Charity and Solidarity

DSCF8196 (Large)„I don’t believe in charity. I believe in solidarity. Charity is so vertical. It goes from the top to the bottom. Solidarity is horizontal. It respects the other person. I have a lot to learn from other people.“

Eduardo Galeano

Photo: Enric Boixadós

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Lust auf …

Amaryllis26, Lust auf FikkenFikken? Nein, anstößig ist das Buch nicht. Und auch nicht vulgär. Zumindest für mich nicht. Denn es geht um das Kennenlernen und um das Verabreden mit Männern. Auf die digitale Art und Weise! Und es geht um Abgründe, um ganz tiefe, nämlich die des Internetdatings.

Nennen wir die Autorin doch Amaryllis26. Diese junge Frau, Mitte oder Ende 20, geht auf die Pirsch, schlüpft in verschiedene Rollen und stellt diese in unterschiedliche Single-Börsen. Mal als Belle de Jour, als Sweet Sweet Kiss oder Lavendelrausch. Diese Rollen sind schon ziemlich abgefahren. Dann aber auch als erotische Amour de Luxe, als biedere Dirndlmarie oder als schon ältere und schüchterne Gänseblume.

Mir hat’s Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Die Autorin protokolliert die peinlichsten Fehler der Männer, wie beispielsweise die langweiligsten Profiltexte oder die kläglichsten Selfies, mit denen sich manche im Netz zeigen. Oder Sprüche, die anmachen sollen, aber nur lachhaft sind. Was sie erlebt hat, ist schier unglaublich … und teilweise sehr lustig. Sie hat nur authentisches Material verwendet.

„Die Realität schlägt jede Fantasie“, sagt die Autorin, die auf dem Cover das Pseudonym „Amaryllis26“ trägt. Während der Recherche hat sie keinen der Männer getroffen. Das war ihr so genannter Ehrenkodex. Trotzdem hat sie letztendlich die große Liebe im Internet gefunden.

Ganz klar: Das Buch könnt Ihr gewinnen. Wie findet ihr Internetdating? Kennt Ihr jemanden, der die große Liebe im Netz kennen gelernt hat? Antwortet mit einem Kommentar bis Samstag, den 27. Juni 2015. Dann nehmt Ihr an der Verlosung teil. Viel Glück!

Amaryllis26: Lust auf Fikken, 297 Seiten, 9,99 Euro.

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Griechenland isst anders

TV-Köchin Jotta Mitsiou-Polychronidou (rechts) hat die Leidenschaft für gutes Essen von ihrer Mutter geerbt.

TV-Köchin Jotta Mitsiou-Polychronidou (rechts) hat die Leidenschaft für gutes Essen von ihrer Mutter geerbt.

Gutes Olivenöl ist das A und O der griechischen Küche.

Gutes Olivenöl ist das A und O der griechischen Küche.

Ein paar von Jottas Köstlichkeiten.

Ein paar von Jottas Köstlichkeiten.

Ich treffe während meiner kulinarischen Reise zum Berg Athos in Griechenland die bekannte TV-Köchin Jotta Mitsiou-Polychronidou, die am Abend im Hotel Alexandros Palace kocht. Ich bin in Ouranoupoli, einem kleinen verschlafenen Ort mit einem langen Sandstrand, der an der wuchtigen Mauer des Klosterbezirkes vorbeizieht.

Jotta spricht akzentfrei deutsch. Sie ist in Bochum als Tochter griechischer Gastarbeiter aufgewachsen und hatte bis Mitte 2000 das Restaurant Wiwaldi in Dortmund. Seit rund zehn Jahren lebt sie in Thessaloniki. „Wegen meinem Mann, der aus der Stadt kommt“, sagt sie. Doch auch hier kann Jotta ihre Leidenschaft für das Kochen ausleben. Sie hat eine eigene Koch-Show im Fernsehen und steht für regionale und gesunde Küche.

