Die Welt verstehen

 


Gestern Abend gab es mal wieder so ein Ereignis, dass uns ungläubig vor dem Screen sitzen ließ:

Die Erstürmung des Capitols in Washington D.C., dem Heiligen Kral der Demokratie. Schauen, durchatmen und staunen, was alles möglich ist oder wie Unmögliches möglich gemacht wird.

Und heute lese ich mich quer durch ein Buch. Wirklich ein Schatz, denn man findet in diesem Werk Antworten auf die vielen großen Fragezeichen unserer Epoche. Diese gibt Autor Jan Schwochow, früherer Ressortleiter und Artdirector des Magazins Stern.

Warum hatten Frauen und Kinder beim Untergang der Titanic die größten Chancen, im kalten Wasser des Nordatlantiks zu überleben und Männer nicht? Oder wie sah unsere Erde um 1500 aus? China war damals Vorreiter in Sachen Wissenschaft und schottete sich durch die Große Mauer gegen die Mongolen ab. Pandemien, wie heute Corona, versuchten Herrscher im 17. Jahrhundert durch statistische Tabellen zu begreifen. Damals bildeten Daten über Ressourcen und Bevölkerung eine Grundlage für ihre Politik und Entscheidungen. 

Heute fiebern wir mit dem deutschen Segler Boris Hermann, der in atemberaubenden Steillagen die Weltumsegelung Vendée Globe bewältigt. Wo fand das Regattasegeln seinen Ursprung? In Venedig, sagt das Buch! Bunte Bilder erklären Prozedere, Strecken und Regeln. Die nächsten Seiten im gleichen Kapitel beschreiben die Tour de France. Das Buch zeigt uns Neues und Wissenswertes aus insgesamt acht Bereichen. Thematisch breit gefächert werden Geschichte, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Sport, Kunst, Wissenschaft und Technologie abgedeckt: Wo im Flugzeug ist der ruhigste Platz? Wie verlief das Attentat auf Präsident Kennedy? Wie ist die Titanic gesunken? Seit wann gibt es die heute verfügbaren Impfungen, und wer hat sie entwickelt? Wie ist das Neue Museum in Berlin aufgebaut? 

Lassen wir uns mit Leichtigkeit durch die Seiten treiben, nehmen wir die Neuigkeiten und Informationen wissbegierig auf. Die Grafik auf Seite 552 ernüchtert uns: Je weiter die Galaxien entfernt sind, desto schneller bewegen sie sich von uns fort. In gut sieben Milliarden Jahren wird unsere Sonne nur noch ein „Roter Riese“ sein. Ein Leben auf dieser Erde wird für uns unmöglich werden. Anhand dieser riesigen Zeitdimensionen erkennen wir, dass die Lebenszeit unseres Planeten nicht mehr ist oder war als ein Augenaufschlag. Ein einziges Wimpernzucken! That’s it. Am Ende wird alles dunkel, leer und furchtbar kalt sein. 

Resultat: „Die Welt verstehen“ lesen, wenn Ihr Zeit habt und Euch auf Neues und Interessantes einlassen wollt. Und dabei nicht den Lernfaktor vergessen. Passender kann die Verlängerung des Lockdowns nicht sein: Wir verbringen mehr Zeit zuhause und können uns auf spannende und wahre Geschichten einlassen. Machen wir was draus!

Jan Schwochow: Die Welt verstehen mit 264 Infografiken, 568 Seiten, 59 Euro. 

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Da Mariella: Torta delle Rose

Rechtzeitig zu den Heiligen 3 Königen hat uns Mariella eine wunderbare Torte kreiert. Falls Ihr noch Zutaten für die Torta delle rose benötigt: Morgen sind die Läden geöffnet. Dann steht Euch nichts mehr im Wege, Eure Lieben am 6. Januar mit einer italienischen Köstlichkeit zu überraschen. 

Und wie immer: Wenn Ihr kein Italienisch versteht, einfach in den Google-Übersetzer geben und ihn bitten, Euch mehr über diese Köstlichkeit zu verraten. Und eine interessante Geschichte über den Kuchen erfahrt Ihr zusätzlich.

Viel Erfolg!

DALL’ ITALIA CON AMORE

cover

FROM ITALY WITH LOVE

La torta delle rose è un dolce scenografico e delizioso.

Di origine mantovana, questa torta golosissima assomiglia ad un bouquet di boccioli di rosa: impossibile resisterle!

Le sue origini storiche risalgono alla fine del XV secolo, la torta delle rose fu infatti creata in occasione delle nozze tra Francesco II Gonzaga e Isabella D’Este, fu talmente apprezzata da tutti i Signori dell’epoca che da quel momento entrò a far parte della cultura gastronomica mantovana ed ancora oggi è riproposta secondo l’antica ricetta.

La forma a boccioli di rosa data alla torta dai pasticceri di corte rappresentava il fiorire della bellezza di Isabella, all’epoca appena sedicenne. Il classico ripieno per la torta delle rose è la crema al burro, ma potete farcire la torta anche con della marmellata, della Nutella o della crema pasticcera, data la sua forma scenografica è l’ideale da preparare  in una occasione speciale.

L’aspetto più importante di questa ricetta è la lievitazione: l’impasto dovrà infatti lievitare due volte, dapprima in una boule, succesivamente nella tortiera, per raggiungere la giusta consistenza delicata.

La torta delle rose è un trionfo di dolcezza: un mazzo di rose bello da vedere ma soprattutto buono da mangiare, con il suo dolce sapore avvolgente conquista grandi e piccini.

