Der Herbst in Schwarz-Weiß

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

„Wenn der Herbst seine Farben verliert, kommt erst der wahre Herbst.“

Joachim Günther

Wie lässt sich typische Herbststimmung besser einfangen als in Schwarz-Weiß? Keine Frage, auch das Bunte des Herbstes hat seine schönen Seiten – zum Beispiel das farbige Laub oder die Drachen am Himmel -, aber die Lichtstimmungen sind doch am beeindruckendsten in Schwarz-Weiß-Bildern.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Probiert es doch einfach mal aus?

 

Veröffentlicht unter Notabene | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Glück austricksen

seppala-der-trick-mit-dem-gluck

Habt Ihr das Gefühl, in einer Tretmühle zu sein? In einem Hamsterrad? Dann nichts wie raus. Einfach loslassen! Jetzt, bevor es zu spät ist.

Das ist aber einfacher gesagt als getan. Jeder will glücklich und erfolgreich sein. Und doch war es noch nie so schwer, das zu erlangen. Seit der Kinderheit lernen wir: Nur durch Disziplin werden wir im Leben weiter kommen. Je mehr die beruflichen und persönlichen Anforderungen steigen, desto mehr versuchen wir, uns anzupassen – alles besser, schneller und noch perfekter zu erledigen. Erfolg hängt einzig und allein von unserem Talent und unserer Geschwindigkeit ab – ohne Stress ist das nicht möglich.

glucklichAutorin Emma Seppälä entlarvt diese kontraproduktiven Theorien, und stützt stattdessen auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der kognitiven Psychologie und Glücksforschung, der Erforschung von Kreativität und Achtsamkeit sowie der Resilienzforschung. Sie belegt: Das Streben nach Glück beschleunigt unseren beruflichen und persönlichen Erfolg. Mehr Arbeit in weniger Zeit perfekt zu erledigen liefert zwar kurzfristig Erfolg, diesen bezahlen wir in Wirklichkeit aber mit einem hohen Preis. Mit unserem Wohlbefinden, Beziehungen und paradoxerweise mit unserer Produktivität. Sie schlägt stattdessen vor, einen Gang herunter zuschalten und uns auch die wichtige Zeit für uns selbst zu nehmen, wodurch wir leistungsfähiger sind.

In diesem praktischen und eingängigen Ratgeber zeigt Emma Seppälä sechs wissenschaftlich nachgewiesene Wege zu mehr Wohlbefinden und Erfolg im Leben auf. Ist doch eigentlich ganz einfach, oder?

Dr. Emma Seppälä: Der Trick mit dem Glück. Mehr Erreichen durch weniger Tun.
Originaltitel: The Happiness Track. How to Apply the Science of Happiness to Accelerate Your Success, 272 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 18 Euro.

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Haltungsverbot für exotische Tiere

chamaeleon-pit

Das war Pit, unser etwas schüchterneres Chamäleon. Gemeinsam mit Pat haben wir es vor dem Tod auf dem Voodoo-Markt von Lomé, Togo gerettet. Wir päppelten beide auf, und sie lebten frei in unserem Haus in Afrika. Foto: privat

Ich habe mal zwei Chamäleons gehabt. Als ich in Afrika lebte. Ich habe beide vor dem Tod gerettet. Auf dem Voodoo-Markt in Togos Hauptstadt Lomé sollten sie zu Pulver verarbeitet werden. Als ich sie mir in dem Transportsack ansah, waren sie schon ganz ausgetrocknet. Ich habe dem Händler ein paar Dollar gegeben, und Pit und Pat gehörten mir.

Bei uns zuhause im Norden Benins haben sie frei gelebt. Jeder von ihnen konnte einen Ficus Benjamina-Baum sein eigen nennen. Ohne Gitter, ohne Terrarium, ohne Absperrung. Manchmal sind sie durch die Wohnung gelaufen. Sie haben sich von Fliegen ernährt. Und die gab es genug. Sie wurden zahm. Pat mehr als Pit. Wenn ich die Hand hinstreckte, ergriff sie Pat sofort und hangelte sich an mir hoch. Pit wollte das nicht. Das haben wir respektiert.

