Tagebuch einer Reise nach Südtunesien – Teil 3

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Ich wandere durch die Dörfer im Atlasgebirge, das nahe Algerien im Blick. Ich besuche Wasserfälle, die die Oasen speisen, und ich esse Berber-Pizza. Wir besuchen den Canyon von Midès an der algerischen Grenze! Ich blicke in die Schlucht hinunter und sehe in der Ferne Wanderer, die die Größe von Ameisen haben.

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Wir fahren über eine Asphaltstraße durch den Chott El-Djerid-Salzsee. Mitten drin ragen die bizarren Überreste eines Schulbusses auf, der bei plötzlichem Regen stecken geblieben ist. Das war vor über 25 Jahren. Die Schulkinder darin wurden alle gerettet. Heute ist der Bus nicht nur „instagram-tauglich“, sondern auch ein Lost Place mitten in der Einöde!

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Auf der Weiterfahrt begegnen wir ganz in der Nähe des Straßenrandes einer wilden Kamelherde.

„Halt! Ich will auch noch mit!“, sagt das kleine Kamel zum großen Kamel! Das stelle ich mir zumindest so vor, als ich sehe, wie viel Mühe das Kleine hat, mit den Großen Schritt zu halten.  

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Tagebuch einer Reise nach Südtunesien – Teil 2

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Gegen Abend komme ich im Oasenstädtchen Tozeur an. Berühmt ist die alte Saharastadt für ihre Palmenplantagen und für die weltweit besten Datteln, den „Deglet Nour“ („Finger des Lichts“).

Außerdem gibt es hier das weltweit einzige Dattelmuseum, das „Eden Palm“, das ich besuche. Es zeigt Pflanzungen und Ausstellungen über den Ökoraum Oase. Erläutert wird vor allem der besondere Wert von Palmen und Datteln für das Land. Es gibt leckere Produkte zu kaufen, wie Dattelsirup oder unterschiedliche Dattel-Marmeladen.

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Mein Fahrer lädt mich später auf einen Junggesellenabschied ein. Es geht lustig und ausgelassen zu. Die Gäste sind jung und alt. Alle Besucher haben sich in Schale geworfen, und eine Frau zeigt mir stolz ihren Henna-Handschmuck.

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Mein Domizil hier ist das Hotel Ksar Rouge. Am nächsten Morgen besuche ich die Wirkungsstätte des berühmtesten Poeten Tunesiens. Abu al-Qasim asch-Schabbi war ein tunesischer Dichter; er wird weithin als der Nationaldichter des Landes angesehen. Die beiden letzten Strophen der tunesischen Nationalhymne stammen aus seiner Feder. Ihm zu Ehren wurde ein Mausoleum gebaut, und der Hügel, auf dem er seine Inspiration fand, mit einem Adler geschmückt.

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Bevor es nach Westen weitergeht gibt es noch einen türkischen Kaffee im Berber Café mitten in der Medina. Von hier aus habe ich einen tollen Blick von der Dachterrasse aus auf die umliegende Oase und in die Altstadt mit der traditionellen Ziegelarchitektur aus dem 10. Jahrhundert. Und auf dem Markt kaufe ich noch ein Kilo Datteln, die Finger des Lichts.

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Resilienz und innere Stärke

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Bas Kast hat sich vor ein paar Jahren schon mit seinem „Ernährungskompass“ einen Autoren-Namen gemacht. Jetzt legt er mit dem „Seelenkompass“ noch eins drauf. Denn Körper, Geist und Seele hängen ja doch irgendwie zusammen. 

Krisen, Stress, Zukunftsängste und die Pandemie: Letztere haben wir ja zum Glück gemeistert und hinter uns gebracht. Mehr oder weniger gut. Diese schreckliche Zeit, die letztendlich fast drei Jahre andauerte, kostete uns einiges. Vor allem unser psychisches Wohlbefinden! In seinem neuesten Werk geht Bestsellerautor Bas Kast der Frage nach, was wir selbst dafür tun können, um unsere Seele zu stärken und (wieder) in die innere Balance zu finden.