Ingredienti

Ingredienti

INGREDIENTI PER UNA TORTA (CIRCA 8 PERSONE):

Farina manitoba 300 gr

Farina 00 200 gr

Burro 50 gr

Zucchero 50 gr

1 uovo intero

Latte 250 ml

Buccia di limone q.b

Lievito di birra fresco 10 gr (se secco 4 gr)

Per la farcitura:

Burro 100 gr

Zucchero semolato qb

PREPARAZIONE:

Mettete in una ciotola le farine, il lievito di birra sbriciolato, lo zucchero e mischiate. (Foto 1)
Unite il burro sciolto e raffreddato e il latte a temperatura ambiente, l’uovo, la scorza di limone grattuggiata ed iniziate ad impastare energicamente fino ad ottenere un impasto omogeneo, liscio ed elastico. (Foto 2, 3, 4, 5, 6)
Coprite l’impasto e lasciatelo lievitare per circa 2 ore fino a che sarà raddoppiato di volume. (Foto 7, 8)
Con il mattarello  stendete l’impasto e create un rettangolo di mezzo centimetro di spessore circa. (Foto 9)
Spennellate tutto il rettangolo di impasto con il burro a temperatura ambiente e cospargete quindi la superficie con abbondante zucchero semolato, bianco oppure di canna se piace. (Foto 10, 11)
Tagliate il rettangolo di pasta con il burro in strisce uguali tra loro e arrotolate ogni striscia su se stessa. (Foto 12)
Posizionate le strisce arrotolate in una teglia ben imburrata e infarinata. (Foto 13, 14)
Coprite e lasciate lievitare per 1 ora circa.
Una volta che la torta delle rose sarà ben lievitata spennellate con abbondante burro a pomata e spolverizzate con altro zucchero semolato. (Foto 15)
Cuocete la torta delle rose per circa 35 minuti in forno statico a 180° fino a che la superficie risulterà dorata.
Sfornate la torta delle rose e lasciatela raffreddare completamente.
Spolverizzate con zucchero a velo. (Foto 16)

 

Veröffentlicht unter Da Mariella | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 5 Kommentare

Tierliebe – nicht nur Gefühl sondern Lebensart

„Nicht diejenigen, die die gleiche Sprache sprechen, sondern diejenigen, die die gleichen Gefühle teilen, können einander verstehen.“

Mevlana Rudi (persischer Dichter, 13. Jahrhundert)

Veröffentlicht unter Notabene, Straßentiere, Tierschutz | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Lesestoff in letzter Minute

Es geht schnell und zurzeit eben nur online. Die Verlage und Buchläden haben reagiert. Online bestellen und offline abholen. Fast überall. Und damit werden auch die kleinen Buchläden vor Ort unterstützt. Ihr könnt alle mitmachen! Wer heute bestellt, kann die Bücher in der Regel morgen oder übermorgen abholen. Dann steht den Mußestunden an den Feiertagen nichts mehr im Wege.

Hundeseelen

Das Glück hat vier Pfoten_Cover

Fakten, Fakten, Fakten: 

In Deutschland haben mehr als 10 Millionen Haushalte einen oder mehrere Hunde.

In Österreich ist in den letzten fünf Jahren die Zahl der Hunde stärker gewachsen als die der Einwohner.

In der Schweiz leben über 500.000 Hunde.

In Corona-Zeiten ist die Nachfrage nach Hunden aus dem Tierheim stark gestiegen.

Jeder Hundefreund weiß, dass mehr in einem Hund steckt als allgemein vermutet. Dieses Buch ist eine charmante Hundeschule für Zweibeiner, in der wir lernen, auch mal alle Fünfe gerade sein zu lassen, für uns selbst zu sorgen, auch in schwierigen Situationen Haltung zu bewahren, Grenzen zu setzen, Ziele zu verfolgen und dabei immer das Jetzt zu genießen. Und nebenbei erfahren wir, an welche Leinen wir uns selbst angebunden haben und wie wir uns … freischütteln! Sobald eine Situation für den Hund abgeschlossen ist, schüttelt er sich und danach geht es heiter weiter. Er trauert keiner Vergangenheit nach, bleibt in keiner blöden Stimmung hängen … Was für eine geniale Strategie, die uns auch als Mensch weiterbringen kann. Und es ist nicht die einzige in diesem Buch!

In unterhaltsamen kleinen Geschichten mit Tiefgang erzählt die Autorin, was wir aus dem Verhalten unserer Hunde herauslesen und für uns selbst nutzen können. Außerdem erfahren wir eine Menge Interessantes rund um den Hund, seine Beziehung zum Menschen und wie wir sie noch vertrauter gestalten können.

Michaela Seul: Das Glück hat vier Pfoten, 208 Seiten, 17 Euro.

Crime

Sterbewohl_Cover

Es war sehr ruhig am Strand. Unnatürlich ruhig. Die Gäste redeten kaum miteinander. Viele tranken die auf Tischchen neben den Liegestühlen bereitgestellten Cocktails. Soweit ich die Gesichter mustern konnte, sah niemand glücklich aus. Manche wirkten traurig, manche einfach nur nachdenklich. Wussten die anderen auch, was hier vor sich ging? Machten sie sich Sorgen, die Nächsten zu sein, die das Zeitliche segnen mussten? Planten manche ihre Flucht? Hatten welche bereits resigniert und warteten nur darauf, dass man ihnen den Tod verabreichte? Sahen sie keinen Ausweg mehr für sich? Oder ahnten sie noch nichts und langweilten sich nur? Das Essen war zwar abwechslungsreich, aber der Tagesablauf immer derselbe. Und sie ließen einem praktisch keine Freiheit, die Zeit selbst zu gestalten. Sicher war es auch nicht besonders erbaulich, dass man sich hier jeden Tag mit dem Alter und dem Tod befassen musste.  Gezwungenermaßen.

Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65 und in hellem Aufruhr. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

Olivia Monti: Sterbewohl, 222 Seiten, 9,99 Euro.

Der Pate von Berlin_Cover

Mahmoud Al-Zein, Oberhaupt einer der einflussreichsten arabischen Clans in Deutschland, ist als „Pate von Berlin“ so bekannt wie berüchtigt. Er ist der Erste, der das Schweigen bricht und ungeschönt vom Innenleben seiner Familienorganisation berichtet: Von seinem Weg an die Spitze, Konflikten mit dem Gesetz, Fehden mit Rivalen, den Regeln der Familie und dem brutalen Kampf um die Vormacht auf der Straße.

