Wir spielen mit Hund und Katz!


Wir bitten, dass Sie sich gut um Ihre Tiere kümmern und sie nicht einfach im Tierheim abgeben. Haustiere sind Familienmitglieder und genauso wie für unsere Familie sollten wir auch für sie sorgen. Es geht KEINE Gefahr von Ihrem Tier aus.

Vier Pfoten

Nutzt die Zeit und beschäftigt Euch jetzt besonders ausgiebig mit Eurem Liebling. Hier einige Vorschläge für Spiele, die Tier und Mensch Spaß machen.

Hunde

Suchspiele: Spielzeug, Leckerlies oder sich selbst in der Wohnung verstecken und den Hund auf die Suche schicken.

Nasenarbeit: Ein Parcours aus mehreren umgedrehten Bechern oder Tassen aufstellen, ein paar Leckerlies unter eins der Verstecke legen und diese den Vierbeiner erschnüffeln lassen.

Indoor-Agility: Einfach eine Hürde aus zwei Eimern und einem Besenstiel zum drüber springen, ein Hocker zum drauf springen, eine aus Stühlen und Decken gebildete Brücke zum drunter her kriechen aufbauen.

Kauen und Schlecken: Natürliches Verhalten fördern und Kauspielzeug oder in viel Wasser eingefrorene Leckerlies anbieten.

Aufräumen: Auch der Hund kann sein Spielzeug wegräumen, am besten in eine Kiste.

Kommandos beibringen: Beherrscht der Hund die Grundkommandos „Sitz“, „Platz“, „Bleib“? Jetzt ist eine gute Zeit zum Üben.

Namen lehren: Spielzeugen Namen geben und Hunde auffordern, „Teddy“, „Ball“ oder „Puppe“ zu holen und in eine Truhe zu legen.

Katzen

Agility: Do-It-Yourself-Talente nutzen und Parcours für die felinen Freunde bauen. Im Internet gibt es eine Unmenge an Anregungen zu Parcours, die an der Wand entlang bis zur Deck e und wieder runter führen.

Angelspiele: Aus einer Schnur eine Art Angel machen. Am Ende wird ein Federball befestigt und dieser dann durch den Raum geschwungen. Die Katze wird es lieben, ihn zu jagen.

Clickertraining: Mittels Clickertraining kann man einer Katze viel beibringen. Zum Beispiel „Sitz“, „High five“, „Gib einen Kuss“.

Laser: Einen Laserlichtpunkt durch den Raum huschen lassen und schon kann die Katze ihrer Jagdleidenschaft frönen.

Kleintiere

Do it yourself-Spielzeuge: Eine Anregung gibt das DIY-Video von VIER PFOTEN.

Parcours: Dazu einen kleinen Hindernis-Parcours aufbauen. Ein paar kleine unterschiedlich hohe Kistchen mit Leckerlies darauf können so aufgestellt werden, dass ein Meerschweinchen oder Kaninchen dort auf- und absteigen muss.

Versteckspiele: Der Anreiz ist besonders hoch, wenn darum geht, Leckerlis zu finden. Einfach ein paar gesunde Häppchen im Raum verteilen und das Kleintier auf die Suche schicken (anfänglich wird es etwas Unterstützung benötigen).

Fangspiele: Ein Stück Apfel an einem festen Band befestigt wird durch den Raum gezogen. Die Kleintiere werden dadurch aufgefordert, das Obst zu jagen.

Diese Ideen stammen von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN.

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Nichts zu verlieren

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Meine Mutter. Markusplatz, Venedig, Ende 1960.

„Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür,
nichts zu verlieren zu haben.“

Janis Joplin (1943 – 1970)

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Die Kirchengemeinden trifft es mit aller Härte

Kein Gottesdienst zu Corona-Zeiten: Pfarrer Waldschütz setzt die Monstranz aus. Die wenigen Besucher haben sich weitläufig im Kirchenschiff verteilt. Der Sicherheitsabstand beträgt mindestens eineinhalb Meter.

Corona ist auf dem Vormarsch. Ein Virus, der derzeit die Welt in die Knie zwingt. Auch die Kirchen und ihre Gemeindemitglieder werden aufgefordert, zur Eindämmung der Pandemie beizutragen. Das heißt im Klartext keine Gottesdienste mehr oder nur sehr eingeschränkt. Kirchen bleiben aber offen, um in all dem Trubel ein wenig Ruhe zu finden. Auch die idyllische Urlaubsregion Tegernsee ist mitten drin in der Krise und dem Wirbel um das Virus. Das Erzbistum München und Freising sagt bis Anfang April alle öffentlichen Messen ab. Das ist für viele Gläubige eine schlimme, fast unglaubliche Nachricht, genau so wie für Kardinal Reinhart Marx. Denn wer sonst soll Gläubigen Trost spenden, wenn nicht die Kirche. „Es ist eine schwierige Situation, und die schneidet ein in unser kirchliches Leben“, äußert sich Marx bestürzt.