Er recherchiert, wie Ernährung und mentale Gesundheit zusammenhängen, und probiert aus, wie körperliche Bewegung, Naturerlebnisse oder Hitze- und Kälte-Erfahrungen unsere Psyche beleben. Er besucht Meditations-Intensivkurse und testet an sich selbst die Heilkraft bewusstseinsverändernder Substanzen. Und er forscht nach, ob die Empfehlungen antiker Philosophen, den Seelenfrieden zu finden, auch heute noch gelten.

In seinem Buch zeigt der fränkische Autor auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und vieler Selbstversuche, welche körperlichen und psychischen Faktoren zusammenspielen müssen, um unsere Seele zu stärken. Und stellt zehn einfache, teils überraschende Strategien vor, wie wir Körper und Geist in jeder Lebensphase erfrischen, Zuversicht gewinnen und mit uns und der Welt wieder ins Gleichgewicht kommen. Hört sich doch irgendwie ganz einfach an! Probieren wir es aus! Schildert mir Eure Erfahrungen in den Kommentaren!

Bas Kast: Kompass für die Seele, 256 Seiten, 24 Euro.

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Foto der Woche – Kairouan

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Barbier Mausoleum, Kairouan, Tunesien, März 2023

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Tagebuch einer Reise nach Südtunesien – Teil 1

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Eine Tour nur für mich, mit Fahrer und Guides. Ich wohne zurzeit in Tunis und habe einen Tag frei. Der Montag ist ein Brückentag. Mir ist durchaus bewusst, dass das Reiseprogramm straff wird, aber nach dem Norden Tunesiens möchte ich auch ein wenig vom Süden des Landes kennenlernen. Erste Station ist Kairouan, die viertheiligste Stadt der islamischen Welt, mit rund 120.000 Einwohnern.

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Mekka, Medina und Jerusalem sind als heilige Orte bekannt. Doch direkt danach ist das tunesische Kairouan zu nennen.

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Hier gibt es ein wunderschönes traditionelles Guesthouse mitten in der Medina mit sehr individuell eingerichteten Zimmern! Zum Mittagessen gehen wir in einen bekannten Imbiss, wo die halbe Stadt Schlange steht. Vegetarisch.

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Kairouan ist auch bekannt für seine große Moschee und die Teppichknüpfereien. Es gibt wunderschöne Exemplare. Außerdem gibt es hier landesweit die günstigsten Postkarten. Ja, ich gebe es zu: Ich schreibe noch Urlaubsgrüße.

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Dann geht es weiter auf dem Highway Richtung Süden.

Falls Ihr weitere Informationen benötigt, schreibt mir in einem Kommentar.

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Der Schwarzwald als Weißwald

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Der Künstler Joseph Carlson hat mit „Schwarz.Wald.Weiß“ ein Kunstkonzept in Buchform geschaffen, das die Farbe Schwarz den Blick auf die Farbe Weiß gegenüberstellt. Der Schwarzwald als Weißwald.

In den vielen Jahren, die der Künstler schon im Schwarzwald lebt, in denen er auf seinen täglichen Wegen durch die Waldeinsamkeit fährt, ist er dem Weiß nahegekommen oder das Weiß ihm. Das hat ihn und seine Kamera nicht ruhen lassen. So hat er das Weiß dieser Bergregion mit der Kamera aufgespürt und schenkt uns damit Einsichten in das Wesen einer Erscheinung, die mehr ist als nur Farbe.

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Das Betrachten der Bilder lädt ein zur persönlichen Entschleunigung, zum Runterkommen und Träumen mit dem Ergebnis, diese Wunderwelt, dieses archaische Selbstverständnis persönlich erleben zu wollen, vielleicht sogar im nächsten Winter. Ruhe suchen, den Atem vor unserer hektischen Welt anhalten und den Sinn auf das Wesentliche zu konzentrieren sind hier die Eckpunkte, die jeder mit sich selbst ausmachen muss.

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Wie lange wird es Wälder wie den Schwarzwald überhaupt noch geben in unserer schnellen, pulsierenden Welt? Diese Frage muss jede und jeder von uns selbst beantworten. Das Buch kann trotz des stolzen Preises, das es kostet, durchaus helfen, diese stille Schönheit zu bewahren und zu konservieren. 

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Joseph Carlson: Schwarz.Wald.Weiß. Der Schwarzwald als Weißwald, 116 Seiten, 48 Euro.

