
„Wir von der kurdischen Partei unterstützen die Bewegung. Es ist das erste Mal, dass Türken gegen das Regime auf die Straße gehen.“

„Wir von der kurdischen Partei unterstützen die Bewegung. Es ist das erste Mal, dass Türken gegen das Regime auf die Straße gehen.“
David Wonschewski, Jahrgang 1977, wuchs im Münsterland auf und war über zehn Jahre als Musikjournalist für Radio, Print & Online tätig. Er gestaltete das musikalische Programm landesweiter Privatsender und führte Interviews mit Musikgrößen wie Cliff Richard, Joe Cocker, Paul Young, Bananarama, Pet Shop Boys, Kim Wilde, Sandra, Chris DeBurgh, Reinhard Mey, Bloc Party und Maximo Park.
Sein von der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft empfohlener Roman “Schwarzer Frost” ist Ende 2012 erschienen und hat ihm erste Vergleiche mit Autorengrößen wie David Foster Wallace, Bret Easton Ellis oder eben Thomas Bernhard einbringen können.
Foto: Peter Droll
aus „Schwarzer Frost“:
Mein lieber Manuel,
nun, wo die Sonne meine kleine Dachgeschosswohnung erhellt und der Schnee vor meinen Fenstern zu einer weiß glitzernden Perlenkette wird, finde ich endlich Kraft dir diesen Brief zu schreiben. So unverfroren viel Zeit ist durch uns hindurchgesickert seit wir zuletzt beisammensaßen, uns umarmten. Uns küssten. So viele Monate, Jahre sind vergangen – ungenutzt und ungelebt.
Erinnerst du dich noch? Wir saßen. Und redeten. Und um uns herum zog die Zeit ihre Kreise. Immer rings um uns herum – und doch so gänzlich unbemerkt von dir und mir. Nie haben wir die Zeit gespürt, Manuel. Nie.
So viel ist geschehen seitdem, mein Lieber. Und doch so wenig. Denn du, du bist fortgerannt. Während ich immer nur hier geblieben bin. Ja, das alte Menschenspiel: Einer muss gehen, einer bleibt zurück.
Du warst der, der gegangen ist, Manuel. Doch als du gingst, hast du mich nicht einfach verlassen. Denn du gingst und nahmst unsere Sommer mit dir. Und mit diesen Sommern die Ausgelassenheit und das Lachen jener Tage. Unserer Tage. Und mir, der ich immer hier geblieben bin, hast du lediglich die Winter gelassen.
Ja, vielleicht hätte ich dir viel früher davon erzählen sollen, vielleicht wäre es nur „freundschaftlich“ gewesen dir von der Leere zu berichten, die du hinterlassen hast. Damals. Als du gingst. Und dann einfach nicht mehr zurückkamst.
Doch verdammt, du wirktest so glücklich auf jener Photographie, die du mir zugesendet hast, kaum dass du angekommen warst in Juan-les-Pins. Erinnerst du dich wenigstens noch an diese Photographie, Manuel, mein Lieber? Braungebrannt stehst du dort, der Wind legt sich über dein Haar, dieses wundervolle Haar, das ich immer so geliebt habe. Und das du scheinbar hattest wachsen lassen just von jenem Moment an, an dem du dich entschieden hattest mich hinter dir zu lassen. Und direkt hinter deinem weichen Gesicht erstreckt sich das weite blaue Meer. Schau dir nur das Wasser an! hast du damals auf die Rückseite der Photographie geschrieben. Nur diese eine Zeile, Manuel. Nur diese eine verdammte Zeile.
Doch doch, ich hab’s versucht, wirklich versucht. Habe versucht mir das Wasser anzuschauen auf deiner Photographie. Aber es ist mir nie gelungen, bin ich doch immer nur hängen geblieben in den Zügen deines schönen Gesichts. Und dann eines Tages bist du mir vor den Augen verschwommen, Manuel. Als wärest du direkt vor meinen Augen ins Wasser gehüpft, so verschwommen bist du mir.
Weggeschwommen bist du mir. Und einfach nicht mehr aufgetaucht.
Einer ist immer der Matrose, Manuel. Sticht in See. Während ein anderer allein an Land zurückbleibt. Und wartet. Und wartet.
Hättest du mich gefragt, ich wäre mit dir gegangen damals. Ein Zucken deiner großen braunen Augen hätte ausgereicht und ich hätte alles stehen und liegen lassen hier. Hättest du mich gefragt, alle meine Winter hätte ich abgestreift, nur um dich und deine Sommer begleiten zu dürfen. Doch du hast mich nie gefragt. Sondern immer nur gelacht.