Al-Zein will davor warnen, welchen Preis die Macht hat. Er selbst hat ihn gezahlt, saß lange im Knast und musste zusehen, wie Mitglieder seiner Familie der Gewalt zum Opfer fielen. Ein Blick ins Innere der arabischen Clans und ein Zeugnis deutscher Alltagsrealität.

Über den Autor: Mahmoud Al-Zein wuchs im vom Bürgerkrieg zerrissenen Beirut auf und kam Anfang der 1980er Jahre als Kriegsflüchtling nach Deutschland. Hier stieg er im Kreis des Al-Zein-Clans schnell an dessen Spitze auf und schrieb schon bald als „Pate von Berlin“ Schlagzeilen. Al-Zein wurde 2003 wegen Drogenhandels zu einer Haftstrafe verurteilt, kehrte der Kriminalität den Rücken und setzt sich heute im Kreis seiner Familie dafür ein, dass die jüngere Generation aus seinen Fehlern lernt.

Mahmoud Al-Zein, der Pate von Berlin: Mein Weg, meine Familie, meine Regeln, 256 Seiten, 20 Euro.

Waldbaden

Unsere fünf heiligen Bäume_Cover

Viele Menschen sehnen sich nach einer größeren Verbundenheit mit und in der Natur, nach dem Gefühl, in der uns umgebenden Natur aufgehoben zu sein. Meditieren in der Natur und mit Bäumen kann eine sehr heilsame Erfahrung sein, um wieder in Einklang mit ihr zu kommen. In seinem neuen Buch stellt der Kulturanthropologe und Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl fünf einheimische Baumarten vor und lüftet das Geheimnis, wie wir durch Meditation mit den heilsamen Energien der heiligen Bäume Birke, Buche, Eiche, Linde und Eibe in Verbindung kommen können.

Jeder dieser Bäume steht dabei für ein großes Lebensthema und durch die Natur-Meditation öffnen wir uns für eine größere Dimension. Dafür ist nicht unbedingt eine besondere Sitzhaltung notwendig, man kann den Baum berühren, die Rinde fühlen, sie riechen, ein Blatt kosten. Wichtig ist, das Bewusstsein immer auf den Baum zu richten und auf das, was seine Gegenwart in unserer Seele bewirkt. Ein Praxisbuch mit präzisen Erläuterungen zu Mythologie, Heilkraft, medizinischer Wirkweise und Brauchtum, die das Wesen der Bäume und die Wirkung der Meditationen verdeutlichen. So lässt sich die Heilkraft der Natur direkt vor unserer Haustür erleben.

Wolf-Dieter Storl: Unsere fünf heiligen Bäume, 192 Seiten, 18 Euro

Corona

Lockdown_Cover

Sind wir noch einmal davongekommen? Eine Bilanz der deutschen Krisenpolitik

Corona hat die Welt in den Lockdown gezwungen, doch Deutschland ist in den ersten Monaten vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen.

Aber wie viel war tatsächlich politische Geschicklichkeit, wie viel pures Glück? Wie nachhaltig sind die Entscheidungen zur Krisenbekämpfung? Und welche langfristigen Folgen wird die Pandemie für unser Land haben?

Ein Team von Redakteurinnen und Redakteuren des SPIEGEL berichtet von jenen dramatischen Momenten, die in den letzten Monaten über Leben und Tod, Wohlstand und Existenznot entschieden haben.

In einer packendenden Chronologie blicken sie auf Spitzenpolitiker und lokale Entscheider, beleuchten die Rolle bekannter Virologen und unbekannter Ratgeber und fragen, wie gut unser Land für das gerüstet ist, was uns jetzt bevorsteht. Denn die wahren Folgen der Pandemie sind immer noch nicht absehbar.

Christoph Hickmann/Martin Knobbe/Veit Medick (Hg.): Lockdown, 320 Seiten, 22 Euro

Katzenseelen

Für Leserinnen und Leser von 8 bis 99 Jahren, steht in der Buchempfehlung! Stimmt, denn dieses Buch erfüllt alle Altersklassen. Besonders die der Katzenfreunde.

„Nero“ nennen sie den kleinen Kater auf dem italienischen Bauernhof, weil er ganz schwarz ist, nur mit einer weißen Vorderpfote. Nero fürchtet sich vor nichts und niemand, nicht einmal vor Robert und Isolde, dem deutschen Ehepaar, das in den Ferien das Häuschen auf dem Hügel bewohnt. Und weil er meint, das Zeug zu einem Chef zu haben, beschließt er, den Hof zu verlassen, um mit den beiden nach Köln am Rhein zu gehen. Dort tobt das wahre Leben! Quint Buchholz hat diese Katzengeschichte mit wunderbaren farbigen Bildern versehen. Ein Muss für alle Katzenfans. Und davon gibt es bekanntermaßen viele!

Elke Heidenreich: Nero Corleone, 88 Seiten, 15 Euro. 

Last but not least: Die Liebe

Sie gelten als das Traumpaar der 1960er-Jahre: Romy Schneider und Alain Delon. Als sie sich 1958 bei den Dreharbeiten zu „Christine“ erstmals in Paris begegnen, verlieben sie sich ineinander. Fünf Jahre sollte diese außergewöhnliche, von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägte Liaison dauern. Trotz Trennung standen sie vier Jahre später für den Kultfilm „Der Swimmingpool“ erneut als Liebespaar vor der Kamera. Und es begann eine Freundschaft, die bis zu Romy Schneiders frühem und tragischem Tod 1982 anhielt.

Als sie starb, war es Alain Delon, der sich um alles kümmerte. Sie war für ihn die Liebe seines Lebens: „Unsere Liebe hat nicht aufgehört. Sie hat sich verändert“, sagte er einmal.

Autor und Biograph Thilo Wydra hat für diese Geschichte einer großen Liebe mit zahlreichen Zeitzeugen in Frankreich und in Deutschland Gespräche geführt, Freunde und Kollegen von Romy Schneider und Alain Delon kommen ausführlich zu Wort – darunter etwa Jane Birkin, Senta Berger, Mario Adorf, Jean-Claude Carrière, Michael Verhoeven, Volker Schlöndorff und viele andere mehr. In ihren persönlichen Erinnerungen wird dieses deutsch-französische Liebespaar wieder lebendig.