Ich vergesse nie die Kraft, mit der Pats Krallen meinen Finger umschlossen hat. Vor allem, wenn er Angst hatte. Und die hatte er, sobald sich ihm unser Hund näherte. Doch der wusste, dass Pit und Pat zu uns gehörten und hat sie nie angerührt. Vor Chamäleons haben die meisten Afrikaner Angst. Dämonen, böse Geister steckten in ihnen. Nach einer Reise kamen wir zurück, und Pit und Pat lebten nicht mehr. Wir sahen nur noch ihre Kadaver. Unser Hauspersonal hat sie in Ruhe gelassen. Die Umstände, an denen sie starben, konnten wir nie aufklären. Nach Deutschland hätten wir sie nie mitgenommen.

Ein großer Teil der Tiere überlebt den Transport nicht.

Ein großer Teil der Tiere überlebt den Transport nicht.

Deutsche Großhändler importieren jedes Jahr etwa 600.000 Reptilien aus Ländern wie Vietnam, Tansania oder den USA – ein millionenschweres, unbarmherziges Geschäft, bei dem Sterberaten bis zu 70 Prozent bereits im Preis einkalkuliert sind.

Ermittler der Tierschutzorganisation PETA entdeckten bei einem deutschen Großhändler Königspythons, die teilweise schon seit über zehn Jahren in winzigen Plastikboxen gehalten werden, da sich offenbar keine Abnehmer finden. Fast bis zur Decke sind die Tiere manchmal jahrelang in den Boxen übereinandergestapelt.

Rackhaltung von Reptilien bei einem Händler.

Rackhaltung von Reptilien bei einem Händler.

Immer häufiger kommen bei Händlern und Züchtern schmale, schubladenähnliche Elemente – sogenannte Racksysteme – zum Einsatz, um möglichst viele Tiere platz- und kostensparend auf engstem Raum halten zu können. Diese Art der Lagerung bedeutet großes Leid für die sensiblen Tiere, weil sie nicht einmal die Möglichkeit haben, selbst ihre elementarsten Verhaltensweisen auszuleben: Sie können sich nicht fortbewegen, auf einen Ast klettern oder in der Sonne baden.

2015-2016-exotenhandel-012-c-peta-usa-large

Eine angemessene Versorgung mit Nahrung/Trinkwasser und bei Verletzung/Krankheiten findet meist nicht statt.

Im Frühjahr 2016 recherchierte PETA USA bei einem der weltweit größten Reptilienhändler, Reptiles by Mack aus Ohio, der auch deutsche Großhändler, beispielsweise in Baden-Württemberg, beliefert hat. Viele Reptilien sind krank und schwer verletzt, werden oftmals nicht tierärztlich versorgt und müssen tage- oder teilweise wochenlang ohne Trinkwasser ausharren. Oft wurden sie einfach mehrere Tage zum Sterben liegen gelassen.

Ein großer Teil der Tiere überlebt den Transport nicht.

Ein großer Teil der Tiere überlebt den Transport nicht.

PETA setzt sich für ein vollständiges Haltungsverbot exotischer Tiere in Privathand ein. Denn neben den entsetzlichen Bedingungen bei der Zucht und im Handel geht es den Tieren in den Wohnzimmern kaum besser.2015-2016-exotenhandel-009-c-peta-usa-large

Fotos: PETA (5)

Veröffentlicht unter Tierschutz, Vietnam | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kurz nachgebellt: Ein Gedicht für mich!

p1060358-large

It is the first time somebody dedicated a poem to me! Thanks so much,️ Darling Julie.