Dass einer wie ich nicht geschaffen ist für ein südfranzösisches Leben, hast du gesagt. Und dass an keinem Strand der Welt Platz wäre für all diese so tief in mir wohnende Schwere. Und vielleicht hast du sogar recht gehabt, Manuel. Männer sollten keine kurzen Hosen tragen habe ich immer zu dir gesagt. Menschen aber schon! hast du immer geantwortet, lachend.
Und dann, inmitten deines herrlichen Lachens, bist du gegangen. Einfach so. Du öffnetest die Tür, gingst hinaus, kamst nie wieder. Und hier bei mir brach dieser tiefste aller tiefen Winter aus, stülpte sich über mich, machte mich starr und sprachlos.
Nein. Ich mag dir nicht davon erzählen wie und wo ich die vergangenen Jahre verbracht habe. Doch ich möchte dir davon erzählen, dass ich in diesem März meine Fenster aufgerissen habe. Oh Gott, du hättest mich sehen sollen, ich, wirklich ich, habe sie aufgerissen, weit, ganz weit! Habe dort an meinen Fenstern gestanden, geatmet, gelächelt, geblinzelt und habe hinunter geschaut auf die Straße, die Menschen beobachtet. Habe nicht angewidert weggesehen wie früher, sondern habe geschaut, Manuel, richtig hingesehen, alles begierig in mich aufgesogen! Den Drang der Bewegung habe ich erspürt und auf meinen Lippen das Licht geschmeckt. Salz auf unserer Haut, Manuel. Salz auf unserer Haut. Du hättest mich sehen sollen.
Du hättest mich sehen sollen.
Uns bleibt keine Zeit mehr für Lügen, Manuel. Meine tiefen Winter, sie sind noch immer bei mir. Natürlich sind sie das. Und auch das Üble, das Schlimme und das Schwere, das ich so lange und so hingebungsvoll hier bei mir gebunkert habe bis du eines Tages gar keine andere Wahl mehr hattest als ans Meer zu fliehen, auch das ist noch immer hier. Es steht direkt neben mir, während ich dir diese Zeilen schreibe.
Doch alles das hat begonnen mich zu langweilen. Möchtest du mir das glauben, Manuel? Jene düsteren und depressiven Momente, die dich so oft erschrocken haben, während ich immer nur kopfüber hineingesprungen und begeistert hindurchgetaucht bin, so wie du in das weite blaue Meer hinter dir gesprungen bist – sie bedeuten mir nichts mehr, öden mich nur noch an.
Ich werde alt, Manuel. Endlich werde ich alt!
Ich weiß nicht, ob mein Brief dich jemals erreichen wird, ob du noch unter jener Adresse zu finden bist. Und so du noch immer dort bist, ob du mir antworten, diesen Brief überhaupt lesen wirst. Doch wenn du ihn liest, so bitte ich dich: Gehe jetzt sofort hinunter zum Strand für mich. Und fülle ein wenig von deinem Sand in eine kleine Flasche. Doch nimm dir Zeit dafür, Manuel, ich bitte dich. Lass die Körner einzeln durch den glasigen Hals hinab rieseln. Langsam, ganz langsam.
Unsere Zeit vergeht, Manuel. Sie kreist noch immer um uns herum, in wilden Bahnen. Aber ich spüre bereits wie sie ihr Interesse an uns verliert. Lange wird es dich nicht mehr geben. Du weißt es. Und auch ich weiß es, habe es erfahren, auf verschlungenen Wegen ist die Nachricht über deine schwere Erkrankung zu mir gedrungen. Mein Winter wird bald enden, ich kann sie schon sehen, die Wärme, sie kommt direkt auf mich zu. Und betrachte ich deine alte Photographie, so taucht auch dein verschwommenes Gesicht wieder auf, immer klarer und deutlicher wird es mir. Doch dein Winter, der beginnt gerade erst. Ich weiß, dass Du die vielen Schläuche und Kanülen nicht tragen wirst. Und auch die vielen Tabletten, du gottverdammter Sommer-Idiot in deinen blöden kurzen Hosen, du wirst sie einfach nicht nehmen! Denn dafür ist dir das Meer zu blau dort unten, der Wind zu frisch, der Himmel zu weit. Und dein Körper noch immer zu schön.
Und vermutlich hast du wieder einmal recht. Denn du besitzt keinen solchen Kanülen-Körper wie ich. Du bist nicht geboren worden Leid zu bündeln, Qual zu ertragen. Und so wirst du sie schon bald von dir reißen, diese vielen seltsamen Schläuche, wie durch ein Gestrüpp wirst du dich durch sie hindurchkämpfen. Und sie ins Meer werfen.
Du wirst gehen, Manuel. Und ich werde zurückbleiben. Wie immer. Für immer.
Gehe hinunter zum Strand für mich. Und fülle mir eine Flasche mit Sand. Aber langsam, Manuel. Ganz langsam. Geliebter.
David Wonschewski: Schwarzer Frost, 238 Seiten, 13,50 Euro. Auch als E-Book erhältlich (8,49 Euro).