Thilo Wydra: Eine Liebe in Paris, 352 Seiten, 22 Euro.

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Geschenktipps: Kalender für die Seele


Auch im kommenden Jahr möchte ich nicht auf den inspirierenden Divenkalender verzichten. Schon in diesem für uns alle schwierigem Jahr geben mir die kurzen Texte Motivation und Optimismus. „Veränderung fängt immer bei dir selbst an“ – so die Grundregel der Autorin. Inspirierende, humorvolle und tiefgründige Quotes von Arthur Schopenhauer, Warren Buffet, Carl Gustav Jung, Geraldine Chaplin, Astrid Lindgren, Maya Angelou, der Autorin Monika Scheddin selbst und vielen weiteren Persönlichkeiten führen durch 52 Wochen. „Als Coach weiß ich, dass es manchmal nur einen entscheidenden, klugen Gedanken braucht, um Blockaden zu lösen und wahre Energieschübe freizusetzen.“ Für diese A-ha- Momente und „Ich-mach-das-jetzt“-Impulse zu sorgen, ist auch 2021 die erfolgreiche Mission des Coaching-Kalenders für göttliche Frauen. 

Übrigens: Seinen Namen verdankt der Kalender Scheddins Bestseller „Wecke die Diva in dir!“. Steht nicht die Diva mit beiden Beinen im Leben und weiß, was sie will? Mut zur Veränderung ist ein weiterer wesentlicher Bestandteil unseres Lebens, der gerade heute umso wichtiger ist. Auch dafür steht dieser praktische Tischkalender, der wöchentlich einen neuen Impuls zum Nachdenken und Überlegen gibt.

Monika Scheddin: Divenkalender 2021, 19,90 Euro.


Ich freue mich auf das neue Photodarium. Der Name ist mindestens ebenso schillernd wie sein Inhalt. Alles dreht sich um Polaroids, genau diese kleinen quadratischen Fotos, die über all die Jahrzehnte ihrer Existenz nie aus der Mode gekommen sind. Und nun, im Insta-Zeitalter sind sie so spannend und anregend wie selten zuvor. Und was sagen die Macher? „Aus über 2.000 Einsendungen haben wir wieder die schönsten und spannendsten 365 Polaroids mit ihrer ganz persönlichen Geschichte ausgewählt.“

Allein schon die außergewöhnliche Block-Form lohnt sich, genauer hinzugucken. Um es auf den Punkt zu bringen: Jeden Tag gibt es ein Sofortbild und eine eigene kleine Geschichte auf englisch. Der Abreißkalender zeigt künstlerische und intime Momentaufnahmen von 365 bekannten Fotografen und Newcomern, von Profis und Polaroidfans aus aller Welt. Genauer: Auf der Vorderseite jedes Kalenderblattes befindet sich ein analoges Polaroid-Foto, gedruckt in Originalgröße und mit einem glänzenden Speziallack veredelt, der ein echtes Polaroid Feeling entstehen lässt. Auf der Rückseite findet sich ein kleiner Text mit der oft sehr persönlichen Geschichte des Bildes sowie der Hinweis zum Fotografen und zum verwendeten Polaroid-Film. 

Photodarium 2021, 29,80 Euro.


Nicht nur für Bücherwürmer ist er ein tolles Geschenk: Der Literaturkalender 2021. Jedes Jahr findet das Werk erneut seinen Platz in meinem Arbeitszimmer. Die wöchentlichen Zitate zu den geschmackvoll umgesetzten Fotos geben uns das gleiche Gefühl wie beim Lesen eines guten Buches. 2021 trägt der Jahresbegleiter das Motto: „Die Magie des ersten Satzes“. Denn: Wie oft steckt eine ganze Geschichte oder sogar eine ganze Welt gerade in den ersten Zeilen eines Buches? Und so sind es Autorinnen und Autoren wie Astrid Lindgren, Eva Menasse, Julian Barnes und viele mehr, die dem Kalender ihre ersten Sätze borgen. Nicht nur für eingefleischte Leseratten ein Genuss.

Literatur-Kalender 2021 von ars vivendi, 22 Euro.


An ihr kann man sich nicht satt sehen: Romy Schneider. Erst vor wenigen Tagen habe ich einen Film mit ihr als Hauptdarstellerin gesehen. Einfach schön. Eine Jahrhundert-Schauspielerin! Doch was macht diese Frau aus? Warum sind fast 40 Jahre nach ihrem Tod noch so viele Menschen, vor allem Frauen, von ihr fasziniert? Ist es ihr zeitloser Stil, ihr Begriff von Schönheit, der so gar nichts diktatorisches auf sich hat, die Aura, die in ihrer gelebten Melancholie und Fatalität steckt? Antworten darauf finden sich in ihrem Gesicht, in ihren Gesten, in ihren Worten. Und auch in diesem Kalender. 2021 gibt es ihn wieder. Er bringt uns die Personalie Romy näher.

Romy 2021, Monatskalender von Weingarten, 46 x 55 cm, 29 Euro.

Mit einer Katze im Haus ist man niemals alleine. Mit mehreren Katzen ist man in bester Gesellschaft.“ Achtung – Cat Content! Dieser Katzen-Kalender bringt es auf den Punkt: Das Leben ist nur in Begleitung eines Stubentigers lebenswert! Man mag darüber streiten, aber Katzen sind nicht nur auf allen Social Media-Plattformen die Stars. Klassische Schwarzweiß-Fotografien von verspielten Stubentigern werden hier durch liebevolle Texte ergänzt. Ein hinreißender Blickfang. Nicht nur für eingefleischte Katzen-Fans.

Der Große Poetische Katzen-Kalender 2021 von Alpha Edition, 29,7 x 42 cm, 11,95 Euro.