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Get the Vibe: Gemma Healey, DJ, United Kingdom

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Gemma is a UK DJ, based in Newquay, Cornwall

Just listen and get the Vibe here!

Gemma grew up in a small surf town with perfect beaches. Surfing was her first passion and she progressed to a fairly high standard for her age. Her mum was her biggest supporter but sadly she passed away when Gemma was 11 which flipped her world upside down. But Gemma was lucky enough to have an older sister, Beverly, who then took care of her.

Gemma did continue to surf and compete for the next 3 – 4 years but her love for the sport had somewhat diminished and it was then she discovered house music and so she started going out to parties and clubs with a group of friends who she still to this day is very close with and it was them who played a huge part in her upbringing. These friends supported her all through her life with the loss of her mother.

So from the age of about 14 she was completely in love with the dance music culture.

It was the year 2000 so the end of the 90’s rave scene was still very present.

„I was in love with the dance floor!“
Gemma Healey

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12 questions – 12 answers

What was the reason you got into the music business?

After spending a couple of years dancing and admiring the DJ’s I just thought one day, yes I would like to be the one stood up there. The one looking out to all the smiley, happy faces.

What is your preferred music style?

House & Techno! I’m all about the deep dark hard stuff. The connection people have through this style of music is like no other I have ever experienced. House music obviously is very close to my heart. I grew up listening to all the greats: Frankie Knuckles, Marshall Jefferson, Carl Cox, Sasha & Digweed. The list goes on …

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Your artist name?

Well that’s just me, Gemma Healey. No messing about here.

In which locations have you played?

My hometown, Newquay. I used to have a night called „This Is Sick“ at a local bar in town. A couple of small festivals around Cornwall. Bristol. Portugal. Thailand.

What do you think of mainstream music?

This is a tough one. I enjoy and listen to most genres and like them all for many different reasons. If we are talking about mainstream dance music then I will probably sway away from some the stuff that’s on the radio. Most electronic dance music these days is full of old hooks and samples from some of if not the best music ever made.

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You just can’t beat the originals right?

I like underground music. It’s more pure and raw and hedonistic.

Would you accept a paid Dj slot if it was for a style of music you do not like? Which style of music do you not like?

I would have to discuss with the promotor/owner of the venue first. I’m a techno DJ so if I were asked to play a drum and bass or hip hop set I would politely decline.

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Do you have stage fright ? If yes what is your remedy for it?

Always a little bit of nervous excitement for sure. A few deep breathes, a swift drink and we’re ready to go.

What are your weaknesses?

Hmmm, I’m an Aries so I think I’m definitely a little impatient. 

What are your strengths?

Great listener. If anyone needs a good ear, I’m your girl. Also a great selector. I know a sick track when I hear one.

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Where do you see yourself in 5 years?

After my last trip to Thailand I have 100% realised that I am supposed to live in a warm country. Hopefully playing good music in many locations to like minded beautiful people.

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Which DJ/producer would you like to meet in person?

Ahh – Nina Kraviz all day long ! She is a huge inspiration of mine. Her fearlessness to play what she wants when she wants. Her confident, endearing, mysterious presence on stage. Nina is a producer, singer DJ and her own manager. Yes, she blows my mind! Also Bjork. That woman has a terrifically beautiful mind and her knowledge and general being just has me in absolute awe.

Meet Gemma on Instagram!

Some more of Gemma’s mixes here: 

https://www.mixcloud.com/gemmashealey/this-is-sick-0117/

https://www.mixcloud.com/gemmashealey/nye-techno-sample/

https://www.mixcloud.com/gemmashealey/monday-dreamin-mix-189/

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„Du hast nur dieses eine Leben!“

Der Plan

Der Roman ist ein wahrer „Pageturner“, den  man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Es geht um zwei Frauen, die erst viel später erfahren, dass sie schicksalhaft miteinander verbunden sind. „Du hast nur dieses eine Leben! Wie möchtest Du es leben?“

Das Buch gibt eine Antwort auf diese Frage, und bestimmt manche von Euch würden es gerne den beiden Charakteren im Buch gleichtun. Meine vollste Leseempfehlung!

Schreibt mir doch mal, falls Ihr den Thriller auch lest und ob er Euch genauso fesselt wie mich!