Der Pfarrer ist auch weiterhin Ansprechpartner

So sieht es auch Pfarrer Walter Waldschütz, der die katholischen Kirchen in Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth betreut. „Unsere Gemeinden trifft es schwer, gerade jetzt in einer Krisenzeit, wo durch den Gottesdienst auch Halt und Hilfe gegeben werden soll. Doch das Gemeinwohl geht vor.“

Auch weiterhin ist der 68-Jährige Ansprechpartner, erhält Fragen, gibt Antworten. Muss die Messe denn wirklich ausgesetzt werden? Wer gibt dringend benötigte Antworten, wer spendet Trost? Waldschütz weist auf die Botschaften und Gebete auf der Homepage des Pfarramtes hin. In diesem Fall muss es digital gehen. „Wir geben Hilfestellungen zum Beten, veröffentlichen entsprechende Texte und wollen sicherstellen, dass die Gemeindemitglieder nicht das Gefühl haben, allein gelassen zu werden.“

Eine Urlaubsregion in der Krise

Ein sonniger Sonntag in Tegernsee. Pünktlich um 10 Uhr morgens läutet die katholische Pfarrkirche St. Quirinus die Glocken. Danach ist es seltsam still. Wenig Geräusche, keiner spricht, die Klinke der Kirchenpforte wird zum Öffnen durch die Jacke gedrückt. Ein einzelner wagt sich hinein, ein anderer kommt nach. Nebenan im Bräustüberl sitzt ein Paar eng beieinander im Freien auf einer Holzbank. Bei Weißwürsten und Bier. Es unterhält sich leise, so als ob es die vorhandene Ruhe nicht stören möchte. Die beiden sind die einzigen Gäste. Die Normalität sieht anders aus. Drinnen im Kirchenschiff ist es ganz ruhig. Die paar Besucher halten Sicherheitsabstand. Mindestens eineinhalb Meter. Hier sogar mehr: Leere Kirchenbänke finden sich zwischen den Besuchern. Mit Absicht.

Die Pfarrkirche St. Quirinus in Tegernsee. Sie gehört zum Wirkungskreis von Pfarrer Waldschütz.

Vor fast zwei Wochen war die letzte Messe, die Pfarrer Waldschütz halten konnte. Die Kirche nun im Ausnahmezustand. Trotz allem stehen der Priester und sein Ministrant am Altar. Die Worte des Pfarrers sprechen von Solidarität und Achtung vor den Mitmenschen. Gerade jetzt, in dieser sehr schwierigen Zeit. Nein, es ist nicht so wie immer. Vor ihm sitzen lediglich fünf Menschen. Auf mehrere Kirchenbänke verteilt, jede und jeder für sich allein. Sicherheitsabstand und Schutz vor dem Unbekannten. Die Kirche in Zeiten der Krise. Weltweit. Unglaublich. Pfarrer Waldschütz setzt das Allerheiligste aus, die Monstranz mit dem heiligen Brot. Er betet: „Für alle, die Angst haben und in ihrer Not hilflos bleiben.“ Trotz allem, die Ansprache schafft Zuversicht, Mut und Hoffnung. Auch wenn nur wenige sie hören.

Zuversicht finden

Seit zehn Jahren dient Waldschütz in den Gemeinden rund um den Tegernsee, die zu den idyllischsten Ferienorten Deutschlands zählen. Doch so eine Situation hat er noch nie erlebt. Wo finden die Menschen Zuversicht? Und Ruhe, vor all den Schlagzeilen, die seit Wochen die Medien beherrschen. In den letzten Wochen hat es im Süden Bayerns noch geschneit. Immer mal wieder. Wenige Kilometer von Tegernsee entfernt liegt Wildbad Kreuth, immer noch unter einer sanften Schneedecke. Vereinzelt suchen Spaziergänger ein wenig Zerstreuung von all den Nachrichten, die die sozialen Netzwerke zurzeit dominieren. Es kann gut tun, die Begegnung mit einem Ort voller Geschichte. Wildbad Kreuth strahlt den Frieden aus, den der Besucher sich wünscht. Der Name kommt nicht von ungefähr, waren es doch Wildtiere, die einst und jetzt aus den Quellen tranken und gesundeten. So die Legende. Den Zweiten Weltkrieg hat der Ort durch seine isolierte Lage in den Wäldern der Voralpen fast unbeschadet überstanden. Das Dorf hat eine reiche Geschichte. Vor dem Jahr 1490 soll hier ein Jäger eine verletzte Hirschkuh beobachtet haben, wie sie an einer Quelle Linderung von ihrem Leiden suchte. Die Hirten und Bauern der Gegend machten es dem Tier nach und wurden gesund. Damals wusste noch keiner, dass das Wasser schwefelhaltig und damit gesundheitsfördernd war. Der Ruf, dass Heilkraft von der Quelle ausging, verbreitete sich in der Region in Windeseile.

Urkundliche Aufzeichnungen darüber gab es erst später. Um 1490 wird das heutige Wildbad Kreuth als „Bad Sankt Leonhard“ erstmals erwähnt. Abt Heinrich V. von Tegernsee errichtete daraufhin im Jahr 1511 ein richtiges Badehaus. Seine Bedingung: Jeder Tegernseer Abt und seine Brüder sollen dort umsonst baden dürfen. Alle anderen müssen Eintritt zahlen. Es entstehen weitere Gebäude. Das Geschäft mit der Gesundheit floriert.

Noch bis vor wenigen Wochen: Spaziergang in der frischen Luft und in einer idyllischen Umgebung hellt das Gemüt auf. Ausflügler, die die Umgebung von Wildbad Kreuth bei einer Kutschfahrt genießen.