60x80 - (24x32).indd

„Bücher in schönem Gewande – ein festlich gekleideter Freundeskreis, der uns mehr geben kann als die auserlesenste Gesellschaft.“
Ein literarisches Zitat von Novalis in Kombination mit einem der Frauenporträts in Kunst und Fotografie. Und davon gibt es jede Menge. Ausgewählte Bilder, alte Fotografien und Gemälde runden den stilvollen Wandkalender ab. Ein Werk fürs Auge und für die Sinne, das zum Nachdenken und Innehalten anregt. Genau das Richtige, wenn man dem hektischen Alltag eine andere Richtung geben will.

Literaturkalender „Frauen lieben Lesen“ von Korsch, 19,95 Euro. 

Veröffentlicht unter Literatur | Kommentar hinterlassen

Ausflugstipp: Limburg an der Lahn

Ansicht Lahn und Dom Limburg

Herbst in Limburg. Der prächtige Dom.

Sabine Mariengarten

Mein Besuch in Limburg war längst überfällig.

Ich kenne Limburg eigentlich nur als Kleinod an der Autobahn. Vor Jahren bin ich zwischen Bonn und Würzburg gependelt und außer einem kurzen Abstecher hatte ich mit der Stadt keinerlei Berührungspunkte. Das änderte sich vor ein paar Wochen. Ich besuchte meine Journalistenkollegin Heike Lachnit.

Sie spezialisiert sich als Lokalreporterin auf Nachrichten und Hintergrundberichte aus der Region. Ich hatte sie vor einigen Jahren im Presseclub München bei einem gemeinsamen Blogger-Seminar kennengelernt.

Für ihren Nachrichten-Blog hljournal ist sie als Insiderin viel unterwegs. Für mich war das ein großer Vorteil. Denn so konnte ich Limburg von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Heike hatte mir angeboten, mit ihrer Heimat auf Tuchfühlung zu gehen. Yep, denn was gibt es Besseres als eine Lokalreporterin als Stadtführerin!

Heike in Limburg

Lokalreporterin aus Elz: Heike Lachnit.

Hinzu kam: Das Herbstwetter war fantastisch, und Limburg zeigte sich von seiner besten Seite.

Zuerst liefen wir den steilen Berg hinauf zum Dom und wandelten durch den idyllischen Mariengarten ganz in der Nähe des früheren Wohnsitzes des skandalreichen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, der mittlerweile im Vatikan residiert.

Apropos Mariengarten: Der Bischof hat die Anlage vor rund zehn Jahren nach seinem Gusto gestalten lassen. Das und andere Sperenzchen kosteten den Steuerzahler stolze 790.000 Euro. Nachdem die hemmungslose Verschwendung des ästhetisch orientierten Kirchenmannes aufgeflogen war, hat diese als Affäre Tebarz bezeichnete Limburger Episode dem kleinen mittelhessischen Städtchen einen Touristenansturm seinesgleichen beschert.

Mariengarten

Idyllischer Mariengarten.

Als mir Heike später von dem Baumkuchen im Café Kosmol erzählte war klar: Den muss ich probieren. Sie erklärte mir, dass er eine Limburger Spezialität sei, die bei keinem Stadtbummel fehlen dürfe. Gesagt, getan. Ich habe es nicht bereut. Bei der Herstellung wird eine leckere biskuitähnliche Masse Schicht für Schicht auf eine heiße drehende Walze aufgetragen und bis zu einer Dicke von 13 Schichten und einer Länge von 1,25 Meter gebacken. Natürlich habe ich mir nur ein kleines Stückchen gegönnt, denn der 100 Gramm-Preis ist ganz schön happig. Bei mir waren es dann doch ein paar Gramm mehr.

Löwenantlitz

Löwenantlitz im Mariengarten.

Limburg_verwinkelte Altstadt

Bummel durch die Altstadt. Hier habe ich den Baumkuchen entdeckt.

Die kleinen malerischen Ecken und Winkel unterhalb des Domberges in der idyllischen Altstadt haben jede Menge Flair. Besonders auch, weil ich außergewöhnliche und individuelle Läden fand. Und bevor ich mit dem Zug abreiste zeigte mir Heike noch eine besonders hervorragende Location für ein Photoshooting: Den Dom im bunten Herbstlaub. So entstand zum Abschluss noch ein echtes Hingucker-Foto (siehe Anfang)!

Abends nahm ich den Zug. Der einsam gelegene Limburger ICE-Fernbahnhof mitten in einem Industriegebiet ist von der Stadt aus nur per Shuttle erreichbar und ein bisschen unheimlich. Gerade in der Dunkelheit am Abend oder wenn der ICE mal wieder Verspätung hat. Denn ich musste auf dem Bahnsteig im Freien warten. Im Bahnhofsgebäude gibt es nichts: Weder Geschäfte noch ein Restaurant oder gar ein paar Menschen. Fast Food findet man im Gewerbegebiet zehn Minuten Fußweg entfernt.

Doch Limburg ist nicht nur eine Empfehlung sondern gleich eine Reise wert. Und wenn man die passende Person kennt, die einem das Städtchen auch noch so umfassend zeigt, umso besser.  Danke, Heike!  

Ansicht Lahn und Dom Limburg

Herbst in Limburg. Der prächtige Dom.

Veröffentlicht unter Germany | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Sucht Ihr noch ein Weihnachtsgeschenk?

„Mit einem Buch auf dem Schoß war ich glücklich.
Ich fürchtete nichts mehr außer einer Unterbrechung.“

Charlotte Brontë

Gottseidank gibt es Bücher. Ich lese gerne und viel. In den letzten Monaten sogar noch mehr. Sie geben mir Trost, verschaffen mir Glück und lassen mich träumen. In der Tat, Bücher reihen sich in jede Schicksalslage ein, was gerade in der Corona-Zeit umso wichtiger ist. Meist reichen mir die ersten 50 Seiten zum Anlesen, um zu wissen, ob der Band mir gefallen wird oder nicht. So mache ich es auch, wenn ich unter Zeitdruck bin und Euch trotzdem auf sl4lifestyle Lesestoff vorstellen möchte. Zeit zum Schmökern sollte man sich immer nehmen. Und bieten sich die kommenden Weihnachtstage nicht hervorragend dafür an? Vor allem dann, wenn der alljährliche Trubel vorbei ist.