Zum Inhalt: Meg ist eine Meisterin der Täuschung, und sie hat nur ein Ziel: Gerechtigkeit. Sie schleicht sich in die Leben skrupelloser Männer, die sich auf Kosten von Frauen bereichern, und bringt diese um ihr Vermögen und ihren guten Ruf. Doch nun wird es Zeit für ihren letzten Plan: Endlich will sie den Mann zu Fall bringen, mit dem alles begann. Aber sie ahnt nicht, dass ihr jemand auf den Fersen ist. Es ist eine Frau. Und auch sie will Rache …

Julie Clark: Der Plan, 385 Seiten, 15 Euro.

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24. Februar 2022: Als der Krieg ausbrach …

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Andrea Behm im Gespräch mit Außenministerin Annalena Baerbock Anfang Februar 2022 nahe der „Kontaktlinie“. Foto: Archiv Behm.

Vor einem Jahr war ich noch in der Ukraine, habe den Beginn des Krieges miterlebt und wurde zwei Tage nach dessen Ausbruch evakuiert. 

Meine ehemalige Kollegin Andrea Behm, die im Osten des Landes im Einsatz war, schildert ergreifend und berührend, wie diese „Flucht“ für uns Beobachterinnen und Beobachter der einst größten Special Monitoring Mission (SMM) der Welt wirklich war.

„Wir brauchen Friedenskonferenzen in Helsinki!“

von Andrea Behm, Juristin, MA Friedensforschung und ehemalige Beobachterin der OSZE Mission in der Ukraine

„Mach´ Dir keine Sorgen, Andrea“, sagte mein Kollege Andrej, ein ehemaliger russischer Luftwaffenoffizier, fröhlich zu mir am Morgen des 24. Februars 2022 im Büro der Sonderbeobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Mariupol. „In drei oder vier Tagen ist alles vorbei. Mariupol und die Ukraine werden demilitarisiert und entnazifiziert sein, und es wird wieder Ruhe einkehren.“ Ich war kurz zuvor in meiner Wohnung, zwei Kilometer vom Hafen entfernt, durch nahe Explosionen und klirrende Fensterscheiben geweckt worden. 

Seit Dezember 2021 war ich als Beobachterin der OSZE zunächst im Gebiet der Bezirkshauptstadt Donezk täglich auf Patrouille und dann nach Mariupol versetzt worden.

Spätestens ab Januar 2022 mit der eskalierenden Zunahme von Waffenstillstandsverletzungen an der sogenannten „Kontaktlinie“, unserem „Arbeitsplatz“, war mir klar, dass Russland die Ukraine angreifen und es gerade in der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol zu einem grausamen Häuserkampf kommen würde.

Die OSZE-Missionsleitung sowie die Bundesregierung hofften noch auf eine Verhandlungslösung mit Putin, während die Amerikaner und Briten ihr Personal aus Sicherheitsgründen bereits zehn Tage vor dem Angriff Russlands aus der Mission abgezogen hatten. Die Anspannung unter uns verbliebenen Beobachter*innen wuchs von Tag zu Tag.

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„Grünes Licht“ für die Evakuierung. Eine Kolonne gepanzerter Wagen setzt sich Richtung Moldawien in Bewegung. Es wird eine lange und gefährliche Fahrt werden. Foto: Archiv Behm.

Am 25. Februar 2022 endlich bekamen wir grünes Licht zur Evakuierung: Mit einigen unserer ukrainischen Kolleg*innen samt deren Kindern und Haustieren fuhren wir in einem langen Konvoi gepanzerter Wägen zwei Tage quer durch die Ukraine Richtung Chisinau in Moldawien. Ein wahrer Exodus. Nie wissend, was im nächsten Moment passieren würde. Nur wenige Tage später berichteten ukrainische Kolleg*innen, die im OSZE-Büro in Mariupol geblieben waren, dass zahllose Tote um das Bürogebäude herum lagen, Menschen, die einfach nur Wasser holen wollten.

Trauriger Schlusspunkt der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine: Eine ukrainische Kollegin wurde bei einem Bombenangriff in Kharkiv getötet.