„The day you cross the bridge
From pup to man right by my side
We walked this earth together
We ran, we played, and I’ve laughed and cried
And loved you like no other
As time goes by your whiskers grey
And your legs are not so fast
My hand will stroke your weary bones
As we reminisce the past
The day will come when we will part
With sadness and great pain
But I know you will be waiting by the bridge
To make me smile again.“

Julie Hill

Veröffentlicht unter Kurz nachgebellt | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Segeltörn Amalfi-Küste: Tag 1

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Agropoli, südlich von Neapel. Wir schiffen ein. Unsere 16 Meter Segelyacht „Thalys“ liegt friedlich im Hafen und wartet auf die neue Crew. Puh, sind die Kajüten eng. Und wir haben mal wieder viel zu viel dabei! Alles muss verstaut werden. Danach wird gemeinsam im Supermarkt von Agropoli eingekauft. Für den Haushalt auf See. Für gemeinsames Kochen, das Anker-Bier-Ritual, fürs Frühstück.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Danach erstmal Pizza essen mitten in Agropoli. Die Vorfreude steht uns allen im Gesicht geschrieben. Außer dem Skipper natürlich. Denn der hat die Verantwortung und macht das ja nicht zum ersten Mal. Für ihn ist es zwar Routine, aber trotzdem nicht zu unterschätzen.

Weiter geht’s nächsten Sonntag mit Tag 2! Ihr könnt gespannt sein! Ahoi!

Veröffentlicht unter Italy, Reise, Sabine’s world: A travel diary, Sailing, Surfing, Swimming Pools | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare

Check in: Holzhotel Forsthofalm

dscf6170-largedscf6250-largedscf6169-large

Es duftet nach Holz. Frischem Holz. Kein Wunder. Denn die Forsthofalm ist ein Holzhotel. Ohne Leim, dafür mit Buchenholzdübel; die Wände, Dielen, Dübel – alles ist aus dem Naturstoff. Dazu noch Glas, Stein und Keramik, puristisch eben. Genau das sei auch die Philosophie, betont Claudia Widauer. Ihrer Familie gehört das 110 Betten-Hotel in den Bergen über dem österreichischen Leogang. Wir treffen uns am offenen Kamin.

dscf6164-large

Durch die großen Fensterscheiben geht der Blick auf den Sessellift hoch zur Ansitzer Bergstation auf 1.780 Meter. Der Kellner bringt einen Cocktail: „Jungbrunnen Berge“. Mit braunem Rum, Marillenlikör, Lime, Zitrone, Mandel, Mangopüree und Apfelsaft. Der deutsche Barkeeper-Vizeweltmeister Adnan Alija stand Pate, genau wir für den „Wild Thymian Fizz“ oder den „Apfelstrudel-Drink“. Viel Wert wird auf Ursprünglichkeit gelegt. Und die Alm-Cocktails sind authentisch.

dscf6195-large

„365 Tage im Jahr ist das Leben schön“, oder „Eat, Love, Live“ beschreibt Claudia Widauer die Philosophie des Hauses. „Genau wie die Betonung auf Bewegung, Kulinarik und Wellness.“ Letzteres steht für Signature Treatments, die Behandlungen werden ganz der Person und ihrem Charisma angepasst. Alle Öle, Cremes und Peelings werden aus Bergkräutern selbst hergestellt, ebenso wie viele Zutaten für die Hotelküche.

alpincard-001Zu jeder Jahreszeit ist die Forsthofalm ein Gästemagnet. Im Frühling und Herbst gibt es perfekte Wanderwege und Erkundungen mit der Löwen Alpin-Card, die jeder Gast erhält und freie Gondelfahrten ebenso bietet wie den Wandertaxi-Gutschein oder reduzierte Museenbesuche, im Sommer das nahe Zell am See zum Baden und im Winter lautet das Motto „Ski in, Ski out“ mit dem Lift der zweitgrößten Skischaukel des Landes vor der Tür.

Alles begann mit dem ersten Ziegelstein im Jahr 1972. Ein Familien- und Gästehaus entstand. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt vom Umdenken. In welche Richtung soll das Hotel gehen? Und heute? Das Holzhotel ist das letzte Glied einer langen Kette von Entscheidungen.

