein und aus, jedoch mit geschlossenem Mund. „Das ist eine Übung, bei der sich sehr schnell viele Emotionen freisetzen können“, betonte Martin. In der Tat: Eine Teilnehmerin fing an zu schluchzen.

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Nach 45 langen Minuten setzten wir uns auf, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Nach einer Pause folgte mit der Shavasana, der so genannten Totenstellung, unsere Yoga-Abschlussübung. Die letzte abendliche Meditationsübung kam live mit Sri Amma Bhagavan direkt aus Indien über Martins iPad. Das Schweigen wurde danach zwar aufgehoben, aber wir alle redeten nicht viel. Zu sehr waren wir in Gedanken. Eine positive Energie, die meinen Körper durchfluten sollte, spürte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sie kam erst am nächsten Morgen, als ich zuhause in meinem Bett erwachte und mich ausgeruht und wohl fühlte.

Während des Retreats gab es neben Wasser grüne Smoothies und eine ayurvedische Gemüsesuppe.

Die hier vorgestellten Übungen – sowohl aus den Bereichen Yoga und Meditation – könnt Ihr gerne, über einen Tag verteilt, nachmachen! Den Link für die Mantra-Meditation Om so Hung (siehe Text) einfach anklicken.

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Neue Reportage: Die „Buruli Ulcer-Familie“

Diese Reportage erschien am 12. August 2014 in der Zeitung Die Tagespost.

Am 12. August war der Internationale Tag der Jugend. Als Gedenktag soll er an die Bedeutung der Jugend als Lebensphase erinnern. Eigentlich ist das ein schöner Gedanke. Doch es gibt viele junge Menschen, die in Krisenländern leben und täglich mit Bürgerkrieg, Armut und Krankheiten konfrontiert sind. Später werden sie an die Zeit des Heranwachsens mit unterschiedlichen Gefühlen zurückdenken. Einige werden froh sein, sie überhaupt überlebt zu haben.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERADer kleine Kofi Gabanet aus dem westafrikanischen Togo hat Buruli Ulcer am rechten Bein. Er wird seit fünf Monaten im Regionalkrankenhaus von Tsévié nördlich der Hauptstadt Lomé behandelt. Das Zentrum ist spezialisiert auf die Behandlung von Buruli Ulcer und wird seit vielen Jahren von der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. unterstützt. Sein linker Fuß und der Arm sind befallen. Anne Braun hält seine Hand. Sie ist Volontärin der Fondation Follereau Luxembourg, einer Partnerorganisation des Würzburger Hilfswerkes. Die Stiftung finanziert das Projekt in Togo seit vielen Jahren mit. Braun macht ein viermonatiges Praktikum. Sie liebt es, mit den Kindern zu spielen und sie zu unterrichten. Der Elfjährige ist ihr ganz besonders ans Herz gewachsen. „Bei Kofi haben sich weitere Abszesse gebildet. Aber der Junge ist geduldig und weiß, dass er nach der Behandlung wieder ganz gesund wird“, sagt die 27-Jährige.

Das Krankenhaus von Tsévié

Das Krankenhaus von Tsévié

Seine Großmutter ist bei ihm. Der Rest der Familie ist im weit entfernten Dorf geblieben. „Wir sind eine richtig tolle Buruli-Familie“, sagt Anne Braun. Kofi nickt. Nein, seine Geschwister vermisst er nicht, denn er hat neue Freunde hier gefunden.

Die der Lepra verwandte Krankheit Buruli Ulcer trifft vor allem Kinder und Jugendliche und führt unbehandelt zu schweren Behinderungen. In Togo wurde daher im Regionalkrankenhaus Tsévié ein Behandlungszentrum mit therapeutischen Einrichtungen speziell für Kinder geschaffen und das nationale Buruli-Kontrollprogramm gestärkt. Aufgrund des konsequenten Aufbaus der Lepra- und TB-Programme über viele Jahre hinweg war es dem Würzburger Hilfswerk möglich, die vorhandene Infrastruktur auch zu Gunsten der Buruli Ulcer-Patienten zu nutzen.

Kofi (rechts) mit einem Freund im Krankenhaus.

Kofi (rechts) mit einem Freund im Krankenhaus.

Dr. Jörg Nitschke arbeitet für die DAHW ehrenamtlich in Togo. Der pensionierte Hamburger Chirurg zeigt auf ein paar Kinder, die im Hof des Krankenhauses spielen. „Das sind meine Patienten“, sagt er. Bei den meisten von ihnen erfolgt die Behandlung ohne Operation. Wann immer es seine Zeit erlaubt, schaut er nach den Kleinen. Er kommt immer wieder gerne nach Tsévié zurück, meistens bleibt er zwei bis drei Monate vor Ort.

„Die erfolgreiche Behandlung der Buruli Ulcer-Patienten ist nur durch die Initiative der DAHW möglich“, sagt Assoupui Amelé Adjeh. „Über diese Unterstützung sind wir sehr froh“, betont die Krankenhausdirektorin.

Anne hilft Kofi bei der täglichen Physiotherapie.

Anne hilft Kofi bei der täglichen Physiotherapie.

Sie blickt auf Anne Braun, die den kleinen Kofi immer noch an der Hand hält. „Ich habe ihm ein wenig Französisch beigebracht, vorher konnte er nur die Lokalsprache“, sagt die Luxemburgerin. Sie deutet auf die Holzkrücke, die an der Wand lehnt. „Die hat sich Kofi selbst geschnitzt.“ Sie lächelt ihm aufmunternd zu. Dann nimmt Kofi seine Krücke und macht sich auf den Weg ins Behandlungszimmer. Der Physiotherapeut wartet schon auf ihn – wie jeden Tag.

Info:

Gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) in Hamburg als Partner sowie mit dem europäischen Forschungsprojekt BuruliVac hat die DAHW in Togo ein Labor eingerichtet. Somit dauert die PCR-Diagnose heute nur noch sieben Tage. Es gab lange keine Möglichkeit, diese genetische Untersuchung, mit der man Buruli Ulcer eindeutig diagnostizieren kann, im Land selbst durchzuführen. Gewebeproben mussten für die Labordiagnose nach Deutschland geschickt werden. Erst nach fünf bis sechs Wochen lag das Ergebnis vor und der Behandlungsbeginn verzögerte sich entsprechend. Heute kann mit der Behandlung der Patienten umgehend begonnen werden.

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