Die folgenden Leseempfehlungen, aufgeteilt nach Genres, sollen zugleich die Suche nach dem passenden Geschenk für Familie und Freunde ersetzen als auch eine Anregung für Euren ganz eigenen Genuss sein.

Wohlfühlen

Warum nicht mal Glück zu Weihnachten verschenken? Es gibt ein kleines Land im Himalaya-Gebirge, in dem das Glück fester Bestandteil des Bruttonationalproduktes ist: Bhutan. Doch gibt es denn so etwas wie einen Glücks-Standard? Was zeichnet glückliche Menschen aus? Autor Ha Vinh Tho war in Bhutan viele Jahre zuständig für die Umsetzung des sogenannten „Bruttonational-Glücks“. Jetzt können wir mit Ha Vinh Tho Selbstreflexion und Achtsamkeit, Sozialkompetenzen für ein liebevolles Miteinander und den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur entwickeln, um ein sinnvolles und freudvolles Leben zu führen. Der Glücks-Standard bietet hier tiefe Einsichten und jede Menge Übungen zur Umsetzung sowohl auf der persönlichen Ebene als auch in Unternehmen und Schulen. Das Thema „Achtsamkeit“ wird in diesem mit vielen interessanten und nützlichen Sachinformationen angereicherten Ratgeber auf eine neue und authentische Weise umgesetzt. Er hilft zu einer wirklich nachhaltigen Klärung des eigenen Lebens und zu einer Haltung, bei der man auch im modernen Alltag glücklich sein kann.

Dr. Ha Vinh Tho: Der Glücksstandard, 320 Seiten, 18 Euro

„Reconnect“ ist ein schön gestaltetes, jahresbegleitendes Praxisbuch für Frauen, die sich wieder mehr mit den natürlichen Kräften und Energien der Jahreszeiten verbinden möchten. Anhand der acht Jahreskreisfeste führt uns Achtsamkeitsexpertin Maren Schneider in die einzelnen Kapitel. Sie schafft durch praktische Meditationen, Anregungen für jahreszeitliche Rituale, etwas Alltagsmagie und den Bezug zu weiblichen Archetypen ganz persönliche Erfahrungsräume, durch die wir lernen, die weibliche Kraft zu stärken, eigene Vorhaben den Energien der Natur anzupassen und ein achtsames, bewusstes Leben im Rhythmus der Jahreszeiten zu kultivieren.

Auf der Landing Page (Webseite) zum Buch kann man alle Übungen zusätzlich herunterladen, um sie auch auf seinem Handy verfügbar zu haben.

Maren Schneider: Reconnect. Wie wir uns wieder mit der Natur verbinden, 224 Seiten, 20 Euro

Belletristik


Havanna, wann sehen wir uns wieder? Diese Ausgabe ist der zweite Band der bewegenden Kuba-Saga von Chanel Cleeton, deren Familie von der Insel stammt.

Palm Beach 1960: Schon seit einiger Zeit lebt Beatriz mit ihrer Familie in Florida. Und doch kann sie ihn nicht verwinden – den Verlust ihrer Heimat, ihrer Freunde und den ihres Bruders. Sie ist getrieben von der Sehnsucht nach Havanna und dem Wunsch nach Vergeltung. Während die Kluft zwischen Amerika und Kuba immer größer wird, gerät Beatriz plötzlich zwischen die politischen Fronten. Und sie verliebt sich auch noch in einen mächtigen Mann, auf den sie sich niemals einlassen darf …

Chanel Cleeton: Wir träumten von Kuba, 496 Seiten, 10,99 Euro

Es gibt Kritiker, die das Buch mit Nabokovs Lolita vergleichen. Es geht um Vanessa. Sie ist gerade fünfzehn, als sie das erste Mal mit ihrem Englisch-Lehrer schläft. Jacob Strane ist der einzige Mensch, der sie wirklich versteht. Und Vanessa ist sich sicher: Es ist Liebe. Alles geschieht mit ihrem Einverständnis. Fast zwanzig Jahre später wird Strane von einer anderen ehemaligen Schülerin wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Diese kontaktiert Vanessa und bittet sie um Unterstützung. Das zwingt Vanessa zu einer erbarmungslosen Entscheidung: Stillschweigen bewahren oder ihrer Beziehung zu Strane auf den Grund gehen. Doch kann es ihr wirklich gelingen, ihre eigene Geschichte umzudeuten – war auch sie nur Stranes Opfer?

Kate Elizabeth Russell: Meine dunkle Vanessa, 448 Seiten, 20 Euro 

Biografie

Hoteldieb, Hochstapler, Glücksspieler. Georges Manolescu, um 1900 eine Weltberühmtheit, gebot über alles, was es braucht, um die Welt im großen Stil zu betrügen: Gutes Aussehen, Charme, Geistesgegenwart, 1-A-Manieren, Chuzpe und „ein elastisches Gewissen“. Als falscher Fürst Lahovary steckte er alle und alles in die Tasche, betörte die Schönen und Reichen und brachte es sogar zu künstlerischen Ehren: Thomas Mann setzte ihm mit dem „Felix Krull“ ein weltliterarisches Denkmal, und Ernst Lubitsch huldigte ihm in der Filmfigur des Juwelendiebs „Gaston Monescu“. Seine Memoiren waren Manolescus wohl raffiniertester Clou. Hier erfährt man amüsiert, mit welchen Bluffs sich der arme Schlucker aus der rumänischen Provinz in schwindelnde Höhen empor mogelte.