Ich finde es sehr beeindruckend, was dieser junge Demonstrant am Taksin-Platz in Istanbul sagt: „Ich bin hier und protestiere gegen die Abholzung der Bäume. Wo sonst soll ich mit meinem Hund spazieren gehen als in diesem Park? Denn wir leben ganz in der Nähe. Wir – Menschen und Hunde – brauchen ein Stückchen Natur inmitten der Betonwüste, um uns wohlzufühlen.“
Masuren
Nein, ich gehöre nicht zu den Menschen, die familiär irgendetwas mit Ostpreußen zu tun haben. Trotzdem ist Masuren für mich ein „Sehnsuchtsland“. Ich war nun zum zweiten Mal hier und wieder begeistert. Stundenlang könnte ich auf einem Bootssteg sitzen und die Landschaft betrachten. Vor mir: Schilf, Wasser und die Unendlichkeit des Himmels. Schöner kann Urlaub kaum sein.
Wir hatten ein Hotel in Mragowo, auf deutsch Sensheim, mitten in Masuren. Zu meiner Urlaubslektüre gehörte das Buch Veruschka. Mein Leben. Veruschka von Lehndorff galt in den 1960ern als das deutsche Topmodel. Geboren in Steinort an einem der unzähligen masurischen Seen wuchs sie in Adelskreisen und behütet von Gouvernanten auf. Bis zu dem Tag, als ihr Vater, Graf Heinrich von Lehndorff, als Mitglied des Widerstandes im September 1944 hingerichtet wurde. Er war neben Graf von Stauffenberg maßgeblich an dem missglückten Attentat auf Hitler beteiligt.
Nach einer kurzen Kindheit begann die Tragödie ihres Lebens, als sie sechs Jahre alt war. Flucht, Vertreibung aus Ostpreußen, Kinderheim, Internate und dann der Weg in die internationale Modelkarriere.
Natürlich führte mich mein Weg nach Steinort, heute ist der Lehndorffsche Palast eine Ruine, allerdings mit der Idee, sie in bilateraler Zusammenarbeit zu renovieren.


Es wäre wünschenswert, ein Ort mit dieser Historie sollte sich mit dem Erbe der Vergangenheit auseinandersetzen und es bewahren. Die Journalistin und ZEIT-Herausgeberin Marion von Dönhoff wuchs ganz in der Nähe auf, allerdings weiter nördlich im heutigen Russland. Sie war die Patentante Veruschkas, soviel nur zu den familiären Zusammenhängen.
Nach einigen Tagen lernte ich durch Zufall in dem winzigen Ort Galkowo die Journalistin Renate Marsch kennen. Sie war Kollegin und Freundin Marion von Dönhoffs und arbeitete als Korrespondentin einer deutschen Nachrichtenagentur in Warschau und Kaliningrad zu Zeiten des Kalten Krieges. Ich traf sie im ehemaligen Forsthaus der Lehndorffs in Galkowo. Einst stand dieses denkmalgeschützte Gebäude in Steinort, doch ihr Sohn Alexander transferierte es nach Galkowo, wo es originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Heute findet man hier ein kleines Museum und ein Restaurant mit Außenterrasse. Auch nach ihrer Pensionierung blieb Renate Marsch in Polen. „Mein Vater war Förster, und ich habe eine tiefe Liebe zu den Wäldern“, sagte sie. Daher entschied sie sich, ihren Lebensabend in Masuren zu verbringen. Wir unterhielten uns über den Journalismus zu Zeiten des Eisernen Vorhangs, im Allgemeinen und Besonderen, leider war die Begegnung viel zu kurz und wir verabredeten ein Wiedersehen irgendwann.


