Entwicklungshilfe – nur Blabla oder was?

Entwicklungshilfe_Buch

Wir kennen die verheerenden Bilder aus Afghanistan aus den Nachrichten. Die militärische Unterstützung hat kapituliert. Und im Zuge dessen auch die Entwicklungszusammenarbeit. Erst mal raus aus dem Land. Mal sehen, was die Zukunft bringt! Afghanistan ist kein Einzelfall. Mali könnte folgen. Oder Kongo. Oder die Zentralafrikanische Republik … und, und, und …

Vieles liegt im Argen, vieles wird hinterfragt. Von uns, den Otto-Normalverbrauchern, von den Experten und von den Politikern! Staatliche wie auch private Entwicklungshilfe (im Fachjargon: Entwicklungszusammenarbeit) sind immer zweischneidige Schwerter und mit vielen Kontroversen behaftet.

Frank Bremer gehört zu den Experten. Und hat nun, meines Erachtens genau im richtigen Moment, ein Buch herausgebracht. Eben genau zu dem Thema. Es wird Diskussionen geben, denn er erzählt auch vom „Draußensein“, vom „Draußenleben“, eben diese Expat-Geschichten, die Kenner der Szene immer wieder selbst erlebten und nur allzu gut wissen. Vor Jahren war auch ich Entwicklungshelferin in Afrika. Vielleicht bin ich Frank Bremer einmal über den Weg gelaufen. Wir haben zur gleichen Zeit in Benin gelebt.

Worum geht es in Bremers Werk?

Seit 50 Jahren wird die klassische Entwicklungshilfe mit immer denselben Methoden und Ansätzen durchgeführt. Zeitlich begrenzte Projekte werden mit hohem Personal- und Finanzaufwand umgesetzt, ohne dass nach ihrem Ende von unabhängigen Instanzen der Erfolg hinsichtlich Nachhaltigkeit und Breitenwirkung überprüft wird. So fällt niemandem auf, dass sie fast immer nur Strohfeuer zünden und nur selten einen Beitrag zur Armutsminderung, zur Verbesserung der Lebensbedingungen und zur wirtschaftlichen Entwicklung vor allem der ländlichen Bevölkerung leisten, dafür aber Milliarden verschwenden. Entwicklungshilfe ist so nach einer zu Beginn guten Idee zu einem lukrativen Geschäft mit der Armut ausgeartet. Der Autor analysiert mit Sachverstand und Erfahrung 50 Jahre deutsche Entwicklungshilfe in Afrika, ihre Misserfolge und deren Gründe, aber auch ihre möglichen Chancen.

Zum Autor: Frank Bremer wurde 1949 in Hannover geboren. Studium der Ethnologie, Soziologie und Entwicklungsökonomie in Heidelberg. 1977 Dissertation über die Geschichte der Kakaoproduktion in der Elfenbeinküste. Ein Jahr Studium der französischen Kolonialarchive am Centre d’Etudes Africaine in Paris, 1977 Post-Graduiertenstudium am Seminar für Landwirtschaftliche Entwicklung (SLE) an der TU Berlin.

Seine Berufserfahrung: 1978 Assistent am Institut für landwirtschaftliche Beratung der Universität Hohenheim / 1978–1983 von der GTZ entsandte Fachkraft im Projekt „CARDER Atlantique“ (Ländliche Entwicklung in einer Region in Süd-Benin) / 1984–1986 Lehrkraft am SLE der TU Berlin / 1986–1991 Leiter des Projektes „Agro-Sylvo-Pastorale Entwicklung in der Region Tillaberi“ in Niger / 1991–1994 von der GTZ entsandter Berater am Landwirtschaftsministerium, Koordinator der GTZ-Projekte für landwirtschaftliche Entwicklung und Ressourcenschutz in Burundi / 1995–1999 unabhängiger Gutachter mit Missionen in über 30 Ländern in Afrika, Zentralasien, Karibik und im Indischen Ozean. Projektvorbereitungen und -evaluierungen vor allem in den Bereichen ländliche Entwicklung und Umwelt / 1999–2004 Koordinator für das Multi-Geber-Programm für „Schutz und Management der Nationalparks in Benin“ im GTZ-Auftrag in Benin / 2004–2014 Landesdirektor der GTZ (seit 2010 GIZ) in der Elfenbeinküste / seit 2014 Hotelier in San Pedro, Elfenbeinküste.

Frank Bremer: 50 Jahre Entwicklungshilfe. 50 Jahre Strohfeuer, 150 Seiten, Paperback, 16,90 Euro, ISBN 978-3-8301-18-7

Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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