Fürst Lahovary/Georges Manolescu: Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler, 448 Seiten, 24 Euro

Thriller

So schweige denn still von Mary Higgins Clark

Es ist das letzte Werk von Mary Higgins Clark, die im Januar 2020 verstorben ist. Wie immer garantiert auch dieser Band Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Um was geht es? Die Investigativjournalistin Gina Kane bekommt eine verstörende Nachricht: Eine Person namens CRyan enthüllt, dass sie in ihrer Firma, einem großen Nachrichtensender, schreckliche Erfahrungen gemacht habe. Und sie sei nicht die einzige. Jeder Versuch Ginas, mit CRyan Kontakt aufzunehmen, scheitert. Nach endlosen Recherchen entdeckt sie den tragischen Hintergrund: CRyan ist vor kurzem bei einem Jet-Ski-Unfall ums Leben gekommen. Doch die Hintergründe ihres Todes sind sehr merkwürdig. Also forscht Gina nur mit noch größerem Nachdruck – und stößt auf eine entsetzliche Spur.

Mary Higgins Clark: So schweige denn still, 432 Seiten, 20 Euro

Veröffentlicht unter Literatur | Kommentar hinterlassen

Puy, schmeckt besser als es aussieht

Experiment erfolgreich: Mit Mut zur Lücke bekannte Zutaten neu kombiniert. Sehr lecker! Foto: Christine Kordt

Wo „Simple“ draufsteht, ist Köstliches drin: Das puristisch schöne Kochbuch von Starkoch Ottolenghi liefert beeindruckende Rezepte vom Salat bis zum ganzen Menü. Doch aller Anfang ist schwer – selbst bei „einfachen“ Gerichten. Ein Start mit Hindernissen, skeptischen Blicken und Lust auf mehr.

Von Gastautorin Christine Kordt

www.christineKordt.de


Nur schnell die Fahrradkarte in der Bahnhofsbuchhandlung abholen und dann mit der S-Bahn nach Hause. So der Plan. Im Eingang präsentiert der zentrale Buchtisch schicke Ottolenghi-Kochbücher. Stimmt, da war doch gerade der Artikel im Kölner Stadtanzeiger zum aktuellen Buch „Flavour: Mehr Gemüse, mehr Geschmack“. Klang verlockend, aber für meine Kochkenntnisse zu abgedreht. Doch jetzt liegt hier auch noch „Simple“. Dieser Kombination aus „einfach“ und „kochen“ kann ich nicht widerstehen. S-Bahn leider verpasst.

Verloren zwischen Hülsenfrüchten

Was koche ich zuerst? Lammhackbällchen? Zitronenhähnchen? Gurken-Rapunzel-Salat? Die Zutatenlisten der orientalisch angehauchten Gerichte sind alles andere als simple: Za’atar, eingelegte Zitronen, Berberitzen, Rosen-Harissa, Schwarzkümmelsamen … Was ist das und wenn ja wo gibt’s das? Kollegin Nour kommt aus Aleppo und kennt sich aus. In der Mittagspause stöbern wir am Kölner Chlodwigplatz im türkischen Feinkostladen. Ohne Nour wäre ich verloren zwischen Hülsenfrüchten, Schraubgläsern, Kräutern und Konserven. Mit Zumach, Tahine, Harissa und Co. im Einkaufskorb soll der Simple-Küche nichts mehr im Weg stehen.

„Raus mit Dir, ich muss mich konzentrieren!“

Mit Linsen-Auberginen-Eintopf von Seite 171 geht es los. Wenn da nur nicht die Puy-Linsen wären. Selbst in der Spezialitäten-Abteilung im Kölner Kaufhof Fehlanzeige. Laut Internet-Recherche gehen auch schwarze Beluga-Linsen – ein Glück, die gibt’s fast überall. Thymian wächst im Vorgarten, statt Isot Biber gehen auch Chiliflocken, der Rest ist Standard. Präzise und praktisch ist die Zutatenleiste: Wo andere Kochbücher nur „2 kleine Auberginen“ schreiben, gibt Yotam Ottolenghi auch das entsprechende Gewicht an, eine gute Orientierung.

zwiebeln

Immer dabei: frische Kräuter wie Thymian. Foto: Christine Kordt

Für 160 g Zwiebeln brauche ich drei statt einer Zwiebel. In der Pfanne brät die Zwiebel-Knoblauch-Thymian-Mischung und schon schnuppert der Mann an der Küchentür.

„Raus mit Dir, ich muss mich konzentrieren!“ Auberginen und rote Tomaten glänzen prächtig in der Pfanne. Bis Brühe und Linsen hinzukommen und alles immer schwärzer wird.

Die Auberginen werden weich, die Linsen sind noch hart. Statt 40 Minuten brauchen sie nur 20 Minuten. Der Mann guckt skeptisch. Okay, war ein Versuch. Angerichtet mit Couscous, Crème fraiche und Basilikumblättern sieht’s gleich viel besser aus. Und siehe da, es schmeckt auch viel besser als es aussieht. Der Couscous nimmt die würzige Soße auf, Kräuter und Gemüse sind köstlich. „Super, weiter so“, sagt der Mann und isst.

pfanne_gemuese

2 kleine Auberginen und 200 g Kirschtomaten werden gebraten. Foto: Christine Kordt

Einfach mal machen, auch wenn was fehlt

Die nächsten Gerichte gehen leichter: Die Linsen-Tomaten-Suppe mit Kokos und Curry ist wirklich simple, scharf und fruchtig.

Dass der Koriander nur aus dem Tiefkühlfach kommt, geschenkt. Die Bratkartoffeln mit Rosmarin und Zumach sind eine spektakuläre Beilage.

Der geröstete Butternusskürbis mit Linsen und Gorgonzola schmeckt auch ohne Estragon. Gar nicht schlimm, wenn mal eine oder zwei Zutaten fehlen. Mit so vielen guten Erfahrungen im Rücken geht’s als nächstes an die Fleisch- und Fischgerichte. Die schönen Fotos und die super Anleitungen machen Lust auf mehr. Und wer weiß, vielleicht kommt Weihnachten ein ganzes Menü auf den Tisch.

gekochtes_gemuese

Wenn Linsen, Wein, Brühe und Wasser dazukommen, leidet die Optik, aber nicht der Geschmack. Foto: Christine Kordt

Yotam Ottolenghi: Simple. Das Kochbuch, 320 Seiten, 28 Euro.

