Das Mysterium Elena Ferrante

Frantumaglia

Sie hat Bestseller geschrieben wie „Meine geniale Freundin“  und das „Lügenhafte Leben der Erwachsenen“. In Italien ist sie ein Weltstar und auch im Rest der Welt hat sie sich als Bestsellerautorin einen Namen gemacht. Wer sie letztendlich ist, weiß niemand.

Elena Ferrante hält ihre Identität geheim, gibt sie nicht preis. Gehen wir mal einfach davon aus, dass es sich bei Ferrante um eine Frau handelt. Vor Jahrzehnten erhielt der kleine italienische Verlag Edizioni e/o ein Manuskript von ihr. Unter einer Bedingung: Ferrante wollte anonym bleiben. Viele Jahre später, sie ist längst berühmt, vergleicht man sie mit Kafka oder Dickens oder Proust. Doch noch immer weiß niemand, welche Person tatsächlich hinter Ferrante steckt.

„Ich werde keine Einladung zu Diskussionen oder Tagungen annehmen. Keiner Preisverleihung beiwohnen. Ich werde mich nur schriftlich äußern“, sagt Ferrante in dem Hörbuch „Frantumaglia“. „Ich glaube, Bücher brauchen, wenn sie einmal geschrieben sind, keinen Autor mehr.“ Interessante Einblicke in die poetische Werkstatt der Bestsellerautorin gibt das Hörbuch, gelesen von Eva Mattes, der deutschen Stimme von Ferrante. 

Ferrantes Strategie mag dazu beitragen, jedes ihrer Werke in die Bestsellerlisten zu katapultieren. Doch diese Erklärung, warum sie ihre Identität nicht preisgibt, wäre zu einfach. Eine gekonnte Marketing-Strategie, die dahinter stecken könnte, würde nun schon seit 30 Jahren andauern. Doch kann man diese wirklich über Jahrzehnte durchhalten? Und so konsequent? Oder ist es Ferrantes eigene Entscheidung, für immer oder zumindest für eine sehr lange Zeit ein Mysterium bzw. ein Pseudonym zu bleiben? Ich denke, ihren Leserinnen und Lesern ist das (fast) egal. Hauptsache, ihre Bücher bleiben rätselhaft, berührend und überraschend.

Elena Ferrante: Frantumaglia. Mein geschriebenes Leben, 3 CDs, ca. 3 Stunden, 18 Euro.

Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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Eine Antwort zu Das Mysterium Elena Ferrante

  1. meereskindblog schreibt:

    Un mucchio di frantume…auf Neapolitanisch frantumaglia bedeutet ein Haufen Zerbrochenes…Scherben aber auch Gefühle. Wenn Elena Ferrante sich als Schriftstellerin nicht zu erkennen gibt, verstehe ich das sehr gut. Mit einem Pseudonym lässt es sich in einem der schönsten Städte Italiens besser schreiben. Man ist frei. Frei von einem herrschenden Patriarchen in der Familie, den es fast in jeder dieser Familien gibt.
    Sich Gedanklich frei im Schreiben aber auch in der Kunst bewegen zu dürfen ist wichtig um das freizusetzen was in einem ist. Bansky tut es auch.

    Danke Sabine für diese gute Buchempfehlung. Es ist ein Buch das Zeit braucht um es zu Lesen und ich bin gerade mittendrin. Liebe Grüße Maria

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