Was möchte der Gast, um die Anfahrt auf über 1.000 Höhenmeter überhaupt erst anzugehen? Was passt in die Landschaft? Es gab viele Ideen und genau so viele Umsetzungsmöglichkeiten. Ein engagiertes Architekten-Team machte den Bau möglich und damit auch renommierte Architekturpreise. Claudia Widauer zeigt auf die Wand: „Mondholz“, betont sie. „Die Bäume dafür werden nach uralter Tradition nur bei abnehmendem Mond geschlagen. Zwischen November und Januar!“ Somit könne das Holz seine volle Kraft entfalten.

dscf6185-largedscf6180-large

Man muss nicht Esoteriker sein, um sich hier wohlzufühlen. Und was die Kulinarik angeht, so gibt es eine vom GaultMillau ausgezeichnete Haubenküche. Eine Schauküche mit offenem Holzkohlengrill zaubert Steaks und Co., der Brotbackofen sorgt täglich für frisches Brot und Gebäck und das reichhaltige Angebot an vegetarischem und veganem Essen im Restaurant Kukka lässt keine Wünsche oder Überzeugungen offen. Dazu gibt es ein reiches Weinangebot mit veganen und naturbelassenen Weinen und auch einem Bio-Bier. „Die meisten Gäste sind sehr gesundheitsbewusst.“

dscf6198-largedscf6238-large

Eines meiner Lieblingsbereiche ist die große Dachterrasse mit dem Panorama-Rundumblick und dem Sky Spa, einem großzügigen Wellnessbereich mit verschiedenen Saunen, einem Dampfbad, dem beheizten Außen-Pool und verschiedenen Ruhebereichen mit Wasserbetten, Kamin und auch ganz individuellen Romantik-Arrangements. Wie zum Beispiel der Panorama-Badewanne für Zwei auf dem Dach. Tägliche Yoga- oder Pilates-Stunden, geführte Berg-Wanderungen oder spezielle Kräuter- und Salben-Workshops runden das Angebot für Körper und Geist ab. Im Sommer steht ein Badeteich mit Liegewiese und Holzliegen zur Verfügung. Über eine überdachte Holzbrücke gehen wir in den Behandlungsbereich. „Gemeinsam mit unserem Spa-Team sammle ich Kräuter, die wir verarbeiten.“ Claudia Widauer beschäftigt sich schon sehr lange mit der Anwendung von Naturprodukten. „Die Rezepte dazu stammen größtenteils von mir“, sagt die Kräuterexpertin.

dscf6175-largedscf6232-largedscf6230-largedscf6193-large

Das Hotel ist das ganze Jahr über geöffnet. „Beliebt sind auch unsere Weihnachts- und Silvesterangebote. Wir legen viel Wert auf Tradition.“ Ganz klar, dass auch Hunde willkommen sind. Die Vierbeiner kommen in der schönen Gegend auf ihre Kosten. Es gibt genügend Platz, sich in der Landschaft auszutoben. „Schnee haben wir normalerweise ab Anfang Dezember. Ausnahmen bestätigen die Regel. Manchmal hilft auch die Kunstschneekanone den Sikfahrern!“, betont die Juniorchefin.

dscf6180-largedscf6267-large

Am nächsten Morgen stehe ich auf mit Blick auf den Sessellift und die Mountain Biker, die mit rasender Geschwindigkeit näher kommen. Vor wenigen Minuten erst haben sie ganz oben begonnen, an der Ansitz-Bergstation, wo Europas längste Mountainbike-Strecke beginnt. Ich dagegen ziehe Schwimmen vor. Vor allem bei so einem angenehmen Dachpool, von dem aus ich direkt zu den Leoganger Steinbergen blicke. Und heute ist der Himmel stahlblau. Ich wickle mich in den Bademantel. Von den King Size-Liegen auf der Terrasse blinzle ich direkt in die strahlende Herbstsonne. Wie war das noch mal mit den 365 Tagen? Ja, das Leben ist schön. Beginne ich nun wieder mit einem Tag dieses Lebens: Ausruhen, wiederkehren, verweilen und vielleicht bleiben. Spätestens dann in einem Jahr, wenn ich zurückkomme. Warum eigentlich nicht?

Info: Jeder Gast zahlt den gleichen Preis, je nach Saison. Ausgenommen sind Getränke und Behandlungen.