Fronleichnam verbrachte ich in Heiligelinde, einem der bekanntesten Wallfahrtsorte von Polen, nur wenige Kilometer von Mragowo entfernt. Die Polen sind ein gläubiges Volk, sowohl hier als auch in Mragowo fanden Messen und Gottesdienste statt. Ich unterhielt mich mit dem Jesuitenpriester Marek. Er ist glücklich, an diesem bekannten Pilgerort zu sein, denn dadurch hätte er Kontakte zu Menschen aus aller Welt. Er schwärmt von seiner Priesterausbildung in Rom, überhaupt sei Italien das schönste Land, das er kenne. Ein sympathischer junger Mann, der perfekt Englisch sprach und mir Gottes Segen für meine zukünftigen Reisen wünschte.




Ortswechsel Wolfsschanze. Hitlers Hauptquartier von 1941 bis 1944. Eine mächtige Bunkeranlage im Dschungel von Masuren. So kann ich die Gegend nicht anders bezeichnen, denn sie beeindruckte mich mit ihren dichten Wäldern und fast tropisch anmutenden Farnen und Pflanzen. Hier fand es also statt, das berühmte Attentat auf Hitler im Sommer 1944, das ihn fast unverletzt ließ, wofür aber zahlreiche Widerstandskämpfer, darunter viele Aristokraten aus Ostpreußen, mit dem Leben bezahlen mussten. Ich streifte stundenlang durch den Wald, vorbei an moosbewucherten Betonbauten, die einst das Schreckensregime des Dritten Reiches beherbergte. Ich war fasziniert, anders kann ich es nicht beschreiben, von der Anlage, die schon fast gespenstisch in den Wäldern liegt. Ein paar englische Touristen machten sich einen Scherz daraus, mit einem alten Militärmoped und einem Panzer auf den Waldwegen herumzubrettern.



Einen weiteren Nachmittag verbrachte ich mit Fährmann Robert auf der Krutyna, angeblich Europas schönstem Fluss. Mit einem Kahn stakten wir durchs Gewässer, die Gegend war so fremdartig und einzigartig, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Robert erzählte mir, dass die meisten Touristen aus Deutschland kämen, darunter viele so genannte „Heimwehtouristen“, die das Land einst als Flüchtlinge verlassen mussten.

Ein paar Kilometer entfernt dann das winzige Dorf Cierzpiety. Nichts Besonderes für die Einheimischen hier, aber für mich. Eine Bilderbuchlandschaft, deren Bilder aus einem Buch aus dem 1950er Jahren stammen könnten. Ein oder zwei Kilometer vom Dorf entfernt entdeckte ich einen der idyllischsten Seen Masurens. Kein Mensch weit und breit, nur Schilf und ein paar verfallene Holzstege. Dazu dieser endlose Himmel mit seinen Wolkenkreationen.


Erst als ich nach Mragowo zurückfuhr wachte ich aus dem Traum, der mich in fast vergessene Landschaften führte, wieder auf.
Soviel nun zu den Urlaubstagen in Masuren. Schön, noch einmal dagewesen zu sein. Ich hoffe, es ist nicht das letzte Mal gewesen!
Dowidzenia, Polsko!
Werbellinsee
Einige Jahre meines Lebens habe ich mit dem Deutschen Entwicklungsdienst, besser bekannt als DED, verbracht. Zuerst als Entwicklungshelferin in Westafrika, dann als so genannte Hauptamtliche in der Zentrale in Bonn. Warum ich mich so ausdrücke hat seine Gründe. Für mich und viele andere, die ich während dieser Zeit und auch danach kennenlernte, ist die Zugehörigkeit zum DED eine Lebenseinstellung. Klar, ich kann auch sagen, ich habe für den DED gearbeitet, aber es war mehr. Die Zeit war prägend für mich und meine Persönlichkeit und zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.
Wie alles war …
Den DED gibt es nicht mehr. Zu Beginn des Jahres 2011 wurde er aufgelöst, vielmehr integriert in die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, kurz GIZ. Somit entstand gemeinsam mit InWEnt und der ehemaligen Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) Deutschlands größter staatlicher Entwicklungsdienst. Chef ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Aber der Reihe nach und das nur als Hintergrundinformation. Als ich vor etwas über einem halben Jahr vom DED-Freundeskreis und der Berliner Initiative ded50 die Einladung zum 50. DED-Gebrutstag bekam, sagte ich sofort zu. Und mit mir noch rund 750 weitere Menschen, die den DED kennen, lieben oder auch hasslieben.
Ende Mai trafen wir uns am idyllischen Werbellinsee nördlich von Berlin in der Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte (EJB).
Die Anlage ist ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten, und für den Ansturm riesiger Gruppen bestens ausgerüstet mit weitläufigem Park, der an manchen Stellen an einen Urwald erinnert, zwei großen Kantinen, einer so genannten Festhalle für Veranstaltungen aller Art und zahlreichen Herbergshäusern mit Doppel- und Mehrbettzimmern. Leider blieb der angrenzende Seestrand ungenutzt, da die Temperatur Ende Mai eher der im November ähnelte.