Bis zur Säkularisation im Jahr 1803 bleibt das Bad im Besitz der Benediktiner in Tegernsee. Der damalige Bademeister Simon Zahler erwirbt die nahe Kapelle, das Wohn- und Badehaus sowie die umliegenden Wiesen und Wälder. Dafür zahlt er umgerechnet 500 Euro. Er verpflichtet sich jedoch schriftlich, dass auch bei einem Weiterverkauf jeder zukünftige Besitzer das Bad pflegen und bewahren muss.

Historischer Jet Set im Voralpenland

Die Ära der Wittelsbacher im Kreuther Tal beginnt anschließend, im Jahr 1818. König Max I. Joseph von Bayern kauft die Anlage mit den Gebäuden. Die besten Architekten sind für den König gerade gut genug. Der berühmte Baumeister Leo von Lenze bekommt den Auftrag des Königs, den heute noch bestehenden zweiflügeligen Bau samt Nebengebäuden zu errichten. Nun beginnt der Prunk und der Glanz des Ortes. Nicht nur wegen der Quellen kommt die damalige Prominenz.  Russische Zaren, Thomas Mann und seine Familie oder der illustre Kaiser Franz von Österreich besuchen Wildbad Kreuth, weil es zum guten Ton gehört und Beschwerden heilen oder Krankheiten gar nicht erst entstehen lassen soll. Auch die Ziegenmolke-Kuren wurden dort erfunden. Ihnen eilt der Ruf voraus, Gebrechen zu lindern und Gesundheit zu fördern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Bad im Besitz der Wittelsbacher. Den Kurbetrieb in seiner ursprünglichen Form gibt es nicht mehr. Das Bad entspricht nicht mehr dem Zeitgeist. Mitte der 1950er Jahre lassen es die Adligen renovieren. Das Sanatorium kehrt zu altem Ruhm zurück. 1973 schließt Max Emanuel, Herzog in Bayern, das Kurhaus. Eine Ära geht zu Ende. Die Hanns-Seidel-Stiftung übernimmt die maroden Anlagen, erneuert sie und eröffnet ein Bildungszentrum. Der geschichtsträchtige Ort wird noch einmal berühmt. Bis 2016 tagte hier jährlich die CSU-Landesgruppe. Und nun? Das historische Anwesen soll bald mithilfe eines neuen Investors ein Hotel werden. Kategorie Luxus.

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Corona – Die Rache der Tiere

Langsam geht es uns allen auf die Nerven: Die Berichterstattung über den Corona-Virus. Kaum mehr ein Wort davon, was denn überhaupt die Ursache für die mittlerweile weltweite Tragödie war. Da gab es doch diesen Wildtiermarkt in Wuhan, irgendwo in Zentral-China. Und dort soll er herkommen, dieser beängstigende Virus, der in unglaublicher Geschwindigkeit um die Welt eilt. Wenn sich nun jemand vorstellt, dass dieser Markt süße kleine Rehe, Eichhörnchen oder Waschbären als Spielgefährten und Haustiere verkauft, dann hat er sich geirrt. Denn all diese Tiere werden verspeist oder zu Potenzmittel und Arzneien verarbeitet.

Chinesen essen nun mal Tiere. Wie fast alle anderen Völker auch. Die einzige Ausnahme ist, dass sie alle Tiere essen: Das können schon mal süße Koalas sein, Schuppentiere, die Haut von Eseln, die Penise stolzer Tieren, die wir aus dem Urwald oder den Steppen dieser Welt kennen.

Und genau von dort, wo die Tiere normalerweise lebend ankommen, präsentiert werden und bei Bedarf und auf Wunsch des Käufers geschlachtet werden, soll dieser Virus nun herkommen. Bekannt ist auch, dass es Menschen gibt, die Tiere vor der Schlachtung noch quälen, oder sie langsam zu Tode kommen lassen, denn durch den Stress- und Adrenalinausstoß der gequälten Geschöpfe soll das Fleisch immerhin noch besser schmecken. Diese Methode betrifft auch die von uns allen geliebten Haustiere wie Hunde und Katzen, denn die landen auch erst gequält und dann gebraten auf den asiatischen Tellern.

Doch wie kann der Virus entstanden sein? Hat sich ein Tier gewehrt, geschrien, gekratzt oder gebissen, als klar war, dass ihm der Tod bevorstand? Ist der Virus vielleicht so auf den Schlächter übergesprungen, der ihn weiter verbreitet hat? Und der jetzt die ganze Welt verseucht? So oder so ähnlich kann es gewesen sein! Ein absolut logisches Szenario. Aber man spricht nicht mehr darüber, denn man will erstmal die Ausmaße bekämpfen und später vielleicht die Ursache. Wenn es erst mal ein Gegenmittel gibt, sind die Umstände des Ausbruchs dann eher zu vernachlässigen.

Fakt ist, dass China seine Tiermärkte geschlossen hat. Als Reaktion auf den Ausbruch. Doch es gibt zahlreiche Wildtierfarmen im Hinterland, die nur einen Zweck haben: Wildtiere zu züchten, damit Menschen sie auf ihren Speisezettel haben können. Die Farmen beliefern die Märkte, und die Märkte verkaufen an die Konsumenten. Ein Kreislauf, wie wir ihn alle kennen. Seitdem bekannt ist, dass das Virus von einem Wildtier stammt, werden die Farmen nicht mehr betrieben und die darin befindlichen Wildtiere ihrem Schicksal überlassen.