VG Wort Zählmarke

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Sterben und was kommt danach – die große Sinnfrage

99 Fragen Sterben_Cover

Gerade im Oktober und November, zu Allerheiligen oder Allerseelen, beschäftigen wir uns verstärkt mit dem Sterben. Wir gehen auf die Friedhöfe, stellen Lichter auf, richten die Grabstätten her und schwelgen in Erinnerungen.

Unvermittelt denken wir auch an den eigenen Tod. Sehen wir dann im Jenseits unsere Verstorbenen wieder? Natürlich weiß ich nicht, wie das Danach sein wird, die große Stille. Vielleicht  brauchen wir  – zumindest einige von uns  – irgendeine Vorstellung vom Leben nach dem Tod. Nachvollziehbar ist das, finde ich.

Stellt Euch mal vor, Ihr könntet den Tod treffen, ohne dass er Euch gleich mitnimmt. Und Ihr dürft  ihm alle Fragen stellen, die Euch bewegen. Über Bedürfnisse und Gefühle am Ende des Lebens – und wie wir selbst damit umgehen.

Deutschlands führende Palliativmedizinerin Prof. Dr. Claudia Bausewein aus München und der Wiener Hospiz-Experte und Physiotherapeut Rainer Simader kennen viele solcher Geschichten aus ihrem Berufsalltag. Sie wissen um die Ängste, Bedürfnisse und Hoffnungen von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen. Deshalb geben sie sehr klare Antworten auf sehr konkrete Fragen zu diesem sensiblen Thema – und machen so Mut, sich mit dem Thema Tod und Sterben zu beschäftigen und darüber nachzudenken und zu reden, bevor es zu spät ist.

„Unsere wichtigste Aufgabe“, sagt Bausewein, „ist das Reden.“ Jeder Mensch hat Fragen zum Thema Tod und Sterben. Doch die meisten von uns tun sich schwer, miteinander über das Unvermeidliche zu sprechen – aus Angst, Überforderung, Ohnmacht, Schuldgefühle oder Einsamkeit. Sensibel und kompetent gibt das Autorenteam Antworten auf ganz praktische, hochemotionale und medizinische Fragen, wie:

Wie gehe ich mit der Nachricht um, dass ich sterben werde?

Wann ist der Aufenthalt in einem Hospiz sinnvoll?

Wie kann das Sterben zu Hause gelingen?

Kann man den Tod aufhalten oder gar hinauszögern?

Woran erkenne ich, dass das Sterben bevorsteht?

Tut Sterben weh?

Darf ich mit einem sterbenden Menschen lachen – oder vor ihm weinen?

Warten Sterbende auf Angehörige, um sich zu verabschieden?

Darf ich einen toten Menschen berühren?

Wie lange dauert Trauer?

Die Autoren:

Prof. Dr. Claudia Bausewein ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin am Klinikum der Universität München und Lehrstuhlinhaberin für Palliativmedizin. Sie zählt zu den führenden Palliativmedizinern Deutschlands und ist Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Rainer Simader leitet das Ressort Bildung bei Hospiz Österreich, dem Dachverband aller Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Österreich. Der Physiotherapeut war viele Jahre sowohl im häuslichen Umfeld von Patienten und Patientinnen wie auch in einem der bekanntesten Hospize weltweit, dem St. Christopher‘s Hospice in London, tätig.

Prof. Dr. Claudia Bausewein/Rainer Simader: 99 Fragen an den Tod. Leitfaden für ein gutes Lebensende, 288 Seiten, 20 Euro, E-Book: 16,99 Euro.

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Horror-Urlaub in den schottischen Highlands

Lese-Donnerstag! Hier ein Buchtipp für Euch, der besonders gut für kommende Kaminabende geeignet ist. Und wenn das Feuer dazu hörbar prasselt, umso besser. Denn dann seid Ihr plötzlich mittendrin – in einer Berghütte in den schneereichen schottischen Highlands.

Zugegeben hat mich „Neuschnee“ am Anfang zusehends verwirrt. Es geht insgesamt um 14 Charaktere, die vorgestellt werden und mit denen man sich beschäftigen muss, um einen Durchblick zu bekommen. Das erleichtert ungemein.

Täglich habe ich mich aufs Weiterlesen gefreut, denn es wird höllisch spannend. Die subjektive Erzählweise hat sich Autorin Lucy Foley nicht einfach gemacht. Sie entsteht aus Betrachtungen einzelner Personen, die, so scheint es zumindest, genug auf dem Kerbholz haben, um auch vor Mord nicht zurückzuschrecken.

Schon auf den ersten Seiten werden wir entführt in eine märchenhaft verschneite Winterlandschaft nördlich von Edinburgh. Wir sind dabei, wenn neun Freunde zu Abend essen, mit weißen Pillen sich ein wenig Abwechslung verschaffen und schließlich gemeinsam als Mega-Highlight den Jahreswechsel verbringen. Die unheimliche Location ist eine abgelegene Lodge mit einigen Gästehütten weit draußen im Schnee. Was als romantisches Abenteuer beginnt, wird schnell zu einem Albtraum.

So recht wahrhaben wollen die Freunde ihre dumpfe Ahnung nicht: Irgendetwas stimmt nicht.  Sie feiern ausgelassen, erkunden die eindrucksvolle Landschaft und gehen auf die Jagd. Als heftiger Schneefall das Anwesen von der Außenwelt abschneidet, kippen die ausgelassenen Partys.

Nicht nur das Gerücht von einem umherstreifenden Serienmörder lässt die Stimmung immer beklemmender werden, auch innerhalb der Gruppe suchen sich lang begrabene Geheimnisse ihren gefährlichen Weg ans Licht. Dann wird einer der Freunde tot  im Schnee gefunden. Und die Situation in der Hütte eskaliert …

Lucy Foley: Neuschnee, 432 Seiten, 15 Euro

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen