
Ich weiß nicht mehr, wie der See hieß, den ich während meiner Radtour durch Bullerbü-Land vor einigen Jahren entdeckte, aber ich denke immer noch an ihn. Vielleicht hatte er überhaupt keinen Namen, wie viele andere Gewässer auch in der schwedischen Wildnis.
Er war nicht allzu groß, vielleicht 70 Meter lang und 30 Meter breit, dazu von hohen Bäumen umgeben. Und da gab es ein kleines rotes Holzhaus. Idyllisch. Doch Menschen sah ich weit und breit keine. Kurz zuvor hatte der Blitz eingeschlagen, gleich neben mir, in einem Baum. Ich sah die Flamme direkt von der anderen Seite der kleinen Straße aus emporsteigen. In einer überdachten Bushaltestelle hatte ich Unterschlupf gefunden. Glück gehabt!
Doch dieser See war es, der mich rettete. Denn meine Gedanken wendeten sich ab, von dem Blitzeinschlag, der Gefahr, in der ich mich befand, hin zu den schönen Dingen an diesem Tag. Und da gehörte dieser See dazu. Unmittelbar. Das ist lange her.

Wenn ich heute daran denke, habe ich fast kein Bild mehr vor Augen, das hier abgebildete zeigt einen anderen See in Schweden. Denn ich hatte damals vergessen, ein Foto zu machen. Aber ich spüre immer noch dieses Glücksgefühl von einst, das mich so unglaublich leicht machte. Ich rieche noch den leicht modrigen Geruch des Wassers und sehe die Mücken um mich herum tanzen. Ich wünsche mir, genau diesen See noch einmal zu sehen.
Am liebsten würde ich an einem See wohnen oder zumindest Urlaub machen. Einen langen Urlaub mit vielen Büchern, ganz ohne Laptop und Handy. Ich möchte einen See zu jeder Tageszeit und jeden Wetterumschlag in seinem Spiegelbild erleben. Und natürlich darin schwimmen. Jeden Morgen, mindestens eine halbe Stunde. In den Sommermonaten, bis in den Herbst hinein. Das ist mein Traum.
Und anschließend auf den Holzbohlen des Steges liegen, zu dösen, an nichts zu denken und wenn die Phase des Traums vorüber ist, zu lesen. Mit der Gewissheit, dass mir der Lesestoff nicht ausgehen wird. Mal ganz einfach leben, ohne großes Trara, ohne andere Leute um mich herum. Am Spätnachmittag möchte ich an seinem Ufer sitzen und dem Spiel des Lichts auf dem Wasser zusehen. Einfach so. Das stelle ich mir gemeinhin als Glückserfahrung vor. Der See als Lebensgefühl. Lassen wir das mal so stehen. Glücklich sein, barfuß laufen und die Freiheit genießen. Als Erinnerung an früher und als klitzekleine Alltagsflucht. Und irgendwie bedeutet ein See auch, dass man angekommen ist. Irgendwie …
Wie geht es Euch damit? Habt Ihr einen besonderen Platz für Eure ganz persönliche Glückserfahrung?
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