Nicht mal mit viel Fantasie kann sich jeder unschwer vorstellen, wie diese Tiere nun leiden. Und seit irgend jemand behauptet hat, dass Hunde das Virus eventuell übertragen können, steht die Welt abermals Kopf. Auch wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das strikt dementiert, hat es sich in den Köpfen einzelner manifestiert. Mit der Folge, dass nun Haustiere verstärkt in Tierheimen abgegeben werden. Wenn die Tiere Glück haben! Dieses Handeln hat nun wiederum zur Folge, dass die Heime hoffnungslos überfüllt sind. Oder aber sie werden von unter Quarantäne stehenden Menschen, die zuhause bleiben müssen, von Hausdächern geworfen, damit sie ein schneller grausamer Tod ereilt, wie Bilder aus China vor ein paar Wochen zeigten. Oder sie werden in menschenleeren Städten und Wohngebieten ausgesetzt und so ihrem Schicksal überlassen. Wenn sie Pech haben!

Im besten Fall und das heißt im Klartext: Wenn wir alle die Viren heil überstanden haben, wird sich zeigen, ob diese Tragödie letztendlich, zumindest für Tierschützer wie mich, etwas Gutes hatte: Nämlich den achtsamen Umgang mit Tieren zu lernen, zu erhalten und zu schützen.

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Die einst so glücklichen Tage


Während meiner vierwöchigen Auszeit in Oberbayern habe ich viel gelesen. Für mich ein Traum. Endlich konnte ich mal wieder in Bücher abtauchen, die ich schon lange auf meiner To Do-Liste hatte. Auf ein Werk hatte ich mich dabei besonders gefreut:

Es geht um vier Freundinnen, einen Sommer am Meer und um eine große schicksalhafte Veränderung damals, vor langer Zeit.

Zugegeben, es war nicht leicht, mich in dieses Buch zu vertiefen, denn ich musste es schon sehr genau lesen, um die verschiedenen Nuancen und Charaktere zu erkennen und zu treffen. Es ist ein vielschichtiges Buch, das immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit driftet. Schon deshalb ist die konzentrierte Lektüre wichtig, um nicht den Faden zu verlieren.

Um was es geht? Vier Frauen – sie sind Freundinnen – verbringen einen nicht enden wollenden Sommer an der französischen Atlantikküste. Sie sind jung, unbedarft und wollen dem Leben die Stirn bieten. Wie ein Versprechen liegt die Zukunft vor ihnen, so ausgelassen und unbeschwert. Sie merken gar nicht, wie das Leben seine Weichen stellt. Entschlossen und unabwendbar. Als sie sich viele Jahre später wiedersehen, erkennen sie, dass ihre Träume sie noch immer wie eine schicksalhafte Kraft verbinden. Trotz allem was geschehen ist: Seit jenem Abend, als Lenica ihren Freund Sean mitbrachte. Und die unaufhaltsame Geschichte ihren Lauf nahm und schließlich in einer Tragödie endete.

Julia Holbe: Unsere glücklichen Tage, 320 Seiten, 20 Euro.

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Kindheit in Bullerbü

„Ich sagte ja schon, dass ich für das Kind in mir geschrieben habe. Also wirklich für mich. Also für das Kind in mir, das ich selber einmal gewesen bin und das weiß, was andere Kinder lesen wollen.

Ja, was das für ein Kind war, das ist gar nicht so leicht zu beschreiben. Das interessiert mich selber auch. Eine klare Antwort darauf habe ich auch für mich immer noch nicht.

Eins ist sicher: Das Kind, das ich einmal war, das war keine Pippi Langstrumpf. Aber es war ein Kind mit viel Phantasie, glaube ich. Ein Kind, das mit seiner Phantasie ganz gut spielen konnte. Das Freude daran hatte, mit der Phantasie zu spielen. Sonst weiß ich nicht, wie ich die Bücher fertig gebracht hätte.

Ich kenne mich selber nicht gut genug, aber ich meine, dass ich weiß, wie ich ein Buch haben möchte. Das kommt automatisch, wenn ich anfange zu schreiben. Es wächst mir zu. Und ich denke nicht an die Kinder, die es lesen sollen. Ich schreibe nur für mein eigenes Vergnügen. Und das ist ein großes Vergnügen, das können Sie mir glauben.

Ich möchte nicht mehr in der heutigen Zeit Kind sein. Nein, ich bin froh, dass ich einmal Kind gewesen bin.“

Astrid Lindgren

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Ein Buch für echte Glückskinder


Ich lese gerne Reiseführer über meine Heimatstadt Würzburg. Zugegeben, dabei kann ich noch so vieles selbst entdecken, von dem ich vorher keine Ahnung hatte. Dagmar Wolf, eine befreundete Journalistin, hat mich neugierig gemacht. Denn sie hat ein Würzburg-Buch veröffentlicht und Orte beschrieben, die angeblich glücklich machen. Oder zumindest glücklich machen sollen. Sie oder mich oder andere. Ein interessanter Ansatz! Denn unter dieser Prämisse bin ich noch nie durch meine Stadt getigert. Ist die Perle am Main denn wirklich eine wahre Hochburg des Glücks, wie Dagmar es beschreibt? Ich wollte es von ihr selbst wissen. Sie erzählte mir, wie alles begann.

Kommt mit und reist mit ihr und ihrem Buch in die beeindruckende Vergangenheit von Würzburgs Altstadt oder probiert einen guten Tropfen Frankenwein im glitzernden Schein der Abendsonne am Mainufer. Horcht in Euch und verspürt dabei das einmalige Gefühl, das Kribbeln und die Sehnsucht nach dem Mehr. Dagmar Wolf hat dem Rechnung getragen. 80 besondere Orte stellt sie vor und verrät, in welchen versteckten Gärten man perfekt die Seele baumeln lassen kann oder wo das Glück vom Summen der Bienen getragen wird.

„Die Glücksorte-Reihe gibt es bereits für ein paar Städte. Für Würzburg wurde ich angefragt, weil ich die Karlsruhe-Autorin kenne. Ich fand das Projekt spannend, aber war mir erst nicht sicher, ob ich genug Orte finden würde, die mich ansprechen. Und die den Kriterien des Verlags genügen. Schließlich sollten die großen Sehenswürdigkeiten, die sich in Baedeker & Co. finden, außen vor bleiben – es sei denn, es gibt einen ganz persönlichen Zugang zu diesem Ort, eine andere Perspektive.

So bin ich vor der Zusage zwei Tage auf gut Glück durch Würzburg gestreift. Und da wusste ich: Das mache ich! Es war ganz wunderbar, mit Zeit, Muße und offenen Augen wie Ohren auf Entdeckungstour zu gehen. Und dabei so viele Orte zu entdecken, die mir vorher nicht oder nicht so intensiv aufgefallen waren. Oder mir bei anderen Orten, die mich immer schon angezogen haben, bewusst zu machen, was mich an diesen so fasziniert.

Zu den letzteren zählt zum Beispiel die Alte Mainbrücke, die zwar eine „Große Sehenswürdigkeit“ ist, die ich aber dennoch aufgenommen habe. Denn ich freue mich wirklich jedesmal, wenn ich erst auf sie zukomme und sie dann überqueren darf. Das geht eigentlich gar nicht ohne ein Lächeln, weil da so viel Geschichte drin steckt. Und beim Beobachten der Passanten, Straßenmusikanten, Weingenießer und Jungesell*innen-Teams so viele Geschichten erzählt werden.

Das war für mich bei der Auswahl sowieso ganz wichtig: Der Ort muss mich natürlich ansprechen, vor allem aber erlebt werden können, Spannung versprechen, Neugier und Entdeckerlust entzünden oder befriedigen … und zwar für Erwachsene genauso wie für Familien mit Kindern, für Touristen genauso wie für neu Hinzugezogene oder Eingesessene (und tatsächlich habe ich auch von denen Rückmeldung bekommen, dass das Büchlein Überraschungen für sie bereitgehalten hat!). Die Auswahl der 80 Glücksorte ist deshalb einerseits sehr subjektiv, gleichzeitig habe ich versucht, immer wieder die Perspektive zu wechseln und verschiedene Zielgruppen in den Blick zu nehmen. Und ich wollte ganz verschiedene Themenbereiche abdecken: Kulinarisches, Kulturelles, Geschichtliches, Bewegung und Sport, Natur, Beschauliches. Denn das alles macht doch Würzburg aus: Die Stadt lässt sich so vielfältig und abwechslungsreich erleben!

Weil ich das oft gefragt werde: Ich könnte keinen der 80 beschriebenen Orte als meinen Lieblings-Glücksort erwählen, weil sie so unterschiedlich sind und zu so verschiedenen Stimmungen oder Bedürfnissen  passen. Auf jeden Fall  gehe ich jetzt immer erhobenen Kopfes durch Würzburg, um weitere Hausmadonnen zu erspähen. Ich nehme gerne kleine Umwege in Kauf, um weitere Orte zu entdecken, die mir bisher entgangen sind. Und ich gehe offeneren Auges durch die Stadt (wie durch andere Städte), damit mir nicht mehr so viel entgeht.“

Dagmar Wolf

Dagmar Wolf: Glücksorte in Würzburg, 168 Seiten, 14,99 Euro

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Design Cakes by Gosha: Valentine Macarons

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Gosha surprised us again! Her newest creation: Wonderful hand painted Macarons. The ideal present for Valentine’s Day!

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Absurd und barbarisch

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„Ich möchte einem anderen lebenden und fühlenden Wesen keine Schmerzen zufügen. Ich möchte ihm nicht seine Babys wegnehmen. Ich möchte es nicht dazu zwingen, eingeschlossen und gemästet zu werden, nur um geschlachtet zu werden. Das ist absurd und barbarisch.“

Joaquin Phoenix, Schauspieler

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Guyana entdecken und lieben

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Die prächtigen Kaieteur Falls mitten im Dschungel Guyanas. Foto: David di Gregorio

Spitzen-Auszeichnung für eines der letzten Dschungelparadiese der Erde: Ein verdienter Platz Eins in der Kategorie Nachhaltiger Tourismus für den südamerikanischen Kleinstaat. Eine Reise der Superlative erwartet Abenteurer und Individualtouristen.

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Dwayne hat noch einmal Glück gehabt. Genau wie seine Schwester Sandy und Spielkameradin Pat. Das Krokodil lauert zwar immer noch in unmittelbarer Nähe zu den Baby-Otter, doch Melanie McTurk und ihre fleißigen Helfer passen auf die Kleinen auf. Damit auch sie einmal groß werden können. Schon zum zweiten Mal rettet ihnen McTurk damit das Leben. Wilderer hatten sie den Müttern weggenommen, um sie als Haustiere zu verkaufen. Als niemand die Wildtiere wollte, brachten sie sie zur Karanambu Lodge im Landesinneren.

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Hier, im Herzen der Savanne, gründete die 2016 verstorbene Tier- und Umweltschützerin Diane McTurk, auch bekannt als „Otter-Lady“, die Riesenotter-Aufzuchtstation auf ihrer Ranch am Rupununi-Fluss. Melanie McTurk führt heute die Arbeit fort. Ihre jungen Riesenotter watscheln ihr wie Enten hinterher, wenn es zum Toben und Fressen hinunter an den Fluss geht. Hier dürfen sie auch mit den Nachbarskindern spielen. „In zwei Jahren kommt die Auswilderung, bis dahin werden wir sie täglich an ihre natürliche Umgebung gewöhnen“, sagt die Nichte der Verstorbenen. Reisende, die vorbeikommen, dürfen das morgendliche Szenario am Fluss aus der Nähe betrachten und auch mitmachen. Aber Vorsicht, die Zähne der kleinen Otter sind spitz und sie mögen gerne den einen oder anderen barfüßigen Zeh, wenn man sich mit ihnen in Flussnähe begibt.

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Das einzige englischsprachige Land Südamerikas hat neben seiner Tierwelt auch noch 183.000 Quadratkilometer geschlossenen Regenwald zu bieten. Nicht nur für Profi-Filmer ist es ein Paradies. Jaguar, Ameisenbär, Mohrenkaimane, Harpyie, der imponierende Greifvogel mit bis zu zwei Metern Flügelspannweite oder das Capybara, eine Art Wasserschwein, werden auch von Hobbyfotografen begeistert abgelichtet. Obwohl letzteres zu der Familie der Meerschweinchen gehört, hat es mit den putzigen Haustieren wenig zu tun, denn sein Gewicht kann durchaus bis zu 60 Kilo betragen.

„Afrika hat seine ‚Big Five‘, Guyana dagegen seine ‚Giganten'“, betont Brian Mullis, Direktor der nationalen Tourismusbehörde. Und erst recht ist es mit 900 verschiedenen Spezies ein Tummelplatz für Vogelkundler. Schon mal was vom orangefarbenen Felsenhahn gehört? Diesem „Cock of the Rock“ (Rupicola) begegnet man nur im Dschungel Guyanas. Auf die Reisenden warten aber auch noch weitere 225 Säugetierarten und 880 verschiedene Reptilien.

Weder asphaltierte Straßen noch Infrastruktur

Es gibt weder asphaltierte Straßen noch Infrastruktur. Voran kommt man am besten mit kleinen Flugzeugen oder im Kanu entlang der mächtigen Dschungelflüsse. Weniger als 5.000 Touristen jährlich zieht es in den mit 750.000 Bewohnern dünn besiedelten Staat zwischen Venezuela, Surinam und Brasilien. Eine Sandpiste als einzige Fernstraße verläuft quer durch das Land nach Brasilien. Der Küstenbereich rund um die Hauptstadt Georgetown erinnert kulturell stark an die Leichtigkeit der Karibik während im Landesinneren die Ureinwohner, Amerindians genannt, noch mit Pfeil und Bogen jagen. 84 Prozent des Landes sind Natur pur, die Bewohner besiedeln gerade einmal wenige 16 Prozent der Staatsfläche. Tourismus ist nicht ausgeprägt, es gibt nur ein paar Lodges im Landesinneren, die aber alles bieten, was der Reisende braucht. Familienanschluss ist garantiert, das Abendessen wird oft gemeinsam mit den Eigentümern eingenommen, die es sich nicht nehmen lassen, die Geschichten ihres Lebens zu erzählen.

Wie Colin Edwards von der Rock View Lodge. Die kleine Cessna von Trans Guyana Airways landet direkt auf dem Airstrip vor seinem Haus und spuckt die Reisenden aus. Edwards lässt es sich nicht nehmen, selbst am Rollfeld die neuen Gäste zu begrüßen und ihr Gepäck in Handroller zu verladen. Der britische Diplomatensohn, der einen Teil seiner Jugend in Bad Godesberg verbracht hat, lebt seit den 1980er Jahren in Guyana. Der Zufall und eine Frau haben ihn bleiben lassen. Ein Abenteuer sei sein Leben schon immer gewesen, angefangen hätte es 1969 mit dem Straßenbau in Nordbrasilien. Und irgendwann später kam die Rock View Ranch. Auf ihr hatte er schon während seiner Arbeitseinsätze logiert, sich in das Anwesen verliebt und es schließlich gekauft. In der Nähe liegt die rote Sandpiste nach Brasilien, doch die täglichen Autos oder Busse lassen sich an zwei Händen abzählen.

Lange Abende mit Rum und Spionagegeschichten

Heute ist Rock View eine besondere Herberge mit einem von Hand gebauten idyllischen Pool für Reisende „mit einem Fokus„. So beschreibt es Edwards am liebsten, abends bei der Rum-Probe in der Bibliothek. Er fügt hinzu, dass Prinz Charles im Jahr 2000 sein Gast war und „Partytouristen hier ganz fehl am Platz sind“. Es wird geredet und gelacht, und die Besucher lauschen, wenn der Hausherr über die Zeit des Kalten Krieges in Europa erzählt, von Spionen und einer großen unglücklichen Liebe damals in einem osteuropäischen Staat. Und über seinen einst gefassten Entschluss, Europa für immer zu verlassen, in den Weiten Südamerikas eine neue Heimat zu finden, und nicht mehr zurückzukehren. Nie mehr. Bis jetzt hat er sich an diese Entscheidung gehalten und wird sie auch nicht mehr ändern. Er deutet auf zwei Gräber, die in der hintersten Ecke der Farm liegen. „Meine Eltern!“, sagt er, als ob alles da wäre, was für ihn jemals von Bedeutung gewesen sei, hier, in der neuen Heimat.