Vier ukrainische Kollegen wurden von russischen Truppen verhaftet. Zwei von ihnen wurden aufgrund ihrer Tätigkeit für die OSZE wegen „Hochverrats“ zu zehn Jahren Haft verurteilt, die anderen beiden sind bis heute inhaftiert. Am 31. März 2022 beendete Russland mit seinem Veto die Arbeit der OSZE-Mission in der Ukraine.

Nun stellt sich die Frage: Was hat die Arbeit der OSZE seit ihrem Einsatz im Jahre 2014 tatsächlich gebracht? Konnte sie zu einer friedlichen Lösung des Konflikts beitragen, und wenn ja: Was?

Das Mandat der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine sah vor, dass 500 Mitarbeitende die Lage unparteiisch und objektiv beobachten, Fakten über Waffenstillstandsverletzungen ermitteln, darüber berichten und den Dialog zwischen den Konfliktparteien vor Ort fördern. 

Dazu arbeiteten wir Beobachter*innen – bedauerlicherweise immer nur mit einem unzureichenden Kontingent von 200-250 Personen im Osten des Landes – mit Behörden auf allen Ebenen sowie mit der Zivilgesellschaft, ethnischen und religiösen Gruppen und lokalen Gemeinschaften zusammen. Wir überwachten nicht nur den Abzug schwerer Waffen nach dem Minsk-Abkommen, sondern auch örtlich und zeitlich begrenzte Waffenstillstandsvereinbarungen, damit zerstörte Infrastruktur wieder repariert und Millionen Menschen auf beiden Seiten wieder mit Wasser, Strom und Wärme versorgt werden konnten. Wir beobachteten die „Grenzübergänge“ im Konfliktgebiet, damit Menschen ihre Verwandten auf der jeweils anderen Seite besuchen, an Familienfeierlichkeiten teilnehmen und ihre Sozialversicherungsleistungen in Empfang nehmen konnten.

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Andrea Behm und ihre Kolleg*innen auf ihren täglichen Grenz-Patrouillen: „Informationen sammeln und Fakten checken“, lauteten unter anderem ihre Aufgaben. Foto: Archiv Behm.

Auf unseren Patrouillen, zu denen auch russische Staatsangehörige gehörten, sammelten wir Informationen, sicherten Fakten und sandten täglich einen Bericht nach Wien, dem Hauptsitz der OSZE, wo er auf der Webseite veröffentlicht wurde. Für alle einsehbar.

Nur – wer las unsere Berichte? Wer verfolgte die kleinen und größeren Erfolge – und auch Misserfolge – der sogenannten „Trilateralen Kontaktgruppe“, in der die OSZE gemeinsam mit Vertreter*innen der Ukraine und der Russischen Föderation nach einer diplomatischen Lösung des Konflikts suchte? Wer beachtete unsere Menschenrechtsarbeit?

Viel zu selten wurden unsere Beobachtungen als Argumentations- oder gar als Entscheidungsgrundlage herangezogen. An der Qualität unserer Arbeit kann es nicht gelegen haben. Woran aber dann? War unsere Mission in der Ukraine – wie einige sagten – zu einem Feigenblatt westlicher Friedenspolitik verkommen?

Tatsächlich hat die OSZE als Institution in den letzten 20 Jahren an politischem Gewicht verloren. Anders als Russland, die aus ihr eine „Mini-UN“ für alle sicherheitsrelevanten Fragen in Europa machen wollte, war dem Westen unter der Führung der USA die NATO wichtiger, er konzentrierte sich auf ihre Erweiterung im Osten anstatt auf eine inklusivere europäische Sicherheitsordnung und eine Stärkung der OSZE als wichtige gesamteuropäische Organisation. Mit der Folge, dass Russland jetzt nur noch bilateral mit den USA, dann mit der NATO und zuletzt innerhalb der OSZE verhandeln möchte. 

Und das obwohl der Werkzeugkasten der OSZE voll ist mit hilfreichen Mitteln: Von Transparenzmaßnahmen, risikoreduzierenden Maßnahmen bis hin zu Vereinbarungen über militärische Manöver ist alles drin. Und noch viel mehr. Ein Blick in die Geschichte der OSZE zeigt, wie es ihr im Rahmen der Helsinki-Konferenzen von 1973-1975 gelungen ist, in den kältesten Tagen des Kalten Krieges Vertrauen zu bilden und gemeinschaftlich Frieden in Europa zu sichern. 