„Meine Begeisterung für gutes Essen schulde ich meiner Mutter, die fantastisch kocht.“ Schon von klein auf war sie mit der griechischen Küche vertraut. Sie legt viel Wert auf Bio-Produkte. Heute abend kocht sie Gutes aus der Klosterküche der Berg Athos-Mönche. Es gibt kein Fleisch, dafür umso mehr Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte.

Jotta lässt mich in die Kochtöpfe schauen. Sie spricht über das beste Olivenöl, wie man es erkennt, wie die Unterschiede schmecken und wie die beste Konsistenz ist. „Leider gibt es in meiner Nachbarschaft nur einen Bioladen. Und der muss kämpfen, um zu überleben“, sagt sie. Es fehle bei ihren Landsleuten noch an sehr viel Aufklärung und Verständnis für biologische Erzeugnisse. „Nur sehr wenige ernähren sich bewusst und unter biologischen Voraussetzungen“, ergänzt sie. Eine Teilschuld gibt Jotta den Preisen. „Diese Erzeugnisse sind hier noch sehr teuer, wie eben damals zu Beginn des Bio-Booms in Deutschland.“

Ihre Leidenschaft hat sie in einem Kochbuch verarbeitet. Auf deutsch! Mit vielen Bildern und so verständlich geschrieben, dass man Lust aufs Nachkochen bekommt. Die Kapitel gliedern sich in Frühstück, Mittagessen, Frische Nudeln, Salate, Zwischenmahlzeiten, Abendessen, Gebäck und Ideen für eine Kinderparty. Auch auf letzteres legt die mehrfache Mutter großen Wert.

Später bringt sie eine Vielzahl an Köstlichkeiten auf den Tisch. Die kulinarische Reise kann beginnen.

Jotta Mitsiou-Polychronidou: Griechenland isst anders, 243 Seiten, 24,95 Euromama jpgJottas Spezialitäten aus der Mount Athos-Klosterküche:

Ich war als Gast bei Jotta Mitsiou-Polychronidou und im Hotel Alexandros Palace. Meine Meinung ist wie immer meine eigene.

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Scottish Pub Tradition

L1170458 (Large)Are you looking for good beer, a great atmosphere or just a hip location? Scotland has it. So many excellent pubs are waiting for you. It is just difficult to choose the best. But here are my 5 suggestions in Edinburgh.

Indeed Edinburgh is one of Scotland’s most haunted cities. The Pub The White Hart Inn is no exception. It stands out with its legacy. Claimed to be Edinburgh’s oldest pub, with parts of the building and cellar dating back to 1516, the remainder of the pub is said to descend from 1740. The name dates back to an incident in 1128 when King David I encountered a white deer while hunting in what is now Holyrood Park.

The White Hart Inn was voted Edinburgh’s most haunted Pub in 2005! Did you know? The Beehive Inn, Black Bull, Greyfriars Bobby and Captains Bar are more choices.

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Style is more than clothes

FullSizeRender (Large)No, I do not have a certain style. I love to get inspiration from the street, from people I meet on my ways, their clothes and their looks. During my travels I find sometimes really nice things, like ethno pieces, especially in Asia, Africa or Latin America.

And I like to wear them. My friend is a Tanzanian fashion designer. She is actually creating an individual dress for me. I am so curious about it. I only chose the colors of the material and had to give her my measures.

Normally, my fashion style is unplanned, and is generally a reflection of my mood. I think style encompasses more than just the clothes you see: The way one walks, talks, stands, and, most importantly, the confidence above all. Together it is the creation of style.

By the way, I am not a fashion expert. Not at all!stevejobs

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Trend des Tages – 22. Juni 2015

L1170456 (Large)What for a great idea! Finally time for shopping, the beauty parlour and chatting with girl friends! That is going to make my day! Thanks to The White Hart Inn in Edinburgh!

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Kurz nachgebellt: Gaston’s question

IMG_3054 (Large)„Why do you go away? So that you can come back. So that you can see the place you came from with new eyes and extra colors. And the people there see you differently, too. Coming back to where you started is not the same as never leaving.“

Terry Pratchett

Photo: Enric Boixadós

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Die Kunst des Reisens

Theroux 001

Ich bin auf Reisen. In Venedig. Mit Freunden. Zur Biennale. Zum Pasta essen. Zum Bummeln. Ach, wie schön!