Auch seine Farm, wie alle anderen auch, hat eigene Führer, egal, ob es Dschungelpfade oder die Tierwelt am Ufer der Flüsse zu entdecken gilt. Oder, wie auf der Karanambu Lodge geschehen, es darum geht, mit den Cowboys per Pferd oder Jeep im Morgengrauen in der Savanne zu sein, um einen Blick auf den nachtaktiven, bis zu 1,40 Meter langen Großen Ameisenbär zu erhaschen, bevor er sich zum Schlafen zurückzieht. Andere ziehen die nächtliche Krokodiljagd per Kanu mit Wildhütern und Rangern vor. Im Vordergrund steht auch hier immer die behutsame und auf Ressourcen achtende Tourismus-Entwicklung der Verantwortlichen.

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Krokodile fangen  

Mohrenkaimane heißen die schwarz glänzenden, bis zu sechs Meter langen und bis zu 300 Kilo schweren Reptile, die als größte Räuber im Amazonas-Ökosystem gelten. Hautnah dabei sein zu können, wenn in der Dunkelheit an den Ufern rote Augenpaare aufleuchten gehört zu den größten Abenteuern der Reise. Blitzschnell werden sie von den Wildhütern mit einer Drahtschlinge gepackt und neben dem Boot hergezogen. Dabei schlagen die Tiere so wild um sich, dass es nicht allzu lange dauert, bis ihre Energie schwindet und sie entkräftet auf einer Sandbank abgesetzt werden können. Das Maul wird mit Klebeband verschlossen und dann beginnt die Arbeit.

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Der Mohrenkaiman wird gemessen, nach seinem Geschlecht bestimmt, gewogen und gechipt. Untersucht wird vor allem, wie viele der Reptilien es noch gibt, denn die Spezie wird immer noch bejagt. Dabei geht es in der Hauptsache nur um die großen Männchen, die wegen ihrer besonders schönen Häute, welche im Gegensatz zu anderen Krokodilen keine kleinen Knochen enthalten, erlegt werden. Die wesentlich kleineren Weibchen haben mehr Glück. Sie sind nicht so leicht zu fangen, denn sie ziehen sich zur Eiablage in abgelegene Seengebiete zurück. Dort wird ihnen kaum nachgestellt. Dadurch konnten sich die Bestände auch immer wieder erholen. Doch auch Fischer stellen ihnen nach, weil sie Fische fressen oder ihre Netze zerstören.

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Um die Schwarzen Kaimane auch weiterhin zu schützen, arbeiten Ranger schon seit Jahren eng mit der nationalen Naturschutzbehörde zusammen. Ziel ist es weiter, die Population zu analysieren und zu dokumentieren. Das geht aber nur, wenn genügend Geld für die Forschung vorhanden ist. Gerade deswegen leisten hier Touristen aktiven Umweltschutz. Denn sie ermöglichen mit ihren finanziellen Beitrag, dass ein Boot betankt werden kann, um eine Nacht lang auf dem Urwaldfluss Kaimane für die Dokumentation zu fangen.

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Das Highlight im Dschungel

Ein weiteres Highlight liegt mitten im Regenwald. Den ersten Blick auf die rund 250 Meter hohen, majestätisch anmutenden Kaieteur Falls bekommen die Reisenden beim Anflug der kleinen Maschine auf die Dschungellandebahn. Nach dem Einchecken ins Kaieteur-Gästehaus, einer einfachen Unterkunft, und einem zehn Minuten Fußweg begeistert der Anblick auf einen der höchsten Wasserfälle Amerikas. Hier stürzt der Potaro-Fluss in einer einzigen Stufe auf einer Breite von fast einhundert Metern über eine 247 Meter hohe Sandstein-Klippe vom Hochland in das etwa auf Meeresniveau liegende Tiefland. Nur kleine Reisegruppen sind erlaubt. Damit wird garantiert, dass der Besucher die tobenden Wassermassen fast für sich alleine hat. Es gibt weder Absperrungen noch Begrenzungen, daher ist der Anblick nur mit Führer erlaubt. Der Legende nach erhielt der Wasserfall seinen Namen nach dem Patamona-Häuptling Kai. Um seinen Stamm gegen die aufständischen Carib-Krieger zu verteidigen und Gott Makonaima gnädig zu stimmen, opferte er sich, indem er sich in einem Kanu in die Tiefe stürzte.