Was nun?

Die OSZE ist die einzige Sicherheitsorganisation, in der alle auf Augenhöhe an einem Tisch sitzen, die für die europäische Sicherheitsarchitektur von Bedeutung sind. Sie ist im Kalten Krieg aus der Konfrontation entstanden und von Ländern gegründet worden, die – wie heute auch – sehr unterschiedliche Interessen hatten, aber eine Eskalation verhindern wollten. 

Auch wenn die Zukunft der OSZE fragil erscheint, ihre Arbeit ist notwendiger denn je. Ein Vorstoß der Ukraine, Russland aus der OSZE auszuschließen, ist abgewehrt. Helga Schmidt, OSZE-Generalsekretärin, sprach sich für den Verbleib Russlands aus und stellte mit einer freiwilligen Staatengruppe, darunter auch die Bundesrepublik, ein neues Programm auf die Beine. Seit dem 1. November 2022 unterstützt die OSZE die Ukraine weiter bei ihren Reformen und beim Wiederaufbau. 

Ihre neue Rolle hat die OSZE damit noch nicht gefunden. Der Westen erinnert sich aber hoffentlich daran, dass sie es war, die einst für Vertrauen unter erbitterten Gegnern sorgte. Und dass es gerade jetzt an der Zeit ist, ihr mehr Aufmerksamkeit, Geld und Expertise zur Verfügung zu stellen.

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Kopfüber ins Wasser

Kopfüber ins Leben

Es ist ein leichter Frauenroman, der trotz allem eine Botschaft vermittelt:

„Bleibe Du selbst, auch wenn Dich das Schicksal in die Knie zwingt. Never give up!“

Auch ist es eine Geschichte, die motiviert, scheinbar Unerreichbares zu versuchen und gegebenenfalls auch zu schaffen. Beispielsweise den inneren Schweinehund immer wieder aufs Neue zu überlisten! Von mir für Euch: Eine deutliche Leseempfehlung!

Als passionierte Schwimmerin und gerade im Urlaub am Pool und im Meer war es mir ein Vergnügen, mich mit Charlie und Co. näher zu beschäftigen. Schreibt mir mal, wie Euch der Roman gefällt!

Zum Inhalt: Als Karens Mann vor der Traumküste Australiens ertrinkt, wird ihr und ihren Freundinnen schlagartig bewusst, dass – selbst wenn eine von ihnen bei diesem tragischen Unfall dabei gewesen wäre – keine hätte helfen können.

Sie beschließen, das gelegentliche Planschen im Schwimmbad in ein ausgiebiges und regelmäßiges Schwimmtraining umzuwandeln. Jede der Frauen hat ihre eigene Geschichte: Karen braucht vor allem Ablenkung von ihrer Trauer und die Gewissheit, im Notfall einen Ertrinkenden retten zu können. Charlie, alleinerziehende Mutter zweier Söhne, will vor allem fit werden und endlich wieder einen Mann kennenlernen. Cate ist die Königin des Schwimmbads, aber mit einem viel älteren Mann verheiratet. Ärztin Laura hat für jeden den passenden Rat, nur bei sich selbst weiß sie nicht weiter, und auf Wendy verlässt sich alle Welt, denn sie hält scheinbar alle Fäden in der Hand.

Auf dem Weg zum perfekten Delphinschwung kommen sich die fünf Frauen immer näher, feiern die Erfolge der anderen – im Wasser wie außerhalb – teilen Tränen, Lachen und Geheimnisse und finden ganz nebenbei zu sich selbst.

Eigentlich ist diese Frauengruppe der Prototyp, wie ideale Freundinnen-Cliquen funktionieren sollten, nur ist das in der Realität bei den wenigsten der Fall! Übrigens, ich habe das Buch von meiner Schwimmfreundin Sue geschenkt bekommen, mit der ich im Sommer regelmäßig in den schönsten Pools in unserer Umgebung zu Hause bin!

Wie geht es Euch mit Eurer Freundes-Clique? Genau so oder ist alles nur schöner Schein?

Anne de Lisle: Kopfüber ins Leben, 398 Seiten, 7,95 Euro.

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