Der Reiseschriftsteller Paul Theroux hat es auf den Punkt gebracht. Ich kann alle 10 Fragen mit „Ja“ beantworten!

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A new voyage

IMG_3182 (Large)„When we get out of the glass bottle of our ego and when we escape like the squirrels in the cage of our personality and get into the forest again, we shall shiver with cold and fright. But things will happen to us so that we don’t know ourselves. Cool, unlying life will rush in.“

D. H. Lawrence

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Evelyne Leandro: Lepra ist kein Fluch!

P1110118 (Large)Berlin: Gespräch vom 29. November 2012

Heute ist Evelyne Leandro gesund und hat ein Buch über ihre Krankheit geschrieben.

Evelyne Leandro war 31 Jahre alt, als man bei ihr Lepra diagnostizierte. Die junge Brasilianerin hatte sich gerade in Deutschland eine Existenz aufgebaut, die Sprachschule erfolgreich absolviert und war dabei, einen guten Job zu bekommen. Die Diagnose traf sie wie aus heiterem Himmel. Wo und wie sie sich infiziert haben könnte, bleibt ihr bis heute ein Rätsel. Behandelt wird sie in ihrer Wahlheimat Berlin. Mit Zuversicht blickt sie in die Zukunft, denn im Mai – nach einer einjährigen Behandlung – wird sie geheilt sein. Über ihre Krankheit, ihre Gefühle und ihrem Mut, nicht aufzugeben, spricht sie in einem Interview.

Was war Ihre erste Reaktion nach der Diagnose?

Ich war total verzweifelt. Während meines ersten Jahres in Deutschland wollte ich Leute kennenlernen, mich einfinden. Im zweiten Jahr fand ich eine gute Arbeit, dachte, dieses Jahr ist mein Jahr, ich wollte mein Deutsch perfektionieren. Plötzlich war mir klar, dass ich all diese Ziele nicht erreichen werde, da ich krank wurde. Ich fühle mich mehr Deutsch als brasilianisch, ich plane gerne, konnte aber nichts mehr planen, da ich nicht wusste, was passieren wird. Ich dachte nur daran, dass ich eine schwere Krankheit habe, die es so in Deutschland nicht mehr gibt.

Ihrer Meinung nach, haben Sie eine Erklärung dafür, woher Ihre Erkrankung kommen könnte?

Keine Ahnung, das war eine Frage, die mich sehr beschäftigt hat. Wo habe ich mich angesteckt und wie? Es hat lange gedauert, bis ich bemerkt habe, dass es auf diese Frage keine Antwort gibt. 2004 Jahren hatte ich einen Motorradunfall, ich hatte eine offene Wunde am linken Arm, war zwei bis drei Wochen mit Wunde, und war in einem öffentlichen Krankenhaus im Bundesstaat Bahia. Manche Ärzte sagen, es könnte davon kommen, andere schließen es aus. Vielleicht von Oma oder Opa, aber die haben nie Anzeichen gehabt.

Was meinen Sie mit „dritter“ Version der Lepra?

Lepramatöse Lepra, das ist die schlimmste Art der Lepra.

Wie lange dauert Ihre Behandlung noch und wo wurden Sie behandelt?

Bis Mai 2013, das ist dann genau ein Jahr. Im Januar 2012 kam ich in Berlin ins Krankenhaus, dann nach Hamburg für drei Wochen. Dort begann ich mit einer 3er-Kombination für drei Wochen. Komplikationen traten auf, die Dosis wurde reduziert Seit Mai 2012 nehme ich die 3er-Kombination, ab da rechnet man mit einem Jahr Behandlungsdauer. Im Mai traten bei mir allergische Reaktionen auf, ich war in der Charite in Berlin zur Kontrolle. Das Medikament Dapson wurde abgesetzt, ich nahm eine hohe Dosierung Cortison für 20 Tage. Cortison in geringerer Dosis nehme ich bis heute um mein Immunsystem zu stabilisieren. Die Nebenwirkungen: Ich war verwirrt, hatte schwere Depressionen wegen den Medikamenten. Hinzu kam, dass ich in einer fremden Sprache mit den Ärzten sprechen musste, und konnte daher meine Gedanken nicht richtig ausdrücken. Ich drehte fast durch. Das war mein Hauptproblem, es hat lange gedauert, bis ich einen Satz aufbauen konnte. Ich habe immer nachgedacht. Ich hatte keinen klaren Kopf mehr, konnte mich nicht mal mehr in meiner Heimatsprache ausdrücken. Ich verstand mich selbst nicht mehr. Jetzt nehme ich eine viel geringere Dosis an Medikamenten, jetzt geht es mir besser. Einmal nahm ich 30 Tabletten pro Tag, Schmerztabletten inklusive, das ist jetzt Vergangenheit – zum Glück!

Was waren Ihre ersten Symptome?

Im September 2011 war ich bei einer Hautärztin, da ich Flecken am Körper hatte. Sie diagnostizierte Borreliose. Drei Wochen wurde ich gegen Borreliose behandelt. Im Januar 2012 traten die Flecken wieder auf, diesmal mit Schmerzen. Die Hautärztin war ratlos. Im Krankenhaus Vivantes/Berlin war ich 10 Tage, Lepra wurde diagnostiziert. Anschließend kam ich nach Hamburg ins Universitätsklinikum Eppendorf, Tropenmedizin, vom 3. bis 28. Februar 2012. Ich bekam wegen der Medikamente Komplikationen mit großen Schmerzen. Im Mai war ich für 10 Tage in der Charite-Mitte in Berlin.

Ihrer Meinung nach, sind deutsche Mediziner überhaupt auf die Behandlung von Lepra eingestellt?

Nein, aber sie sind sehr fleißig. In Hamburg, die hatten Ahnung! Hier in Berlin, das sind Spezialisten aus Büchern. Jede Art von Lepra ist anders, andere Leute haben wohl ganz andere Reaktionen als ich, und das ist wohl das Problem. In Brasilien haben die Ärzte mehr Ahnung, da sie viele Fälle haben. Aber da gibt es andere Probleme mit dem dortigen Gesundheitssystem. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist viel besser. Hier kümmert sich ein Arzt allein um mich, dort muss sich ein Arzt um Hunderte von Leprapatienten kümmern. Meine Familie hat mich mehrmals gefragt, warum ich mich nicht in Brasilien behandeln lasse. Doch da sind die Zustände in den öffentlichen Krankenhäusern sehr schlecht.

Wie lange dauerte es, bis die Lepra-Diagnose festgestellt wurde?

Von September an, als bei mir Borreliose festgestellt wurde, vier Monate. Meine Mutter war es, die mir geraten hatte, mich auf Lepra testen zu lassen, nachdem ich gesagt hatte, dass ich Flecken mit Schmerzen habe. Sie hat mir den Tipp gegeben. Ich habe dann den Ärzten im Vivantes gesagt, dass es auch Lepra sein könnte. Dann wurden fünf Gewebeproben entnommen und nach ca. einer Woche stand es fest. Das Kuriose war, dass ich einen Tag nach dem offiziellen Welt-Lepra-Tag die Diagnose bekommen hatte.

Sie hatten Haarausfall durch Chemotherapie. Warum bekamen Sie Chemotherapie bei einer Lepraerkrankung? Welche Form von Chemotherapie war es?

Die Kombination von diesen drei Antibiotika heißt Chemotherapie. Drei Antibiotika, zwei davon täglich und eine monatlich. Haarausfall ist bei dieser Chemotherapie nicht normal, ich vermute aber, ich hatte ihn wegen dem ganzen Stress. Nach einer dermatologischen Behandlung wurde es auch besser.

Wie beschreiben Sie die Nebenwirkungen?

Magenschmerzen, Magenentzündung, ich konnte nicht normal essen, hatte Darmprobleme, Verwirrtheit, Herzklopfen, Mondgesicht, geschwollene Beine, ich konnte nicht laufen, konnte wegen den Schmerzen in den Beinen auch keine Hausarbeit verrichten, zitterte beim Aufstehen: „Ich war morgens wie ein Zombie!“ Hinzu kamen noch Schwindel, Gliederschmerzen, Schwäche, Erschöpfung.

Sie schlucken eine Vielzahl an Medikamenten. Wie wirkt sich die Einnahme aus?

Ich habe Halsschmerzen durch das Medikamente schlucken.

Ab wann können Sie als geheilt betrachtet werden?

Nach dem Ende der Behandlung im Mai 2013.

Sie haben die Ärzte erst darauf gebracht, dass Sie an Lepra erkrankt sein könnten. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen?

Durch meine Mutter und die Recherche im Internet in meiner Heimatsprache. Es gibt viele Infos auf Portugiesisch: Wie man diagnostiziert und welche Medikamente man nehmen muss.

Mit wem sprechen Sie über Ihre Krankheit?

Mit meinem Mann, meinen Freunden. Erst dann mit der Familie in Brasilien. Ich redete auch viel mit meinem Psychotherapeuten auf Deutsch, weil ich so verzweifelt war und so viele Fragen hatte.

Ihr beruflicher Werdegang?

BWL und Marketing habe ich in Brasilien studiert und mit einem Master abgeschlossen. Als Beraterin zu CSR und Nachhaltigkeit habe ich in ganz Brasilien gearbeitet. Außerdem veröffentlichte ich drei Leitfäden zur Gründung einer Nichtregierungsorganisation, das beinhaltete Management, Fundraising und Projektentwicklung. In Deutschland machte ich Praktika bei einer Firma zu „grüner Technologie“ und als Marktanalystin. Während ich als Analystin arbeitete, habe ich meine Diagnose erfahren. Jetzt bin ich noch krankgeschrieben.

Wie haben Sie Lepra früher wahrgenommen, als Kind, als Jugendliche?

Als Kind gar nicht, als Jugendliche habe ich staatliche Kampagnen im Fernsehen gesehen, das war der einzige Kontakt. Auch kenne ich die Geschichte der Leprosarien in Bahia. Die gab es ja sogar noch bis vor einigen Jahrzehnten.

Ist es der „normalen“ Bevölkerung überhaupt bewusst, dass sie beim Auftreten von Hautflecken Lepra haben könnte?

Ich denke nicht.

Was war Ihr erster Gedanke, als bei Ihnen die Flecken auftraten?

Ehrlich gesagt habe ich gedacht, dass Stress der Auslöser war. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr gestresst. Oder dass ich zu wenig Sonnencreme aufgetragen habe. Denn am Anfang waren die Flecken sehr hell.

Was möchten Sie anderen Leprapatienten mit auf den Weg geben?

Dass es ein Ende gibt. Wir wissen von Anfang an, dass wir geheilt werden können. Im Unterschied zu einem Krebspatienten können wir sicher sein, dass es eines Tages beendet ist. Unser Leiden wird eines Tages Vergangenheit sein.

Ihr Appell an die deutsche und brasilianische Gesellschaft, wie sie mit Leprapatienten umgehen sollte?

Nicht jeder hat so viele Informationen wie ich über meine Krankheit gesammelt. Es gibt nur schreckliche, alte Abbildungen von Leprapatienten. Lepra gibt es in Deutschland nicht mehr, es gibt kein Risiko. Aber es gibt Leute, die woanders unter Lepra leiden und da ist es wichtig, dass auch persönlich auf die Leute eingegangen wird. Ihnen sollte man erklären, wie man auch mit Lepra-Verstümmelungen oder -Zeichen weiterarbeiten kann. Zum Glück habe ich noch Gefühl in den Händen und Füßen. Und Lepra ist kein Fluch, sondern eine Krankheit. Und sie ist auch nicht ansteckend, sobald man sich der Behandlung unterzieht. Eine Ansteckung ist sehr schwierig.

Wird die Erkrankung Ihr Leben dauerhaft verändern?

Außer Kinderkrankheiten war ich nie krank. Ich war nie im Krankenhaus, nur bei dem Motorradunfall für zwei Stunden. Doch jetzt, nachdem ich so viele Tage in Krankenhäusern verbracht habe, musste ich mich total umstellen, meine Arbeit und Ziele aufgeben. Ja, ich hatte viele Ziele, ich bin nicht mehr die gleiche Person, wenn ich mich heute im Spiegel betrachte. Vielleicht werde ich in sechs Monaten in den Spiegel schauen und denken, ja, ich habe es geschafft. Für mich als Ausländerin ist es eine Herausforderung, in Deutschland eine Arbeit zu finden. Ich will fließend deutsch sprechen lernen. Ich muss nun lernen, mit meinem neuen ICH zu leben.

Welche Bedeutung hat die Arbeit der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. für die brasilianische Bevölkerung?

Vielleicht weiß ich es nächste Woche, wenn ich Manfred Göbel treffe (Anmerkung der Redaktion: DAHW-Repräsentant in Brasilien). Da geht es vor allem um Einfluss. Die Medikamente in Brasilien sind gratis, das Krankenhauszimmer aber nicht. Man bekommt kein Zimmer, zumindest nicht im Krankenhaus eines kleinen Ortes. Das ist unmöglich.

Wieso haben Sie gerade Kontakt zur DAHW aufgenommen?

Ich habe eine Reportage über Ruth Pfau gesehen. Ich wollte mit einem Arzt sprechen, der mehr Erfahrung hat. Über die Ruth Pfau-Recherche kam ich auf die Internetseite von der DAHW. Es ging auch darum, ob ich ein oder zwei Jahre Behandlung machen muss. Die Ärzte von der DAHW haben mich überzeugt, dass ein Jahr ausreicht. Das habe ich so auch meinem Arzt im Tropeninstitut in Berlin gesagt. Der wollte bei mir nämlich eine Behandlung von zwei Jahren ansetzen.

Wie kann das brasilianische Gesundheitssystem vom deutschen lernen und umgekehrt?

Lernen kann man immer, das Problem ist die Veränderung. Hier in Deutschland gibt es mehr Struktur zu dieser Krankheit, in Brasilien dagegen mehr Wissen.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema Forschung und Lepra?

Die Krankheit ist da, man kennt das Bakterium. Forschung sollte hinsichtlich dessen erfolgen, wie Nebenwirkungen von Medikamenten, Schmerzen, das Leiden vermieden werden kann.

Wie viel wussten Sie über die Krankheit Lepra, als sie bei Ihnen erstmals diagnostiziert wurde?

Alles. Ich hatte schon so viel über Lepra gelesen. Ich habe immer sofort recherchiert, sobald ich ein Medikament bekommen habe. Ich habe mich daran orientiert, ob das Medikament, das ich bekomme, auch in Brasilien genommen wird. Wenn nicht, habe ich es verweigert, da es meines Erachtens noch nicht ausreichend erforscht war.

Wie hat Ihre Familie in Brasilien auf Ihre Krankheit reagiert? Hat sie sich untersuchen lassen?

Ich habe meiner Familie und engen Freunde vorgeschlagen, sich auf Lepra untersuchen zu lassen. Ich denke, niemand hat meinen Rat angenommen. Ich habe sie aber hinsichtlich des Auftretens von Hautflecken gewarnt.

Wie war die Reaktion bei Ihrer deutschen Familie? Hat sie sich untersuchen lassen?

Ja, alle Familienmitglieder haben sich untersuchen lassen. Das Gesundheitsamt sprach mit meinem Mann, er musste es tun, ebenso wie seine Kinder. Normalerweise sollen sie sich in Zukunft alle sechs Monate untersuchen lassen.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Ich möchte meine Gesundheit wieder haben und eine Arbeit finden.

Danke für das Gespräch.

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