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Angesprochen auf die Auszeichnung des Landes im Bereich nachhaltiger Tourismus betont Mullis: „Wir haben in den vergangenen Jahren beträchtliche Anstrengungen unternommen, innovative und umweltfreundliche Tourismusprodukte als Teil unserer Strategie zu entwickeln. Gleichzeitig wollen wir der Welt klar machen, wie nachhaltig der Tourismus in Guyana ist. Dieser Preis ist die Anerkennung für all unsere Bemühungen.“

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Ähnlich sieht es auch Albert Salman, Präsident der Green Destinations Foundation: „Die Jury war beeindruckt von den Erfolgsgeschichten der sehr individuellen Öko-Lodges, die sich in Besitz und unter der Leitung der lokalen, indigenen Bevölkerung befinden. Dadurch werden nicht nur die Ökosysteme Guyanas, sondern auch die Traditionen des Landes und der verschiedenen Volksgruppen erhalten.“

Für und Wider

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Schuldirektor Terence Brasche

Tatsächlich gibt es nur eine Handvoll Unterkünfte im Landesinneren, die Gäste aufnehmen. Ein gelungenes Beispiel für die Integration von indigenen Tourismusaktivitäten ist das Caiman House als Unterkunft und Forschungsstation für Reptilien. In seinem Umfeld gibt es verschiedene gemeindenahe Projekte wie Schulen, eine Bibliothek mit Kino sowie Handwerksbetriebe, um Einkommen für die Urbevölkerung zu schaffen. Denn längst nicht alle setzen auf Tourismus in ihrer direkten Umgebung. „Unsere Kultur ist für uns immens wichtig. Wir wollen sie nicht von anderen zerstören lassen“, sagt Schuldirektor Terence Brasche aus Yupukari. Er zielt dabei weniger auf internationale Gäste ab, die kommen und die Gepflogenheiten achten. Vielmehr sei es der nationale Tourismus, der ihm Angst mache. „Wenn es erst einmal Straßen gibt, die die jungen Leute aus der Küstenregion mit ihren Jeeps, Gewehren und Alkohol zum Party machen hierher bringen, ist es mit unserer Kultur vorbei.“ Drastisch sieht er den Ausbau des Straßennetzes, denn Infrastruktur wird auch ihr Leben, ihre Traditionen negativ beeinflussen. „Das Erschließen des Landes bringt gute wie auch schlechte Dinge mit sich.“ So wie er denken viele.

Auch Touristenführer Waldyke Prince bezeichnet die Entwicklung seines Landes als eine „bittersüße“ Erfahrung. Gefordert sei nun vor allem Bildung und Aufklärung, damit ein Raubbau verhindert werden könne.

Ankerplatz in der Hurrikan-Saison

Meeresstrände sucht der Besucher Guyanas vergeblich. Dafür gibt es die feinsandigen weißen Ufer des Essequibo-Flusses, die den Karibik-Traumstränden in nichts nachstehen. Das Baganara Resort steht für den perfekten Rückzugsort nach anstrengenden Dschungel-Abenteuern. Hier kann man sprichwörtlich für ein paar Tage die Seele baumeln lassen.

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Wer sein ganz persönliches Abendkonzert wünscht, lässt sich am Spätnachmittag per Kanu zur Parrot-Insel bringen, wo tausende von Papageien im Licht der untergehenden Sonne ihren Gesang anstimmen, bevor sie sich auf den Bäumen zur Nachtruhe zurückziehen. Auch für Yachten aus der Karibik ist der Essequibo-Fluss der ideale Ankerplatz in der Hurrikan-Saison, denn die berüchtigten Stürme gibt es hier nicht.

Manche zieht es ans andere Ufer auf ein paar Drink in den Pubs von Bartica. Die Stadt gilt immer noch als Tor zu den Goldminen des Landes und dient vor allem an den Wochenenden dem Partyvergnügen der Minenarbeiter.

Die Bezeichnung „British-Guyana“ wird nicht mehr verwendet. Denn die knapp 800.000 Einwohner sind stolz auf ihre Unabhängigkeit gegenüber Großbritannien vom 26. Mai 1966. Eines der letzten Dschungelparadiese wartet darauf, entdeckt zu werden. Aber nur Schritt für Schritt. Das kleine Land möchte sich jetzt und in Zukunft als ein sehr individuelles und lohnenswertes Reiseziel hervorheben, fernab von jeglichen Party-Tourismus. Damit Dwayne, Sandy und Pat auch weiterhin stellvertretend für alle Aha-Erlebnisse stehen, die der Reisende hier erwarten kann.

Allgemeine Infos:

Deutsche Staatsangehörige brauchen kein Visum.

Interline-Abkommen zwischen den Fluggesellschaften Condor und LIAT (Zwischenstopp in Antigua oder Barbados, daher ist ein Karibikaufenthalt als perfekte Kombinationsreise möglich). Vorteile: Abgestimmte Umsteigeverbindungen, durchgechecktes Gepäck und günstigere Ticketpreise.

Hotelempfehlungen:

Georgetown: Cara Lodge von 1840 im Kolonialstil, Roraima Residence Inn mit Swimmingpool, Kings Hotel and Residence als neues Stadthotel.

Kaieteur Falls: Kaieteur Guesthouse als einfache Unterkunft, dafür unmittelbar am Wasserfall.

Rock View Lodge im Landesinneren zwischen Savanne und Regenwald mit Pool, tropischem Garten und abenteuerlichen Geschichten.

Caiman House als Forschungszentrum, Gemeindeprojekt und Unterkunft. Von hier aus werden die nächtlichen Touren zu den Mohrenkaimanen organisiert.

Karanambu Lodge mit der Riesenotter-Aufzuchtstation.

Baganara Island Resort zum Relaxen direkt am Ufer des Essequibo-Flusses.

Reiseberatung:

www.guyanatourism.com

www.wilderness-explorers.com

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