Die Suiten

dscf6215-largedscf6213-large

Die Forsthofalm hat insgesamt 9 Suiten in vier unterschiedlichen Kategorien. Hier gibt es, je nach Gusto, Trinkwasserbehälter, in denen das Wasser rechtsgedreht und gefiltert ist, offene Kamine, großzügige Bäder und Balkone oder eigene Terrassen. Sie haben eine Größe von 35 bis 50 oder 67 bis 70 Quadratmeter.Die Juniosuite „Mountain Love“ vermittelt mit Feuerstelle und Kuschelecke die richtige Atmosphäre für Verliebte, andere dagegen, wie „Secret Forest“, bergen die Geheimnisse des Waldes. Darin gibt es das frei an Seilen hängende Doppelbett aus Zirbenholz und die eigene Sauna auf dem Balkon. „Suite 180 ̊ “ bezaubert mit Panoramabad, freistehender Badewanne, Heimkino und begehbarem Kleiderschrank sowie einem traumhaften 180 ̊ –Panorama.

dscf6210-largedscf6212-largedscf6207-large

Die Suiten wurden von den Designern des TEAM7 entworfen.

Anreise zur Forsthofalm: Bahn oder Auto bis Leogang, Salzburger Land. Abholung mit Hotel-Shuttle. Im Winter besteht die Möglichkeit, das Auto im Tal zu parken.

www.forsthofalm.com

Fotos: Enric Boixadós

Der Aufenthalt wurde vom Holzhotel Forsthofalm unterstützt.

Veröffentlicht unter Austria, Hotels | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das erste Mal

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ist es wirklich so, dass man eines Tages alles erlebt hat und es dann keine weiteren ersten Male mehr gibt? Nein, so ist es bestimmt nicht! Gerade auf Reisen erlebt man viele weitere erste Male! Man muss nur danach suchen und die richtigen Plätze finden. Oder eben die üblichen Pfade verlassen.

choiceDenn wenn wir reisen erleben wir oft erste Male. Die Magie der Costa Smeralda genießen, die heiße Sonne von Benin auf der Haut spüren, den Vollmond und die dazugehörige Party auf Ko Phangan erleben. Warum reisen wir? Ich denke, dass wir es der Erlebnisse willens tun, die uns fremd sind. Dinge, von denen wir nie ahnten, dass es sie überhaupt gibt, geschweige denn, dass sie uns gefallen könnten. Genau dafür reisen wir. Weil das, was wir später Fremden und Freunden erzählen, daraus bestehen wird.

Und immer wieder stelle ich fest: Je drastischer eine Situation war, umso besser kann man darüber berichten. Und auch: Erste Male müssen schlimm sein, um sie interessant zu machen. Den Postkartenstrand hat nämlich schon jeder mal gesehen, aber die Ureinwohner in den Urwäldern des Kongos bestimmt nicht. Erste Male sind auch einmalig, die kann man nicht einfach so kopieren. Und dann gibt es die Angst, die viele vom Reisen abhält. Heute mehr denn je. In Südostasien gibt es giftige Schlangen, im Nahen Osten zu viele Anschläge, in Afrika zu viele Bürgerkriege und in Südamerika Drogenbosse und Konsorten. Ja, es stimmt, die Welt ist ein unsicherer Ort. Sehr sogar.

abenteuerDoch die Ziele, die fast nie im Reisekatalog beworben wurden, waren für mich immer die Interessantesten. Gerade deshalb habe ich mich dahin auf den Weg gemacht. Um Abenteuer zu erleben, um erste Male zu erleben. Angst habe ich keine mehr. Ich muss sie irgendwann mal überwunden haben. Und später, erst viel später habe ich ein Gefühl kennen gelernt: Dankbarkeit.

Dafür, dass es mir auf meinen Reisen, während meiner Abenteuer immer gut ging. Genau das ist nicht selbstverständlich. Nein, überhaupt nicht. Und dabei habe ich erkannt, dass uns unsere Unsicherheit sehr oft um erste Male bringt. Erste Male können auch klein sein und sehr schön. Schon lange habe ich entschieden, nicht mehr in Backpacker-Buden wie früher zu logieren. Das hatte zwar etwas Umwerfendes aber es ist nicht mehr das, was ich nun möchte.

Und: Ich möche meine Wertsachen nicht mehr mit dem Vorhängeschloss sichern wie ich es früher getan habe. Ich erinnere mich an meinen Aufenthalt in Südindien in einem sehr schönen Ressort. Und daran, dass jeden Abend ein Bediensteter kam, um meine Hütte mit einem weihrauchähnlichem Duft zu bestäuben. Gegen die Moskitos. Und, in der Tat: Ich wurde nicht gestochen. Das beeindruckte mich nachhaltig und bis heute habe ich den Geruch, den ich wirklich mag, in der Nase. Sobald ich Weihrauch rieche, denke ich daran zurück. An Südindien, an die Tropen, an meine Hütte. Und dieses Erlebnis war wohl das tausendste allererste Mal auf meinen Reisen. Und daran erinnern werde ich mich vor allem, weil ich Euch davon erzählt habe.

Veröffentlicht unter Glücksbote, Reise, Sabine’s world: A travel diary | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

Tausche Zeit gegen Geld

kuper-eine-million-minuten_300dpi-large

Das trifft nun auch auf mich zu. Denn ich plane eine längere Auszeit. „Tausche Zeit gegen Geld!“ ist auch zu meiner Devise geworden. Und hier stelle ich Euch gerne das Buch von Wolf Küpers vor, der, genau wie ich, aus der Entwicklungszusammenarbeit kommt. Deshalb bin ich auch auf die Lektüre aufmerksam geworden. Es ist die Geschichte eines Vaters, der viel aufgibt und noch mehr gewinnt.

„Eine Million Minuten“ ist ein Märchen aus dem Deutschland der Gegenwart. Die wahre Geschichte einer Familie, in der sich ein Vater von den Träumen seiner Tochter anstecken lässt, sich von seiner Karriereplanung verabschiedet, und vier Menschen die Reise ihres Lebens machen.

10646925_522651564536232_3879538534498855309_nAls Nina eines Abends beim Zubettgehen sagt: „Ach Papa, ich wünschte, wir hätten eine Million Minuten. Nur für die ganzen schönen Sachen, weißt Du?“, bekommt Wolf Küper eine Ahnung davon, dass eine Million gemeinsam verbrachter Minuten womöglich sehr viel wertvoller sein könnten als eine glänzende Karriere. So beginnt eine Weltreise nach Thailand, rund um die Südinsel Neuseelands und quer durch Australien. Mit an Bord sind Ninas nur wenige Monate alter, also vollkommen ahnungsloser Bruder Mr. Simon, Vera, die Mutter der beiden, und Nina, die offiziell schwerbehindert ist – oder von einem anderen Planeten stammt, wie sie von sich selbst sagt. Zu viert verlassen sie Deutschland, um sich endlich Zeit für die großen Träume und kleinen Augenblicke zu nehmen.

Zum Autor: Wolf Küper, geboren 1973 in Bremerhaven, promovierte im Bereich der Internationalen Umweltpolitik. Er arbeitete mehrere Jahre als Tropenforscher in den Regenwäldern Südamerikas sowie als Gutachter für die Vereinten Nationen. Bis ihn seine vierjährige Tochter eines Abends überzeugte, dass es eigentlich Wichtigeres gibt als eine glänzende Karriere. Seine Entscheidung für die Familie hat er nie bereut. Zurzeit lebt er in Bonn.

Wolf Küper : Eine Million Minuten. Wie ich meiner Tochter einen Wunsch erfüllte und wir das Glück fanden, 256 Seiten, 19,99 Euro.

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 4 Kommentare

Bella Amalfiküste

OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wir nähern uns mit dem Segelboot. Die Bucht von Positano sieht nach bunten Bonbons aus. Wegen der Sonnenschirme, wegen der farbenfrohen Badekleidung, hauptsächlich sind es Bikinis. Bikinis für Groß und Klein, für Dicke und Dünne. Wir sind an Italiens berühmtester Küste. Früher kamen Künstler, um sich inspirieren zu lassen. Die ganz Großen des Kinos, der Musik, der Literatur: Elizabeth Taylor, Marcello Mastroianni, die Deneuve oder John Steinbeck, der Schriftsteller. Und der hat es aufgeschrieben, was so viele denken: „Positano geht unter die Haut. Es wirkt nicht real, wenn du dort bist, und es wird verlockend real, wenn du gegangen bist.“ Positano liegt an der Amalfi-Küste. Ganz genau! Heute kommen auch viele B- und C-Promis und natürlich die Superreichen. Aber nicht nur. Sondern auch ganz normale Leute. Leute wie Du und ich.

Bin ich froh, mit dem Boot zu kommen, denn die schönsten Buchten sind nur vom Meer aus erreichbar. Riesige Kreuzfahrtschiffe spucken täglich Tausende von Menschen aus, die alle nur das eine suchen: Diese Orte, die so aussehen wie aus der Werbung der 1950er Jahre, als die Welt noch heil, italienisches Essen noch exotisch und der Wein noch nicht gepanscht war. Und als es noch keinen Terror und keine Anschläge gab. Heute sitzen sie alle in den viel zu großen Sightseeing-Bussen, die die engen Straßen verstopfen, die einst eigentlich für die Cinquecentos gebaut wurden, diese Mini-Autos von früher. Und über den Straßen hängen noch nach wie vor die Wäsche an Leinen und flackert im Wind.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWir sind zu Fuß unterwegs, nachdem wir unser Boot im Hafen von Amalfi geparkt haben. Rauf und runter laufen wir durch die engen Gassen, immer dicht an den Hauswänden entlang, um nicht in der Gefahrenzone zu sein, die sich durch Hupen und Bremsgeräusche bemerkbar macht.

Trotz allem, auch mir geht die Amalfi-Küste mit ihrer besonderen Schönheit unter die Haut. Es liegt am Licht, durch das die Konturen ganz weich werden und damit diese Farben erstrahlen. Und das Meer, diese tiefblaue, grüne oder türkisfarbene Fläche ist immer da, egal wohin man schaut. Ich kann mir gut vorstellen, wie es früher war. Die Partygänger von damals, die Jackie Kennedys und die Frank Sinatras. Wenn die Nacht anbrach begannen die Partys. Die noch heute legendär sind, zumindest wenn man den Erzählungen lauscht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Zurück auf dem Boot legen wir ab, fahren hinüber zu den drei kleinen Inseln des „Li Galli“-Archipels. Wir reihen uns in die Gruppe der Yachten ein, die „die Hähne“ umkreisen. So lautet die Übersetzung. Keine Ahnung, warum!  Zwei davon sind unbewohnt. Die dritte, genannt „Il Gallo Lungo“ oder „Der lange Hahn“ gehörte einst dem russischen Ballett-Star Rudolf Nurejew. Nach seinem Tod 1993 wurde die Insel für 4,5 Millionen Mark verkauft. Heute ist sie ein Vielfaches wert. Mieten kann man die Insel übrigens zum Schnäppchenpreis. Nämlich für 250.000 Euro pro Woche!

Schön, diese Küste südlich von Neapel. Immer noch. Immer wieder. Und irgendwie verwunschen, irgendwie entrückt.

 

 

 

Veröffentlicht unter Italy, Reise, Sabine’s world: A travel diary, Sailing, Surfing, Swimming Pools | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

UN-Lehrgang für Kriegsjournalisten

img_1872-large

Als Journalistin in Kahramanmaraş und am Stützpunkt der NATO bei İncirlik an der syrischen Grenze.

„Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Oder wie ich mich vor Terrorangriffen schützen lerne.“

In diesen Ländern ist mir stets bewusst, dass ich einer gewissen Gefährdungslage ausgesetzt bin. Obwohl dieses Bewusstsein eher unterschwellig passiert, zumal ich versuche, mich nie einer unkontrollierbaren Risikosituation auszusetzen.

Es war eine Woche voller Extremsituationen, die allesamt physisch und psychisch sehr herausfordernd waren. Als ich das erste Mal davon gehört bzw. darüber gelesen habe, wollte ich diesen Herausforderungen selbst begegnen: „Lehrgang für Journalisten in Krisensituationen“ oder eben auf Englisch „Hostile Environment Awareness Training„. Als Ort stand uns (insgesamt 19 Journalisten) das Ausbildungszentrum der Vereinten Nationen in der Bundeswehr-Kaserne Hammelburg zur Verfügung. Ein paarmal pro Jahr wird er angeboten. Ich habe mich bewusst für den Sommer entschieden, was letztendlich eine sehr sinnvolle Entscheidung war (wer möchte schon bäuchlings mit Splitterschutzweste durch den Schneematsch kriechen?).

l1120729-large

Im Camp Marmal, Mazar-e Sharif, Afghanistan.

Trainiert wurden unterschiedliche Situationen, die alle jedoch lebensbedrohlich waren. Marschiert sind wir in der Regel mit Splitterschutzweste und Stahlhelm, was noch einmal das Körpergewicht um 20 Kilo erhöht hat. Mit dem Wetter hatten wir Glück oder eben auch nicht, je nachdem, wie sich jeder bei über 30 Grad Sommertemperatur fühlt. Zumindest mit dem zusätzlichen Gewicht! Bevor wir nach draußen und in die reale Welt zogen, ging es erst einmal um Theorie. Eine BW-Psychologin erklärte uns die Unterschiede zwischen Entführung und Geiselnahme und Methoden zur Trauma-Verarbeitung.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bei einer UN-Mission unterwegs in einem gepanzerten Fahrzeug, wie hier im Libanon.

Es folgten Tage im fiktiven Dorf Bonnland, wo Situationen mit konkreter Gefahrenlage nachgestellt wurden. Wie reagiere ich auf Schüsse oder Handgranaten? Wo suche ich Deckung? Wie entscheide ich, wenn es darum geht, mein und/oder das Leben anderer zu retten? Wie gehe ich mit einer Bombendetonation zum Beispiel auf einem belebten Marktplatz um? Wie verhalte ich mich, wenn ich zwischen die Auseinandersetzung von feindlichen Milizen und lokaler Armee oder UN-Soldaten gerate? Was kann bei illegalen und unberechenbaren Militär-Kontrollpunkten passieren? Wie schütze ich mich und mein Leben in unübersichtlichen und aggressiven Zuständen?

Bei Schießübungen wurde aufgezeigt, woher die Schüsse kommen, um in Deckung gehen zu können. Ein weiteres Ziel der Übungen war, unterscheiden zu lernen, mit welchen Waffen gefeuert wurde. In einem unterirdischen Bunker erlebten wir verschiedene schwere Detonationen (bis 5 Kilogramm Sprengstoff) und spürten die Auswirkungen der Druckwellen. Ein weiterer Fokus wurde auf medizinische Hilfe im Einsatz gelegt. Definitiv nicht verkehrt, denn mein Erster Hilfe-Kurs lag gefühlt schon Ewigkeiten zurück. Auch hier wurde Theorie mit dem Ernstfall kombiniert, als auf einem fiktiven Dorfplatz ein Anschlag ausgeübt wurde.

6 Don’ts

  1. Nichts anfassen, was auf dem Boden liegt und unbekannt ist
  2. Schlaglöcher vermeiden. Im Notfall davor anhalten und nachsehen, was drin ist.
  3. Keine militärischen Einrichtungen in Landkarten angeben.
  4. Am sichersten ist es, Deckung in einem Krater zu suchen.
  5. Achtung bei markierten Steinen und Wegen – Minengefahr!
  6. Routine kann tödlich sein.

Tipp:

Spraydose mit roter Farbe mit sich führen, um Steine oder Stöcke zu markieren, die auf Minengefahr hinweisen! Achtung: Nur wertlose Gegenstände markieren, da bei Sachen des täglichen Gebrauchs die Gefahr besteht, dass sie mitgenommen werden!

 

Veröffentlicht unter Afghanistan, Reise, Sabine’s world: A travel diary, Turkey | Verschlagwortet mit , , , , , , | 11 Kommentare