Nichtsdestotrotz: Das Wiedersehen war überwältigend. Wie mir ging es vielen auch: Ich kannte die Gesichter, aber nicht mehr die Namen. Doch kein Problem, wir kamen schnell ins Gespräch, erinnerten uns an Anekdoten, die längst vergessen schienen, an Menschen und Wegbegleiter, die nicht mehr unter uns sind und viele, viele Ereignisse, die man in dieser Form nur als DEDler erleben konnte.


Die Podiumsdiskussion „Entwicklungsdienst: gestern – heute – morgen“ fand in der Festhalle statt. Alle Plätze waren belegt, denn das Who is Who der deutschen Entwicklungszusammenarbeit hatte sich angekündigt: Dr. Erhard Eppler, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit von 1968 bis 1974, Uli Post, VENRO-Vorsitzender, Manfred Dassio vom DED-Freundeskreis und früherer DED-Landesdirektor in Kamerun, EZ-Beraterin Hildegard Schürings, die ehemalige Entwicklungshelferin Anke Müller-Belecke und Wolfgang Kreissl-Dörfler, Mitglied des EU-Parlaments.

Bewahren und behalten
„Es gibt etwas, das man bewahren und behalten sollte“, brachte es Dassio auf den Punkt. Das zentrale Anliegen des Freundeskreises sei, den Entwicklungsdienst zurückzuholen, nicht als Kopie des DED, sondern vor allem wegen seiner Grundwerte. Müller-Belecke kritisierte die Entwicklungszusammenarbeit von heute „als starres Gebilde mit exorbitanten Personalkosten“, in der die Partner in den Ländern nicht mehr auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Post sprach von einem neuen Leitbild für Entwicklungshelfer, das von der GIZ entwickelt und in einigen Monaten vorgestellt wird. Und dass trotz einer globalen Entwicklung die Solidarität vor wirtschaftlichem Eigeninteresse stehen müsse. Denn es ginge nicht mehr nur um die Vermittlung von Kompetenzen sondern um deren Austausch mit den Partnern vor Ort. Der DED hat sich immer stark auf die Zivilgesellschaft fokussiert. „Heute ist das anders“, sagte Müller-Belecke. „Die Zivilgesellschaft in den Partnerländern steht ganz hinten an.“
„Take care of your young people!“
Eppler war erstaunt, welchen menschlichen Zusammenhalt und welches Gemeinschaftsgefühl der DED hervorgerufen hat. Er bezeichnete ihn als Erfolgsmodell, als Dienst, der für viele Biografien prägend geworden sei. „39 Jahre nach meinem Rücktritt ist mir nicht gleichgültig, was aus dem DED wurde.“ Dann plauderte er aus dem Nähkästchen: Davon, dass sich die Presse Anfang der 1970er Jahre auf die Entwicklungshelfer gestürzt habe, genau dann, wenn mal was schief ging. Und er erinnerte sich an die Worte von Indira Gandhi: „You should take care of your young people yourself!“ Denn damals seien die Entwicklungshelfer viel politischer gewesen. Sie standen für eine neue Bewegung, für ein neues Lebensgefühl und die, die zu diesem Kreis gehörten, waren auch mit dabei am Werbellinsee und erzählten von früher, vom DED in den Kinderschuhen und wie sie damals von der Gesellschaft beäugt und wahrgenommen wurden.
Eine interessante Diskussion, die aber das Wichtigste nicht übersah: Ein neuer Freiwilligendienst oder ein neuer Entwicklungsdienst braucht in erster Linie finanzielle Hilfe vom Staat. Und daran wird wohl auch das Bestreben, etwas Neues zu etablieren, gelingen oder scheitern.
Info_DED-Freunde

